Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V.
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Gesundheit in der Kommune

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Qualitätsentwicklung

Qualität ist ein zentraler Aspekt gesundheitsförderlicher Arbeit. Denn was nutzt das beste Angebot, wenn es seine Zielgruppe nicht erreicht oder der Aufwand in keinem Verhältnis zum Nutzen steht?

Doch die Qualität der „Dienstleistungen“ Gesundheitsförderung und Prävention lässt sich nicht einfach mit Normen und Kennzahlen überprüfen. Eine klassische Qualitätssicherung im Sinne einer Sicherstellung des angestrebten Qualitätsniveaus wie es bei der Herstellung von Produkten üblich ist, funktioniert hier nicht ohne weiteres. Stattdessen geht es vor allem darum, Prozesse zu verbessern. Man spricht dann von einer Qualitätsentwicklung.

Allgemein versteht man unter Qualitätsentwicklung die Förderung struktureller Bedingungen, Prozesse und Konzeptionen, die Schritt für Schritt zu einer besseren Qualität führen können. In Gesundheitsförderung und Prävention ist es das Ziel der Qualitätsentwicklung, gesundheitsförderliche Wirkungen von Interventionsmaßnahmen zu steigern. Damit erhöht sich der gesundheitsbezogene Nutzen (Effektivität) für die jeweilige Zielgruppe und gleichzeitig werden unnötige Kosten vermieden (Effizienz).

PHAC-Zyklus

Ein Rahmenmodell zur Abbildung einer solchen kontinuierlichen Verbesserung von Interventionsqualität im Bereich der Gesundheitsförderung und Prävention stellt der Public Health Action Cycle (PHAC-Zyklus) dar:

Der PHAC-Zyklus gliedert eine Intervention in vier Phasen: 1. die Definition und Bestimmung des Problems, 2. die Konzipierung einer geeigneten Strategie bzw. Maßnahme, 3. die Durchführung der Aktion sowie 4. die Evaluation der erzielten Wirkungen. Wird das Ergebnis der Bewertung mit der ursprünglichen Problembestimmung in Beziehung gesetzt, so kommt es zu einer neuen Problembestimmung. Dann kann der Zyklus von Neuem beginnen.

Häufig wird der Deming-Cycle (PDCA-Zyklus) mit den Phasen „Plan-do-check-act“ als Synonym verwendet, welcher als Regelkreis aus der industriellen Qualitätssicherung stammt und oft für Projektmanagementprozesse verwendet wird.

Was macht die KGC für die Qualitätsentwicklung?

Der bundesweite Kooperationsverbund Gesundheitliche Chancengleichheit hat Good Practice-Kriterien erarbeitet und inzwischen mehr als 100 Beispiele guter Praxis (Good Practice) ausgewählt. Um diese Kriterien für die Entwicklung von Maßnahmen und Projekten praktisch nutzbar zu machen, stellt er Printmedien und Online-Informationen bereit. Haben Sie Interesse an diesen Materialien: Dann wenden Sie sich an uns! Die KGC Rheinland-Pfalz stellt Ihnen diese Dokumente und weitere Informationen gerne zur Verfügung.

Welche Erfahrungen machen andere? Worauf sollte man bei der Planung und Durchführung von Präventionsmaßnahmen achten? Darüber informieren die zwölf Good-Practice-Kriterien des Kooperationsverbundes Gesundheitliche Chancengleichheit. In zwölf Steckbriefen wird dargestellt, wie sich ein Projekt umsetzen lässt – von der Konzeption bis hin zur Evaluation. Die Kriterien sollen Praktikerinnen und Praktikern ein Handwerkszeug liefern, mit dem sie ihre Projekte und Maßnahmen entsprechend der Kriterien reflektieren und gegebenenfalls optimieren können. Die KGC bietet zu den Qualitätskriterien Lernwerkstätten an und informiert über „Gute Praxis“-Beispiele, die auch auf der Homepage des Kooperationsverbundes Gesundheitliche Chancengleichheit zu finden sind.



 

Gesundheit geht alle an, sie darf nicht allein Thema für den Gesundheitssektor sein. Im Arbeitsleben, in der Schule, auch bei der Stadtentwicklung – gesundheitliche Aspekte müssen überall berücksichtigt werden. Diesen Ansatz verfolgt das Konzept „Health in all Policies“ (HiAP). Der Begriff wurde zum ersten Mal im Jahr 2013 auf der 8. Globalen Konferenz zur Gesundheitsförderung der WHO definiert. Es betont die Verantwortung aller Politikfelder für die Gesundheit der Bevölkerung.

Um gesunde Lebensverhältnisse zu schaffen und Gesundheit und Lebensqualität der Bevölkerung auf einer breiten Basis zu fördern, müssen die verschiedenen Politikbereiche intensiver zusammenarbeiten. Dafür ist es nötig, politikfeldübergreifende Zusammenhänge zu schaffen und Strukturen und Entscheidungsprozesse zu verändern. Es geht darum, die bereits vorhandenen Akteurinnen und Akteure der Gesundheitsförderung für weitere Partner aus anderen Fachbereichen zu sensibilisieren und mit in die Strategie einzubinden. Somit können Zusammenhänge unterschiedlicher Ressorts entstehen, die sich von vornherein nicht erschlossen hätten. Beispielsweise können Radwege den Straßenverkehr entlasten, den Weg zur Schule sicherer machen und dadurch einerseits die Luftqualität positiv beeinflussen, aber zugleich auch ein Bewegungsangebot darstellen, die körperliche Aktivität zu steigern. Eine Politikfeldübergreifende Zusammenarbeit ist nicht nur für die Kommunen eine Herausforderung. Auch die Länder und der Bund sind gefordert, genauso die EU und die globale Ebene.

Bei der Planung und Durchführung von Projekten, Programmen und Maßnahmen in der Prävention und Gesundheitsförderung ist die Orientierung an Qualitätskriterien wichtig. Das Faltblatt setzt die „Zwölf Qualitätskriterien guter Praxis der soziallagenbezogenen Gesundheitsförderung“ des Kooperationsverbundes Gesundheitliche Chancengleichheit in Beziehung zu den an anderer Stelle erhobenen Qualitätsanforderungen. Den Kriterien des Kooperationsverbunds wird in Tabellenform gegenübergestellt, welche – auf die zwölf Qualitätsdimensionen bezogenen – Aussagen im Leitfaden Prävention des GKV Spitzenverbandes, in den Bundesrahmenempfehlungen der Nationalen Präventionskonferenz sowie im Leitfaden Soziale Stadt Rheinland-Pfalz zu finden sind. Die große Schnittmenge gleichartiger Anforderungen bietet eine gute Voraussetzung für gemeinsame, übergreifende Maßnahmenplanungen.

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Synopse zu Qualitäts- und Förderkriterien für Gesundheitsförderung und Prävention im kommunalen Raum

Mit dem GKV-Leitfaden Prävention legt der GKV-Spitzenverband in Zusammenarbeit mit den Verbänden der Krankenkassen auf Bundesebene die inhaltlichen Handlungsfelder und qualitativen Kriterien für die Leistungen der Krankenkassen in der Primärprävention und betrieblichen Gesundheitsförderung fest, die für die Leistungserbringung vor Ort verbindlich gelten. Der Leitfaden Prävention gibt vor, welche Maßnahmen der Verhaltens- und Verhältnisprävention über die Krankenkassen finanziert werden können. Für die Durchführung von Projekten und Maßnahmen der kommunalen Gesundheitsförderung ist vor allem das Handlungsfeld „4. Gesundheitsförderung und Prävention in Lebenswelten §20a SGB V“ von besonderer Relevanz. In diesem Kapitel findet man auch die Qualitäts- und Förderkriterien für Gesundheitsförderung und Prävention in der Kommune.

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GKV-Leitfaden Prävention 2018