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Fachtag „Umgang mit psychischen Auffälligkeiten bei Schülerinnen und Schülern“

Mit großer Resonanz fand am 25. Februar 2015 in Ingelheim ein Fachtag für Lehrkräfte aller rheinland-pfälzischen Schulen statt. Er informierte über Formen und Symptome psychischer Störungen bei Jugendlichen und zeigte Möglichkeiten auf, wie Lehrkräfte und Schulleitungen mit Auffälligkeiten von Schülerinnen und Schülern umgehen können.

Psychische Erkrankungen zählen zu den häufigsten Krankheiten bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Knapp 20 Prozent der unter 18-Jährigen, d.h. knapp vier Millionen Kinder und Jugendliche, weisen psychische Auffälligkeiten auf. Dazu gehören neben emotionalen Problemen, die das Risiko für die Entwicklung einer psychischen Erkrankung beeinflussen, manifeste Störungsbilder wie ADHS, Störung des Sozialverhaltens, Depression, Angst-und Zwangsstörungen sowie gestörtes Essverhalten.

Auch in Rheinland-Pfalz werden Lehrkräfte im Schulalltag immer häufiger mit Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen konfrontiert. Der Fachtag, der vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur (MBWWK) in Kooperation mit der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz und der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) ausgerichtet wurde, stieß daher auf großes Interesse. Von rund 450 Interessenten konnten aufgrund der räumlichen Gegebenheiten nur 150 Personen an der Veranstaltung teilnehmen. Die überwältigende Resonanz spiegelt den Stellenwert wider, den das Thema in Schule und Unterricht einnimmt.

Kinder- und Jugendspychiater informierte

Prof. Dr.med. Dipl.-Psych. Michael Huss (Klinik und Poliklinik für Kinder-und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie Mainz) informierte in seinem Fachvortrag über Grundlagen psychischer Störungen und stellte dar, wie störungsbedingte funktionale Einschränkungen im Kindes-und Jugendalter das Unterrichtsgeschehen nachhaltig beeinflussen können. Der Umgang mit auffälligen Schülerinnen und Schülern erfordert zum einen Wissen, um bestimmte Muster von Verhaltensauffälligkeiten als Ausdruck einer ernst zu nehmenden psychischen Erkrankung erkennen zu können. Zum anderen brauchen Lehrkräfte ein vertieftes Verständnis für die spezielle Lebenssituation der Betroffenen, um Handlungsspielraum zu gewinnen.

Lebhafte Gesprächsrunden zeigten die Brisanz des Themas

In einer anschließenden Talkrunde stellten sich Bildungsstaatssekretär Hans Beckmann, LZG-Geschäftsführer Dr. Matthias Krell, Prof. Dr.med. Dipl.-Psych. Michael Huss/KJP und Dipl.-Psych. Alfred Kappauf, Präsident der Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz, den Fragen von Moderatorin Clea Buttgereit. Im Vordergrund stand, welche Aufgaben, aber auch welche Grenzen die Institution Schule im Umgang mit psychischen Auffälligkeiten von Schülerinnen und Schülern hat und wie Lehrkräfte unterstützt werden können. Die Gesprächsrunde führte zu einem intensiven Austausch mit dem Publikum und ermöglichte zahlreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, Diskussionsbeiträge zu leisten und ihre Standpunkte deutlich zu machen.

Eine weitere Gesprächsrunde betrachtete das System Schule unter verschiedenen Perspektiven: Eine Schülerin, die an einer Essstörung gelitten hat, eine Lehrkraft, die Mutter eines betroffenen Mädchens und der Leiter des Schulpsychologischen Dienstes im Pädagogischen Landesinstitut, Oliver Appel, stellten ihre Erfahrungen dar. Besonders eindringlich blieben die Schilderungen der Schülerin in Erinnerung, deren Erkrankung in der Schule unentdeckt und ohne Verständnis blieb. Positiven Eindruck dagegen machte ein „Früherkennungssystem“ für psychische Probleme, das eine stellvertretende Schulleiterin vorstellte. Ihre Schule hat ein System von Regeln implantiert, das zur rechtzeitigen Erkennung und Unterstützung betroffener Jugendlicher beitragen soll. 

Fortbildung unterstützt Lehrkräfte

Den Abschluss bildete eine kursorische Darstellung der dreiteiligen Fortbildungsreihe für Lehrkräfte „Wahrnehmen – Erkennen – Handeln. Umgang mit psychischen Auffälligkeiten bei Schülerinnen und Schülern“. Arne Bürger und Florian Hammerle, beide wissenschaftliche Mitarbeiter der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz, stellten exemplarisch Inhalte und Methoden der Fortbildung vor. Sie unterstützt Lehrkräfte durch Wissensvermittlung und mit praktischen Übungen darin, mehr Sensibilität und Sicherheit im Umgang mit betroffenen Schülerinnen und Schülern zu gewinnen. Gleichzeitig lernen sie, das gesamte Klassengeschehen und die eigenen Möglichkeiten und Grenzen nicht aus dem Auge zu verlieren.

Resümee

Insgesamt kann ein sehr positives Resümee der Veranstaltung gezogen werden. Nicht nur die große Nachfrage, sondern auch die Evaluationsergebnisse belegen, dass der Fachtag dem Wunsch nach Information und Austausch zu einem für Lehrkräfte bedeutsamen Thema nachkam. Die meisten Teilnehmenden gaben an, dass die Veranstaltung einen direkten Bezug zum Schulalltag hatte. Die Lehrkräfte sehen sich nun im Umgang mit betroffenen Schülerinnen und Schülern gestärkt. Insgesamt bewerteten 97 Prozent der teilnehmenden Personen den Besuch der Fachtagung als sehr lohnend, da sie einen Wissensgewinn erfuhren und ein deutlicher Praxisbezug vorhanden war.

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