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Leistungsdruck im Studium – wie man Stress besser bewältigt

Donnerstag, 16. Januar 2020 bis Freitag, 31. Januar 2020

Bald beginnen an den Hochschulen und Universitäten die Semesterferien. Das klingt nach Freizeit und Urlaub – tatsächlich ist aber diese Phase für viele Studierende mit besonderem Stress verbunden. In der Regel müssen dann aufwändige Semesterarbeiten geschrieben werden. Vor und während der vorlesungsfreien Zeit stehen zudem zahlreiche Prüfungen an. Von deren Ergebnissen hängen häufig die nächsten Jahre ab. Kein Wunder, wenn junge Menschen an ihre Grenzen stoßen, von Selbstzweifeln geplagt werden und unter Versagensängsten leiden. Die auftretenden Symptome ähneln häufig denen eines Burnouts und können in Erschöpfungszustände oder Depressionen münden.

Auswirkungen der Überforderung

Vor allem Bachelorstudierende sind hohen Leistungsanforderungen und Erwartungen ausgesetzt, haben aber wenige Entscheidungsspielräume. Das belastet und führt zu Unzufriedenheit. Wie eine Studie zur Gesundheit Studierender in Deutschland zeigte, die 2017 mit Beteiligung der Techniker Krankenkasse (TK) durchgeführt wurde, stehen ein Viertel der Studierenden unter starkem Stress und fühlen sich erschöpft. Besonders betroffen sind junge Frauen: Jede fünfte Studentin beschreibt Symptome einer sogenannten generalisierten Angststörung, jede sechste berichtet von depressiven Verstimmungen. Die Ergebnisse decken sich mit Erkenntnissen einer anderen Umfrage der Techniker Krankenkasse. Bis zu einem Drittel der Studierenden hatte hier Konzentrationsstörungen, Nervosität, Kopfschmerzen, Schlafstörungen und starke Stimmungsschwankungen angegeben. Rund 20 Prozent der Studentinnen und Studenten berichteten, dass sie zu viel Alkohol trinken und rauchen.

Hirndoping führt nicht weiter

Um ihre Leistung zu steigern, greifen Studierende oft zu Pillen, hat eine Studie an der Universität Mainz ergeben. Insgesamt jeder fünfte Studierende schluckt ein leistungssteigerndes Mittel. Dazu gehören die recht harmlosen Koffein-Tabletten zum Aufputschen. Dazu gehören aber auch verschreibungspflichtige Mittel, etwa Alzheimer-Medikamente und Antidepressiva als Stimmungsaufheller oder Amphetamine als Wachmacher. Sogar ein sehr bekanntes Medikament mit dem Wirkstoff Methylphenidat, der unter das Betäubungsmittelgesetz fällt und eigentlich gegen Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) verordnet wird, kommt zum Einsatz - ebenso der Wirkstoff Modenafil, der bei der Schlafkrankheit hilft. Studentinnen und Studenten nehmen diese Mittel ein, um ihre geistige Leistungsfähigkeit zu verbessern und vor Prüfungen konzentrierter und länger arbeiten zu können, ohne müde zu werden.

Dieses „Hirndoping“ ist jedoch gefährlich. Es hat unkalkulierbare Nebenwirkungen und über die Langzeitfolgen ist wenig bekannt. Es wirkt weder therapeutisch, noch sorgt es für Erholung. Stattdessen beutet es den Körper nur noch mehr aus. Ein Leistungstief zeigt an, dass man eine Erholungspause benötigt. Wird das Signal ignoriert, indem man eine Pille schluckt, kann man zwar weiterlernen, versagt aber dem Körper die notwendige Zeit, sich zu regenerieren. Dies rächt sich auf Dauer, wobei der Körper einfallsreich ist: Von einer Schwächung des Immunsystems über Schlafstörungen und Herzbeschwerden bis hin zu Psychosen und Stimmungsschwankungen ist alles möglich. Was viele nicht bedenken: Auch der Geist braucht regelmäßige Pausen, um kreativ und leistungsfähig zu bleiben.

Was dem Gehirn gut tut

Besser als leistungssteigernde Medikamente oder andere Drogen einzunehmen ist es, mit Verhaltensänderungen für mehr Entspannung zu sorgen.

  • Bauen Sie regelmäßige Pausen in Ihren Lernalltag ein, etwa das Mittagessen in der Mensa oder die Kaffeepause am Nachmittag.
  • Konzentrieren Sie sich auf eine Sache – wenn Sie lernen, lernen Sie, wenn Sie Pause machen, machen Sie Pause. Legen Sie auch fest, wann Sie die Nachrichten auf Ihrem Smartphone checken. Ständige Verfügbarkeit ist in aller Regel nicht nötig.
  • Unterteilen Sie den Lernstoff in Portionen und belohnen Sie sich, wenn Sie eine Etappe geschafft haben – überlegen Sie schon vorher, was Ihnen guttun würde. Je nach Etappe kann dies ein ausgedehntes Frühstück, ein Filmabend oder ein lang ersehnter Wochenendbesuch bei einer Freundin sein.
  • Legen Sie fest, wie viele Stunden am Tag Sie lernen. Zwei Extra-Stunden an einem ohnehin schon langen Tag bringen meist nichts außer noch mehr Erschöpfung.
  • Den meisten Menschen hilft Sport beim Entspannen. Dazu ist keine Mitgliedschaft im Sportstudio oder Verein nötig. Auch ein Spaziergang oder der Fußweg nach Hause bewirkt Überraschendes. Besonders Ausdauersport ist geeignet, Frust abzubauen, da im Gehirn Glückshormone freigesetzt werden.
  • Vielleicht finden Sie eine Lernpartnerin oder einen Lernpartner. Sie müssen nicht einmal den gleichen Stoff lernen. Alleine die gemeinsame Anwesenheit in der Bibliothek motiviert, und die gemeinsamen Pausen machen umso mehr Spaß.

Wenn dies alles nicht hilft, scheuen Sie sich nicht, die psychologische Beratungsstelle Ihrer Hochschule aufzusuchen. Die Mitarbeitenden dort sind auf Probleme wie Ihre vorbereitet und können Ihnen Wege aus der Stressfalle zeigen. Und Sie werden merken: Sie sind nicht allein.

Noch ein allgemeiner Tipp: Hetzen Sie nicht durch Ihr Studium, sondern lassen Sie sich ruhig etwas mehr Zeit. Im späteren Vorstellungsgespräch wird kaum jemand danach fragen, ob Sie ein oder zwei Semester länger studiert haben. Hier kommt es auch auf Ihre Persönlichkeit an, und diese entwickeln Sie nicht durch Lektüre und Auswendiglernen, sondern vor allem durch Erleben und Lebenserfahrung.

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)
Text: Dr. Beatrice Wagner, www.beatrice-wagner.de
Redaktion: Birgit Kahl-Rüther


Weiterführende Links

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