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Leben mit einem Lipödem

Donnerstag, 15. Februar 2024

Ein Lipödem ist eine Störung der Fettverteilung, die vornehmlich an den Beinen, seltener an den Armen auftritt. Es sind fast ausschließlich Frauen von der Erkrankung betroffen, Männer in den seltensten Fällen. Bei einem Lipödem ist das Unterhautfettgewebe über die Maßen vorhanden, besonders betroffen sind dabei Gesäß, Hüften und die Oberschenkel. Zusätzlich zu der Vermehrung und Vergrößerung der Fettzellen werden die Blutkapillaren durchlässiger, so dass sich Flüssigkeit im Gewebe sammelt.

Hier können Sie den Gesundheitstext anhören:


Welche Symptome kennzeichnen ein Lipödem?

Vornehmlich erkennt man ein Lipödem an einer besonderen Vermehrung des Fettgewebes an den Beinen und Hüften. Gelegentlich sind auch die Arme und die Bauchregion betroffen. Besonders auffällig: Ein Lipödem ist in der Regel symmetrisch ausgebildet. Es sind immer beide Extremitäten betroffen und Seitenunterschiede sind selten. Während auch das Gesäß oft mit einbezogen ist, sind Füße zumeist ausgespart, ebenso die Hände, wenn die Arme betroffen sind.

Die Diagnose für ein bestehendes Lipödem ist oft nicht so einfach, denn es gibt auch andere Erkrankungen, die ein ähnliches Erscheinungsbild und vergleichbare Beschwerden verursachen. Labor- oder bildgebende Untersuchungen, mit denen die Erkrankung zweifelsfrei festgestellt werden kann, stehen bisher nicht zur Verfügung. Aber welche fachärztliche Beratung ist hier geraten? Bei Verdacht auf ein Lipödem sollten Sie sich an spezialisierte Fachpraxen wenden. Dazu zählen hautärztliche Praxen sowie Spezialisten für Venen- und Lympherkrankungen.

Beschwerden bei einem Lipödem

Die Lipödem-Schwellung ist meist weich und lässt sich durch Hochlagern der Beine kaum verringern. Entzündungen und Infektionen können sich leicht in den Haufalten bilden, die durch die Fettgewebsvermehrung entstehen. Schmerzen und Spannungsgefühle und „schwere“ Beine sind weitere Kennzeichen. In späten Stadien bilden sich Fettlappen - sogenannte Wammen, die Bewegungsabläufe für Betroffene noch schwerer machen und sie in ihrem Alltag einschränken.

Behandlung ist wichtig

Eine Lipödem-Erkrankung sollte behandelt werden, denn sie ist fortschreitend, d.h. die Symptome nehmen unbehandelt zu.

Eine Lipödem-Erkrankung kann für die Betroffenen in mehrfacher Hinsicht belastend sein, weil sie zusätzlich zu den medizinischen Beschwerden auch eine ästhetische Problematik darstellen kann, was sich wiederum negativ auf die seelische Gesundheit auswirkt. Erkrankte fühlen sich dann in und mit ihrem Körper nicht mehr wohl, ja sie erkennen sich selbst gar nicht mehr. Ihr Selbstwertgefühl leidet, es können sich daraus Ängste und Depressionen entwickeln. Vor allem, wenn sie vom sozialen Umfeld unverschuldet als rein übergewichtig angesehen werden.

Die Stadien eines Lipödems

Nach Struktur und Oberfläche der Haut lassen sich folgende drei Lipödem-Stadien unterscheiden:

Lipödem-Stadium 1: (Anfangsstadium) Glatte Hautoberfläche, gleichmäßig verdickte und homogene Unterhaut

Lipödem-Stadium 2: Unebene, vorwiegend wellenartige Hautoberfläche und knotenartige Strukturen in der Unterhaut

Lipödem-Stadium 3: Ausgeprägte Umfangsvermehrung im betroffenen Körperbereich mit überhängenden Körperanteilen (Wammen)

Wodurch entsteht ein Lipödem?

Fettzellen vergrößern und vermehren sich im Unterhautfettgewebe übermäßig. Doch wodurch wird diese Überproduktion ausgelöst? Bisher sind die konkreten Ursachen für die Entstehung eines Lipödems nicht bekannt. Bisher gibt es aus medizinischen Kreisen nur Vermutungen. So könnte z. B. das Hormonsystem sowie eine genetische Veranlagung eine Rolle bei der Entstehung eines Lipödems spielen. Vor allem weibliche Hormone scheinen eine Rolle zu spielen, da fast nur Frauen betroffen sind und die Erkrankung häufig in Lebensphasen entsteht, die von Hormonumstellungen geprägt sind wie Pubertät, Schwangerschaft oder Wechseljahren. Vor allem dem Hormon Östrogen wird eine wichtige Rolle bei der Lipödem-Entstehung zugeschrieben. Fettzellen reagieren nämlich durch spezielle Andockstellen (Rezeptoren) auf ihrer Oberfläche auf Östrogen.

Oft tritt eine Lipödem-Erkrankung gehäuft in Familien auf. Das deutet auch auf eine genetische Komponente. So ist es möglich, dass Gene, die für den Aufbau von Gefäßen wichtig sind, verantwortlich für die Möglichkeit einer Erkrankung sind.

Wichtig zu wissen ist aber: Nach heutigen Erkenntnissen gibt es keine Hinweise darauf, dass eine unausgewogene Ernährung, Bewegungsmangel oder der Konsum gesundheitsschädigender Genussmittel eine Lipödem-Erkrankung verursachen. Auch bei sehr schlanken Frauen kann ein Lipödem diagnostiziert werden. Die Ausbildung eines Lipödems hat also nichts mit der Körperkonstitution zu tun.

Kann man einem Lipödem vorbeugen?

Wenn nach derzeitigem Kenntnisstand die Ursachen einer Erkrankung durch Veranlagung oder hormonelle Einflüsse bedingt sind, kann man keine vorbeugenden Maßnahmen gegen eine Erkrankung treffen. Man kann jedoch das Fortschreiten und die Verschlechterung des Zustands beeinflussen - mit ausgewogener Ernährung, regelmäßiger Bewegung und einem passenden Körpergewicht. Auch eine frühzeitige Behandlung kann ein Fortschreiten verhindern. Man muss sich aber im Klaren sein: Es ist eine fortschreitende, chronische Erkrankung, eine Heilung nach heutigen Erkenntnissen nicht möglich. Moderne Therapiemaßnahmen können jedoch die Symptome lindern.

Mögliche Therapiemaßnahmen

Die Lipödem-Behandlung zielt vor allem auf die Linderung der Beschwerden ab. Die Therapie soll zudem eine Verschlechterung des Zustands verhindern. Eine Heilung ist nicht möglich. Ein wichtiger Aspekt der Lipödem-Behandlung ist es, die Krankheit verstärkenden Faktoren zu reduzieren.

Dazu zählen vor allem:

  • Übergewicht
  • Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme)
  • Psychische Belastungen

Man unterscheidet zwischen konservativen und / oder operativen Therapiemethoden. Die konservative Behandlung eines Lipödems basiert auf physiotherapeutischen Maßnahmen. Der Überbegriff für diese Behandlungsmethode ist "komplexe physikalische Entstauungstherapie" (KPE). Sie ist besonders bei einem gleichzeitig bestehenden Lymphödem erfolgversprechend (Lipolymphödem). Zur Therapie gehört eine manuelle Lymphdrainage in Form von Schöpf-, Dreh- und auch Pumpgriffen.  

Im Anschluss an jede Sitzung wird das betroffene Areal gewickelt oder ein Kompressionsstrumpf angelegt. Diese Kompressionsbehandlung reduziert zwar ein Lipödem nur wenig. In vielen Fällen verlangsamt sie aber das Fortschreiten und verhindert, dass infolge eines Lipödems ein Lymphödem entsteht.

Auch andere physiotherapeutische Verfahren sind zur Behandlung eines Lipödems mitunter hilfreich. Dazu zählt etwa die Shock-Wave-Therapie. Sie verbessert die Durchblutung im Gewebe. Die sogenannte intermittierende pneumatische Kompression übt maschinell abwechselnd niedrigen und hohen Druck auf das betroffene Areal aus.

Zudem ist Sport ein wichtiger Bestandteil der Therapie. Zwar gibt es keine speziell auf ein Lipödem ausgerichtete Bewegungstherapie, doch wirkt sich körperliche Aktivität positiv auf Mobilität und Körpergewicht aus und hilft bei psychischen Belastungen.

Die richtige Hautpflege ist ein weiterer Pfeiler der Therapie. Sie verhindert Entzündungen und Infektionen der betroffenen Hautareale. Zur ganzheitlichen Therapie gehört auch die psychische Unterstützung der Betroffenen, denn viele leiden an Depressionen, Ängsten und/oder Essstörungen.  

Eine andere Therapiemaßnahme ist die operative. Mittels chirurgischer Fettabsaugung (Liposuktion) wird übermäßiges Unterhautfettgewebe dauerhaft entfernt. Der Eingriff erfolgt etwa, wenn die Beschwerden trotz konservativer Lipödem-Therapie weiter bestehen oder sogar zunehmen.

Durch die Liposuktion bessert sich das Beschwerdebild der meisten Patienten über viele Jahre. Vor allem Schmerzen und die Bluterguss-Neigung lassen sich durch den Eingriff verringern, zudem reduziert sich der Umfang der betroffenen Extremitäten.

Oft entfallen nach der Fettabsaugung konservative Maßnahmen (zum Beispiel Kompression) oder sind nur noch in geringerem Umfang nötig. Auch wenn keine Heilung der Erkrankung möglich ist, so gibt es heute doch inzwischen vielfältige Möglichkeiten, die Symptome deutlich zu lindern.

 

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)
Text und Redaktion: Andrea Sudiana, E-Mail asudiana@lzg-rlp.de