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Die Lungenkrankheit COPD – Was Betroffene während der Corona-Pandemie beachten sollten

Freitag, 16. April 2021 bis Freitag, 30. April 2021

COPD ist eine Lungenerkrankung, die sich durch entzündete und dauerhaft verengte Atemwege bemerkbar macht. Betroffene leiden unter hartnäckigem Husten und Auswurf, sie keuchen bei Anstrengung und sind kurzatmig. Im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung geraten viele selbst im Ruhezustand in Atemnot, weil die Lunge so stark angegriffen ist. Was geschieht, wenn sich an COPD erkrankte Menschen zusätzlich mit Covid-19 infizieren – einer weiteren Lungenkrankheit?

Was ist COPD?

Der Begriff COPD (Chronic Obstructiv Pulmonary Disease) ist aus dem Englischen abgeleitet und bedeutet: Dauerhaft atemwegsverengende Lungenkrankheit. COPD ist eine weit verbreitete und gleichzeitig unterschätzte Erkrankung der Lunge. Rund 15 Prozent der Menschen in Europa über 40 Jahren leiden an ihr. Sie zählt neben Herzinfarkt und Schlaganfall zu den häufigsten Todesursachen weltweit. Dabei kennt man den Hauptrisikofaktor für COPD sehr genau: das Rauchen. Etwa 90 Prozent der an COPD Erkrankten rauchen oder haben geraucht. Etwa jede fünfte rauchende Person erkrankt an COPD, wobei Frauen besonders gefährdet zu sein scheinen.

Verlauf der COPD

COPD beginnt oft mit einer chronischen Bronchitis, der sogenannten „Raucherbronchitis“ mit Husten und Auswurf. Die feinen Verzweigungen der Bronchien entzünden sich, dehnen sich aus und verschleimen. Im Folgenden kommt es zu irreversiblen, also nicht mehr behebbaren Lungenfunktionseinschränkungen mit erschwertem Ausatmen – eben der dauerhaften Atemwegsverengung, die der Krankheit ihren Namen gibt.

Ein Lungenemphysem kann die weitere Folge sein. Dabei löst sich die Struktur der Lungenbläschen allmählich auf, und die Lunge kann weniger Sauerstoff aufnehmen. Obwohl sich sehr viel Luft in den Lungenbläschen befindet, leiden die Betroffenen unter Atemnot. Schließlich kann es zu schubartigen Verschlimmerungen der COPD kommen, die häufig durch Infekte ausgelöst werden. Die Lungenfunktion wird so immer schlechter.

Besonders tückisch in Zeiten von Corona: Viele Menschen wissen gar nicht, dass sie COPD haben, denn die Krankheit entwickelt sich schleichend. Der morgendliche Husten und die verschleimte Lunge werden häufig als „Raucherhusten“ heruntergespielt, die Kurzatmigkeit als Alterserscheinung abgetan. Nehmen Sie aber solche Symptome gerade jetzt besonders ernst und lassen Sie Ihr Risiko für COPD fachärztlich klären.

Behandlung von COPD

COPD ist nicht heilbar. Da Rauchen die häufigste Ursache der Erkrankung ist, gilt der möglichst frühzeitige, komplette Verzicht auf Nikotin als wichtigste Maßnahme, um eine weitere Verschlechterung zu verhindern. Zusätzlich helfen Medikamente, die meist inhaliert werden und die Atemwege erweitern, die Entzündung reduzieren oder Schleim lösen. Sie können, genauso wie Atemschulungen und Bewegungstherapie, jedoch lediglich Verschlechterungen aufhalten und Symptome lindern. Im fortgeschrittenen Stadium kann Cortison die Entzündungen hemmen.

Was passiert bei einer Covid-19-Erkrankung mit der Lunge?

Auch Covid-19, die durch das Corona-Virus SARS-CoV2 hervorgerufene Erkrankung, schädigt die Lunge. Sie geht meist mit einer Lungenentzündung einher und kann zu akutem Lungenversagen führen. Selbst bei leichten Verläufen klagen die meisten Menschen über Atemnot bei gewohnten, einfachen Tätigkeiten. Nach überstandener Erkrankung leiden viele noch lange unter Kurzatmigkeit, die sich nur sehr langsam zurückbildet. Erste Untersuchungen zeigten, dass sich auch bei Covid-19 die Lungenbläschen entzünden. Zusätzlich treten winzige Blutgerinnsel in der Lunge auf, und es kommt zu Gefäßneubildungen, die die Atemfunktion und Sauerstoffversorgung weiter beeinträchtigen.

So erhöht sich das Risiko, wenn COPD-Betroffene an Covid-19 erkranken

Patientinnen und Patienten mit COPD haben zwar kein höheres Risiko als andere Menschen, sich zu infizieren und an Covid-19 zu erkranken, sie haben aber das Risiko eines schwereren Verlaufes. Beide Krankheiten gehen mit Atemnot einher. Die Probleme, die COPD-Betroffene sowieso schon mit der Luftversorgung haben, verschlimmern sich bei einer zusätzlichen Covid-19-Erkrankung noch mehr. Dadurch kann viel schneller als bei anderen Patienten eine künstliche Beatmung notwendig werden. COPD-Erkrankte sind zudem besonders anfällig für Lungenentzündungen und Lungenversagen – beides Risikofaktoren für schwere Verläufe bei Covid-19.

Das Robert-Koch-Institut zählt COPD-Erkrankte zu den Personengruppen, bei denen ein schwerer Verlauf der SARS-CoV-2-Infektion mit Todesfolge häufiger beobachtet wurde. Das gilt insbesondere, wenn gleichzeitig eine Herzerkrankung besteht.

Wie schützen sich COPD-Erkrankte vor Corona?

  • Sie sollten selbstverständlich besonders vorsichtig beim Kontakt mit anderen Menschen sein und die empfohlenen AHA-Maßnahmen zum Schutz vor dem Corona-Virus sehr ernst nehmen: also Abstand halten, Hygiene beachten und im Alltag eine Maske tragen. Aktuell sind an vielen Orten im öffentlichen Raum medizinische Masken (OP-Masken oder FFP2-Masken) vorgeschrieben. Da das Ansteckungsrisiko in Innenräumen deutlich höher ist als draußen, ist drinnen zudem regelmäßiges und gründliches Lüften nötig.
  • Wichtig ist auch, dass Sie Ihre Medikamente nicht vernachlässigen und durch zusätzliche Therapieformen Ihre Lungenfunktion stärken. Wer Cortison zum Inhalieren anwendet oder als Tabletten einnimmt, sollte damit fortfahren, empfiehlt die Stiftung für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen IQWiG. Die oftmals befürchteten negativen Auswirkungen von Cortison auf das Immunsystem seien nicht belegt – nach neusten Studien scheint die inhalative Kortison-Therapie sogar einen milderen Corona-Verlauf zu begünstigen.

Impfen ja oder nein?

Grundsätzlich wird auch Menschen mit COPD empfohlen, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen, ebenso gegen Pneumokokken und gegen Grippe. Die Corona-Impfstoffe sind auch an Personen mit COPD getestet. Dabei wurden keine außergewöhnlichen Nebenwirkungen festgestellt, auch keine Interaktion mit Medikamenten. Die STIKO (Ständige Impfkommission) stufte Menschen mit COPD in ihrer zweiten Aktualisierung der Covid-19-Impfempfehlung im Februar 2021 in die dritte Prioritätsgruppe hoch.

Wenn Sie unsicher sind, ob Sie an COPD leiden oder wenn Sie als COPD-Patientin oder -Patient wissen wollen, wie Sie während der Corona-Pandemie vorgehen sollen, holen Sie sich Rat in Ihrer haus- oder fachärztlichen Praxis. Hier erhalten Sie auch Auskunft über die aktuellen Empfehlungen und Impfmöglichkeiten.

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)
Text: Susanne Schneider, www.freistil-texte.de
Redaktion: Birgit Kahl-Rüther, Mail bkahl@lzg-rlp.de
Fachliches Lektorat: Dr. med. Dagmar Gillmann-Blum, Fachärztin für Innere Medizin und Lungen- und Bronchialheilkunde


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