Familiärer Darmkrebs: früh informiert – besser geschützt
Montag,
2. März 2026
Rund 55.000 Menschen erkranken jedes Jahr in Deutschland an Darmkrebs. In etwa 30 Prozent der Fälle besteht eine familiäre oder erbliche Vorbelastung – und damit ein deutlich erhöhtes Risiko für nahe Angehörige. Durch gezielte Vorsorge lässt sich familiärer Darmkrebs oft verhindern. Aber Betroffene wissen meist nichts von ihrer Gefährdung, weil in vielen Familien nicht über Erkrankungen gesprochen wird – sei es aus Scham, aus Unsicherheit oder aus Angst. Besonders junge Menschen erfahren häufig zu spät, dass sie Anspruch auf frühere und häufigere Vorsorge hätten.
Hier können Sie den Gesundheitstext anhören:
Gibt es in meiner Familie ein erhöhtes Risiko für Darmkrebs?
Der beste Weg, dies herauszufinden, ist Hemmschwellen zu überwinden und gezielt zu fragen. Dabei sollte man sich immer bewusst machen, dass es der Gesundheit aller Familienmitglieder dient, frühzeitig ihr Risiko zu kennen. Oft ist es auch erleichternd, über ein solch sensibles Thema zu reden.
Ein Verdacht auf familiäre Vorbelastung besteht, wenn eine Person aus der direkten Verwandtschaft an Darmkrebs oder einer Krebsvorstufe erkrankt ist. Das sind Eltern, Großeltern und Geschwister. Besonders aufmerksam sollte man sein, wenn die Erkrankung vor dem 50. Lebensjahr auftrat oder wenn bei mehreren Familienmitgliedern im Laufe ihres Lebens Darmkrebs oder Vorstufen davon (sogenannte Adenome) diagnostiziert wurden.
Je häufiger Darmkrebs in einer Familie vorkommt, desto wichtiger ist die rechtzeitige Vorsorge. Denn Darmkrebs entsteht meist aus zunächst harmlosen Polypen – werden diese rechtzeitig entdeckt und entfernt, kann Darmkrebs oft ganz verhindert werden.
Früherkennung rettet Leben – keine Angst vor der Vorsorge-Untersuchung!
Alle Menschen ab 50 Jahren sollten zur Darmkrebsvorsorge gehen – egal, ob es in ihrer Familie bereits Erkrankungen gab oder nicht. Sie werden von ihrer Krankenkasse dazu eingeladen. Zur Auswahl stehen alle zwei Jahre ein Stuhltest auf nicht sichtbares Blut oder zwei Darmspiegelungen im Abstand von zehn Jahren.
Der Stuhltest
Darmtumore bluten häufiger als gesunde Darmschleimhaut – aber oft ist dieses Blut im Stuhl nicht sichtbar. Der Test auf nicht sichtbares Blut im Stuhl (FIT) weist auch kleinste Mengen Blut nach. Er läuft ganz einfach über die hausärztliche oder die gynäkologische Praxis. Ist Blut im Stuhl, wird meist eine Darmspiegelung empfohlen.
Die Darmspiegelung (Koloskopie)
Die Darmspiegelung ist die sicherste Methode, um Darmkrebs zu erkennen. Hierbei wird der Darm – in der Regel unter Narkose – mit einem Endoskop von innen angeschaut. Auffällige Veränderungen im Darm können dabei gleich entfernt werden. Die Untersuchung gilt als sehr sicher. Am Tag zuvor muss der Darm komplett entleert werden, und für mehrere Stunden darf man nichts Festes essen.
Sind nahe Verwandte an Darmkrebs oder an Krebsvorstufen erkrankt, ist ein früherer Vorsorgebeginn wichtig. Hier gilt die Faustregel: Die erste Darmspiegelung sollte zehn Jahre vor dem Erkrankungsalter des betroffenen Familienmitglieds erfolgen. War das Familienmitglied also bei der Diagnose 45 Jahre alt, sollte man ab 35 zur Vorsorge gehen. Auch wenn bei einem Familienmitglied in jungen Jahren Krebsvorstufen (Polypen/Adenome) entdeckt wurden, gilt diese Empfehlung. Am besten sprechen Betroffene das Thema familiärer Darmkrebs bei ihrem Hausarzt oder ihrer Frauenärztin an oder lassen sich in einer gastroenterologischen Praxis beraten.
Familiärer oder erblicher Darmkrebs?
Tatsächlich sind dies nicht nur zwei Begriffe für dieselbe Erkrankung, sondern sie beschreiben unterschiedliche Phänomene. Erblicher Darmkrebs liegt vor, wenn eine vererbbare genetische Veränderung nachgewiesen werden kann. Bei familiärem Darmkrebs liegt keine genetische Veranlagung vor. Es ist nicht bekannt, woran die Häufung innerhalb der Familie liegt. Früh auftretender Darmkrebs oder mehrere betroffene Familienmitglieder können auf ein erbliches Risiko hinweisen. In solchen Fällen sind genetische Beratung und individuell angepasste Vorsorge empfehlenswert. Auch hier sind der Hausarzt, die Frauenärztin oder eine gastroenterologische Praxis die ersten Adressen.
Warnzeichen ernst nehmen
Darmkrebs verursacht lange kaum Beschwerden. Erste Anzeichen sind oft unspezifisch und können auch bei anderen Darmerkrankungen auftreten. Ein Besuch in der ärztlichen Praxis ist dringend geraten bei Blut im Stuhl, anhaltenden Bauchschmerzen, plötzlichen Veränderungen der Verdauung, unerklärlichem Gewichtsverlust oder dauerhafter Müdigkeit. Diese Symptome müssen nicht zwangsläufig auf Krebs hinweisen, sollten aber medizinisch abgeklärt werden.
Vorsorge beginnt im Alltag
Eine gesunde Lebensweise, vor allem natürlich bei der Ernährung, kommt der Darmgesundheit jedes Menschen zugute – egal, ob vorbelastet oder nicht. Übrigens ist ein gesunder Darm nicht nur besser gewappnet gegen Darmkrebs. Ein gesunder Darm ist auch ein wichtiger Bestandteil unseres Immunsystems. Es lohnt also in jedem Fall, den Darm wie einen guten Freund zu behandeln! Das heißt:
- Fettes Essen, rotes Fleisch, verarbeitete Lebensmittel wie Wurst, Schinken und Fertigprodukte reduzieren.
- Umso mehr Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte essen.
- Kalorienreiche, stark gesüßte Lebensmittel und Getränke meiden.
- Bewegung in den Alltag bringen – langes tägliches Sitzen kann ein Risiko sein.
- Auf Nikotin und Alkohol verzichten.
- Versuchen, Übergewicht loszuwerden.
Die LZG hat zu diesem Thema eine Wanderausstellung erarbeitet „Familiärer Darmkrebs: Früh informiert – besser geschützt“. Sie sensibilisiert für das Thema familiärer Darmkrebs, informiert über Möglichkeiten der Früherkennung und regt dazu an, im familiären und sozialen Umfeld offen über Darmkrebs zu sprechen. Eine fiktive Familiengeschichte, inspiriert von realen Erfahrungen, schafft einen niedrigschwelligen, persönlichen Zugang zu diesem oftmals tabuisierten und belastenden Thema. Die Ausstellung Familiärer Darmkrebs: Früh informiert - besser geschützt. ist ein Kooperationsprojekt der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) und der Stiftung LebensBlicke. Sie wird gefördert vom Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit in Rheinland-Pfalz und der BARMER.
© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)
Text: Susanne Schneider, freistil-texte.de; Fachlektorat: Prof. Dr. J. Riemann (Stiftung LebensBlicke); Redaktion: Andrea Sudiana, asudiana@lzg-rlp.de
Weiterführende Links zum Thema:
- Die Wanderausstellung „Familiärer Darmkrebs: Früh informiert – besser geschützt“ finden Sie hier.
Weitere Informationen und Beratung gibt es an diesen Stellen:
- Arbeitsgemeinschaft deutscher Darmkrebszentren,
Hier finden Sie eine Übersicht der zertifizierten Darmkrebszentren in Rheinland-Pfalz - Universitätsmedizin Mainz, Telefon 06131 17-7574 (oder -7575),
Geschäftsstelle
Schuckertstraße 37
67063 Ludwigshafen
Telefon: 0621 - 69 08 53 88
Fax: 0621 - 69 08 53 89
E-Mail: stiftung@lebensblicke.de
- Informations- und Beratungszentren der Krebsgesellschaft Rheinland-Pfalz e.V.
Koblenz: 0261 988650
Trier: 0651 40551
Ludwigshafen: 0621 578572
Kaiserslautern: 0631 4147230
Mainz: 06131 9201609
- Infonetz Krebs
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