Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V.
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Gesundheit im Alter

Symposium „Psychotherapie der Altersdepression“

28. November 2017 · 09:30 bis 16:00 Uhr · Alzey

Depression gehört neben demenziellen Erkrankungen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen im höheren Lebensalter. Viele Menschen halten Antriebslosigkeit, Niedergeschlagenheit und ängstliche Verstimmungen für unvermeidliche Begleiterscheinungen des Alters. Dass sich dahinter jedoch eine Erkrankung verbergen könnte, die behandelt werden kann, ist häufig nicht bekannt.

Das Symposium zeigte Psychotherapieverfahren auf, die an die Bedingungen des Alterns angepasst sind und gute empirische Evidenzen aufweisen. In Workshops wurden diese Methoden praxisnah vermittelt und die Möglichkeit zur Weiterentwicklung der Versorgungsstrukturen diskutiert.

Eine gemeinsame Veranstaltung der Rheinhessen-Fachklinik Alzey, der Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz und der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) im Rahmen der Initiative „Bündnisse gegen Depression in Rheinland-Pfalz“.

Die Veranstaltung wurde gefördert vom Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie Rheinland-Pfalz.

Einladung zum Download

09:30 Uhr
Begrüßung

10:00 Uhr
Vortrag „Altersdepression: Epidemiologie, Diagnostik und Therapie“
Prof. Dr. Andreas Fellgiebel, Chefarzt Gerontopsychiatrie, Rheinhessen-Fachklink Alzey

10:45 Uhr
Vortrag „Psychotherapie der Altersdepression“
Dr. Petra Dykierek, Psychologische Psychotherapeutin, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinikum Freiburg


11:30 Uhr
Kaffeepause


11:45 Uhr
Vortrag „Gerontopsychotherapie: welche Fort- und Weiterbildung brauchen wir?“
Prof. Dr. Stephan Mühlig, Klinische Psychologie und Psychotherapie, TU Chemnitz


12:30 Uhr
Mittagspause


13:15 Uhr · Workshops

1 Interpersonelle Psychotherapie bei Depressionen im Alter (IPT Late-Life)
Dr. Petra Dykierek, Psychologische Psychotherapeutin, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinikum Freiburg

2 Junge Therapeutin, alter Patient. Geht das überhaupt?
Aexandra Nägeli, Psychologische Psychotherapeutin, Abteilung Gerontopsychiatrie, Rheinhessen-Fachklinik Alzey

3 Stationäre und teilstationäre PT bei Altersdepression
Alexandra Van den Boom, Psychologische Psychotherapeutin, und Dipl.-Psych. Lena Verweyen, Abteilung Gerontopsychiatrie, Rheinhessen-Fachklinik Alzey 

4 Psychotherapie bei Älteren mit kognitiven Störungen und Demenz
Dipl.-Psych. Dr. Alexandra Linnemann, wissenschaftliche Mitarbeiterin Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsmedizin Mainz und Rheinhessen-Fachklink Alzey


15:45 Uhr
Ende der Veranstaltung

Altersdepression: Epidemiologie, Diagnostik und Therapie

Neben demenziellen Erkrankungen stellt die Altersdepression die häufigste psychische Störung bei Älteren dar. Sie ist eine ernst zu nehmende Erkrankung, die neben dem Verlust von Lebensqualität mit einem hohen Suizidrisiko einhergeht.

Die klinische Präsentation unterscheidet sich häufig von derjenigen der typischen depressiven Episode bei jüngeren Erwachsenen: Patienten klagen nicht selten schwerpunktmäßig über somatische Symptome, die Kernsymptome der Depression stehen oft nicht im Vordergrund. Es ist davon auszugehen, dass viele Fälle von Altersdepression nicht erkannt oder nicht diagnostiziert werden. Evidenz-basiert wirksame Therapien erhalten ebenfalls nur eine Minderheit der diagnostizierten Patienten. Dabei existieren gute empirische Evidenzen, dass sowohl die an die Bedingungen des Alterns angepasste medikamentöse antidepressive Therapie als auch die an die psychosozialen Umstände und die z.T. reduzierten kognitiven Fähigkeiten des Alters adaptierte Psychotherapie effektiv sind in Akuttherapie, Erhaltungstherapie und Rückfallprophylaxe.

Der Vortrag lieferte einen Überblick über Epidemiologie, Diagnostik und Therapiemöglichkeiten der Altersdepression.

Prof. Dr. Andreas Fellgiebel, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Facharzt für Neurologie, seit Okt. 2014 Chefarzt der Abteilung für Gerontopsychiatrie der Rheinhessen-Fachklinik Alzey. Sprecher der rheinlandpfälzischen Sektion der deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie (DGGPP), Vorstandsmitglied der Deutschen Akademie für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie (DAGPP).

Klinische Schwerpunkte: Demenz und Altersdepression. Wissenschaftliche Arbeitsbereiche in Kooperation mit der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz: Normale und pathologische Alterungsprozesse des Gehirns, Resilienzmechanismen, strukturelle Konnektivität (MRT, DTI), Versorgungsforschung Demenz.


Psychotherapie mit Älteren – Was gibt es Neues?

Die Erforschung, Implementierung und Inanspruchnahme psychotherapeutischer Interventionen für ältere Menschen ist nach wie vor unzureichend, obwohl die Anzahl von Wirksamkeitsnachweisen insbesondere für Depressionen und Angststörungen in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat. Die Studienlage weist darauf hin, dass ein direktiveres, problemlöseorientiertes Vorgehen offenbar einen leichten Vorteil gegenüber mehr einsichts- und klärungsorientierten Interventionen hat.

In dem Vortrag wurden die wichtigsten Erkenntnisse der Forschung referiert, die einzelnen Verfahren vorgestellt und das Vorgehen bei verschiedene Subgruppen (z.B. kognitiv gestörte, Trauernde) erläutert. Auch die Konsequenzen, die sich für die klinische Praxis ergeben, wurden diskutiert.

Dr. phil. Petra Dykierek, Psychologische Psychotherapeutin, Dozentin und Supervisorin am Freiburger Ausbildungsinstitut für Verhaltenstherapie Freiburg (FAVT), IPT-Therapeutin und Supervisorin. Seit 1993 am Universitätsklinikum Freiburg, Zentrum für psychische Erkrankungen, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie.

Arbeitsschwerpunkte: Psychotherapie affektiver Störungen, Alterspsychotherapie (Altersdepression und Demenzerkrankungen) neuropsychologische Diagnostik, Psychotherapieforschung, zahlreiche Publikationen zu den genannten Schwerpunkten.


Gerontopsychotherapie: welche Fort- und Weiterbildung brauchen wir?

Bis zum Jahr 2050 wird sich der Anteil der Bundesbürger 65+ Jahre an der Gesamtbevölkerung verdoppeln. Diese Entwicklung wird dazu führen, dass chronische Krankheiten sowie Mehrfacherkrankungen und Pflegebedürftigkeit stark zunehmen werden. Auch im Bereich der psychischen Störungen entstehen neue Herausforderungen. Dabei stehen ältere Menschen generell vor altersspezifischen psychosozialen Belastungen und Beeinträchtigungen. Neben alterstypischen Krankheiten und Störungen bestehen bei Personen im höheren und hohen Lebensalter auch vielfältige Besonderheiten in der Symptomatik der verbreiteten psychischen Störungsbilder (z.B. affektive, Angststörungen, Substanzstörungen).

Die Gründe für das weit unterproportionale Inanspruchnahmeverhalten Älterer von Psychotherapie liegen vermutlich in unterschiedlichen psychischen oder somatischen Barrieren auf Patientenseite (Immobilität) sowie in zu wenig bedarfsgerechten Zugangsmöglichkeiten und altersbezogener Anpassung von Psychotherapien auf der Angebotsseite. So bedarf das psychotherapeutische Vorgehen häufig altersspezifischer Anpassungen z.B. hinsichtlich der Anzahl und Dauer von Behandlungseinheiten oder kommunikativer Voraussetzungen.

Die altersbezogenen Besonderheiten psychischer Störungen und Symptomkonstellationen sowie des therapeutischen Vorgehens bei Patienten im höheren und hohen Lebensalter wurden im Vortrag überblicksartig vorgestellt.

Prof. Dr. Stephan Mühlig, Universitätsprofessor auf Lebenszeit für die Professur für Klinische Psychologie an der Technischen Universität Chemnitz; Studiengangsleiter des Weiterbildungsstudienganges „Alterspsychotherapie“ und des M.Sc.-Studienganges „Klinische Gerontopsychologie“ an der TUCed GmbH und der TU Chemnitz; Gründung Kooperationsnetz Universitärer Raucherambulanzen (KURA e.V.); Geschäftsführender Direktor des Instituts für Psychologie der TU Chemnitz (bis 2016, derzeit stellv.); Psychologischer Psychotherapeut mit Fachkundenachweis in Verhaltenstherapie

1 Interpersonelle Psychotherapie bei Depressionen im Alter (IPT Late-Life)

Bei der Interpersonellen Psychotherapie (IPT) nach Klerman und Weissman handelt es sich in ihrer ursprünglichen Form um eine evidenzbasierte Kurzzeittherapie, die speziell auf die Behandlung unipolar depressiver Patienten zugeschnitten ist. Das Verfahren setzt an den Lebensbezügen des Betroffenen an, die im direkten Zusammenhang mit der Depression stehen.

Auch bei älteren depressiven Patienten konnten positive Effekte der IPT auf die Erhaltung symptom- und rezidivfreier Intervalle bestätigt werden. Gerade für ältere depressive Patienten sind psychotherapeutische Maßnahmen sinnvoll, da diese Patientengruppe auf Pharmakotherapie häufig mit ungünstigen Nebenwirkungen reagiert. Das geringfügig modifizierte Behandlungsmanual (die sog. IPT „late-life“) berücksichtigt alterstypische Probleme, wie soziale Isolierung, zunehmende körperliche Beschwerden, vermehrte Verluste von Bezugspersonen der gleichen Altersgruppe, Berentung, Älterwerden sowie die zunehmende Abhängigkeit von anderen.

Neben der Vermittlung des theoretischen und empirischen Hintergrundes wurde ein Überblick über die praktische Anwendung des Verfahrens in den verschiedenen Behandlungsabschnitten gegeben. Es wurde auf verschiedene Subgruppen (z.B. Multimorbide) sowie auf existenzielle Fragen (z.B. Umgang mit Schuld, „alten Wunden“) eingegangen.

Dr. phil. Petra Dykierek, Psychologische Psychotherapeutin, Dozentin und Supervisorin am Freiburger Ausbildungsinstitut für Verhaltenstherapie Freiburg (FAVT), IPT-Therapeutin und Supervisorin. Seit 1993 am Universitätsklinikum Freiburg, Zentrum für psychische Erkrankungen, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie.

Arbeitsschwerpunkte: Psychotherapie affektiver Störungen, Alterspsychotherapie (Altersdepression und Demenzerkrankungen) neuropsychologische Diagnostik, Psychotherapieforschung, zahlreiche Publikationen zu den genannten Schwerpunkten.


2 Junge Therapeutin, alter Patient – geht das überhaupt?

Derartige Bedenken sind auch unter Therapeuten immer wieder anzutreffen. Die Referentin, selbst 33 Jahre alt, berichtet im Workshop von ihren Erfahrungen in der ambulanten Psychotherapie mit älteren Patienten. Neben den inhaltlichen Besonderheiten und Themenschwerpunkten des höheren Lebensalters wird anhand von Fallbeispielen vor allem auch auf Aspekte der Beziehungsgestaltung eingegangen.

Ziel des Workshops war es, Vorbehalte abzubauen und Therapeuten jeden Alters Mut zu machen, sich der Arbeit mit dieser „besonderen“ Klientel zu öffnen.

Dipl. Psych. Alexandra Nägeli, Psychologische Psychotherapeutin, Mitarbeiterin in der Abteilung für Gerontopsychiatrie der Rheinhessen-Fachklinik Alzey, schwerpunktmäßig im Bereich ambulante Psychotherapie tätig.


3 Stationäre und teilstationäre PT bei Altersdepression

Die Altersdepression ist eine sehr ernst zu nehmende Erkrankung. Häufig bleibt sie jedoch unbehandelt, denn oftmals stehen anstelle von depressionstypischen Symptomen eher körperliche Beschwerden im Vordergrund. Zudem finden sich im Lande erst wenige spezialisierte Therapieangebote.

Im Rahmen der Altersdepressions-Behandlung in der gerontopsychiatrischen Abteilung der Rheinhessen Fachklinik Alzey versuchen wir, dem wachsenden Bedarf an spezialisierter psychotherapeutischer Behandlung gerecht zu werden. Seit September 2015 bietet ein Team aus Psychologinnen, Fachärzten, Pflegekräften, Sozialarbeiterinnen und Spezialtherapeuten ein spezifisches Therapieprogramm zur stationären (und seit 2016 zur teilstationären) psychotherapeutischen Behandlung bei Altersdepression an. Dieses Praxisforum möchte aus multiprofessioneller Sicht Einblick geben in die Programm-Konzeptualisierung, den Behandlungsablauf und in das multiprofessionelle Therapieprogramm.

Der Schwerpunkt des Workshops lag auf dem Austausch der bisher zweijährigen Erfahrung zur Durchführung des Therapieprogramms und der Diskussion möglicher Stolpersteile und erarbeiteter Lösungen. Es wurde sowohl aus Sicht des multiprofessionellen Teams als auch aus Patientensicht berichtet. Das Praxisforum richtete sich an jene Teilnehmenden, die an spezifischen stationären/teilstationären und multiprofessionellen Behandlungsansätzen und deren Auf- und Ausbau interessiert waren.

Alexandra Van den Boom, Psychologische Psychotherapeutin, Mitarbeiterin in der Abteilung für Gerontopsychiatrie der Rheinhessen-Fachklinik Alzey.

Dipl.-Psych. Lena Verweyen, Diplom-Psychologin, Mitarbeiterin in der Abteilung für Gerontopsychiatrie der Rheinhessen-Fachklinik Alzey, psychologische Psychotherapeutin in Ausbildung, systemische Beraterin.


4 Psychotherapie bei kognitiven Störungen und Demenz

Trotz guter Evidenzlage zu Psychotherapie bei Älteren existieren in der Regelversorgung wenig psychotherapeutische Angebote für ältere Patienten mit leichter kognitiver Beeinträchtigung und Demenz. Obwohl bei diesen Patienten affektive und Verhaltenssymptome häufig sind, die mit einem hohen Leidensdruck für Patienten und Angehörige einhergehen, ist die Effektivität von PT bisher unzureichend untersucht. Vor allem Depression und Angststörungen sind häufig. Problematisch ist allerdings die Symptomüberlappung zwischen Demenz, Depression und Angst, welche die Diagnose einer Angststörung oder Depression erschwert. Häufig werden daher Depression oder Angststörungen nicht adäquat diagnostiziert und behandelt.

In diesem Workshop wurde der Frage nachgegangen, ob und wenn ja, unter welchen Bedingungen, ältere Patienten mit leichter kognitiver Beeinträchtigung und Demenz von Psychotherapie profitieren können. Neben Daten zu Epidemiologie, Hinweisen zur Diagnostik und Indikation sollten schwerpunktmäßig vor allem Modifikationen von Psychotherapie erarbeitet werden, die ratsam sind, um die Durchführbarkeit von Psychotherapie bei Älteren mit kognitiven Störungen zu verbessern.

Dipl.-Psych. Dr. Alexandra Linnemann, Diplom-Psychologin, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universitätsmedizin Mainz in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie (Arbeitsgruppe Altern und Neurodegeneration, Demenz) sowie praktisch tätig in der Gerontopsychiatrie und der Aufsuchenden Gerontopsychiatrischen Fachambulanz (AGFA) der Rheinhessen-Fachklinik Alzey.

Schwerpunkt der Arbeit ist die (gemeinsame) Behandlung von Demenzpatienten und deren Angehörigen (u.a. Leitung einer ambulanten PT-Gruppe für Patienten mit leichter Demenz und ihre Lebenspartner).

Tagesmoderation
Dr. Andrea Benecke
Vizepräsidentin der Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz

Tagungsort
Tagungszentrum
Rheinhessen-Fachklinik Alzey
Dautenheimer Landstraße 66
55232 Alzey

Wegbeschreibung

Veranstalter
Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)
Hölderlinstraße 8
55131 Mainz 

Rheinhessen-Fachklinik Alzey
Dautenheimer Landstraße 66
55232 Alzey

Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz
Diether-von-Isenburg-Str. 9-11
55116 Mainz

In Kooperation mit
Deutsche Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie (DGGPP) und Akademie für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie (DAGPP)

Gefördert durch
Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie (MSAGD)

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