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Presse

Europäischer Depressionstag am 1. Oktober 2016

Seelische Gesundheit im Fokus der Aufmerksamkeit

Rund um den Welttag der seelischen Gesundheit am 10. Oktober klären zahlreiche Aktionen über psychische Erkrankungen, ihre Prävention und neue Behandlungsmöglichkeiten auf. Der Europäische Depressionstag am 1. Oktober möchte Betroffene, Angehörige, sowie die breite Öffentlichkeit für das Thema sensibilisieren.

Depressive Erkrankungen zählen zu den häufigsten Krankheiten in Deutschland. Rund fünf Millionen Menschen in Deutschland leiden darunter, in Rheinland-Pfalz geht man von 200.000 Erkrankten aus. Studien zufolge hat weltweit jeder siebte Mensch einmal in seinem Leben mit einer Depression zu tun. Trotzdem wird die Krankheit häufig nicht ernstgenommen. Sowohl die Betroffenen selbst als auch ihr Umfeld betrachten Depressionen eher als „Schwäche“ oder „übermäßige Empfindlichkeit“ denn als medizinisches Problem. „Reiß dich doch einfach mal zusammen“ – solche Sätze, durchaus gut gemeint, müssen sich Menschen, die unter Depressionen leiden, oft anhören. Und sie sagen sich das auch selbst immer wieder: „Ich gab mir jahrelang die Schuld an der Situation, ich fühlte mich als Versagerin“, erzählt eine Betroffene.

„Vielen ist einfach nicht klar, dass es sich bei Depression um eine Krankheit handelt, die gut behandelt werden kann“, sagt Dr. Matthias Krell, Geschäftsführer der LZG. „Da hilft es eben nichts, sich zusammenzureißen, denn wer unter einer Depression leidet, braucht professionelle Hilfe.“ Allerdings: Lediglich ein Drittel der in Deutschland Betroffenen erhält professionelle Hilfe. Dies liegt vor allem an Unwissen, Vorurteilen und der immer noch vorherrschenden Stigmatisierung psychischer Erkrankungen. Mit Unterstützung des rheinland-pfälzischen Gesundheitsministeriums arbeitet die LZG daran, Vorurteile abzubauen und die Öffentlichkeit stärker für depressive Erkrankungen zu sensibilisieren.

Bundesweit einzigartiges Modellprojekt: „Der Depression Beine machen!“

Seit September 2015 setzt die LZG gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium Rheinland-Pfalz, der Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz, der Techniker Krankenkasse Landesvertretung Rheinland-Pfalz, dem Rheinhessischen Turnerbund e.V., der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe Behinderter Rheinland-Pfalz e.V. und dem Zentrum für Empirische Pädagogische Forschung der Universität Koblenz-Landau das Modellprojekt „Der Depression Beine machen!“ um. Im Rahmen des Modellprojekts werden seit Herbst 2015 in Koblenz, Landau und Mainz Lauftreffs für Menschen mit Depression unter sportfachlicher und psychotherapeutischer Begleitung angeboten.

Laufen hat nachgewiesenermaßen positive Auswirkungen auf Körper und Psyche. Wie bei allen Menschen fördert Sport bei Menschen mit Depression die Ausdauer und Beweglichkeit sowie koordinative Fähigkeiten, Konzentration und Körperwahrnehmung. Außerdem kann das Laufen von belastenden Empfindungen und Wahrnehmungen ablenken, Ärger und Aggressionen abbauen. Neben der körperlichen Aktivierung kann Laufen ein besseres Körpergefühl und eine Steigerung des Selbstwertgefühls bewirken. Besonders Menschen mit einer leichten bis mittleren Depression fühlen sich wohler, wenn sie körperlich aktiv sind. Denn die Bewegung führt zu Erfolgserlebnissen und psychischer Stabilisierung. Patientinnen und Patienten können dadurch die psychotherapeutische und medikamentöse Therapie aktiv und wirksam unterstützen.

Gute Aussichten für das Modellprojekt

Die Modellphase des Projekts endet zum September 2016. Da die Laufgruppen so stark frequentiert wurden, zeigen die drei beteiligenden Sportvereine ein großes Interesse daran, dieses Angebot auch weiterhin zu realisieren.

Am 23. November 2016 ziehen die Projektpartner Bilanz und stellen Ergebnisse und Erfahrungen aus dem Modellprojekt im ZDF-Konferenzzentrum in Mainz vor. Im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung des Modellprojekts wurden die persönlich empfundenen Auswirkungen des Laufens auf die körperliche und psychische Gesundheit der Teilnehmenden dokumentiert. Aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse und des Forschungsstandes werden Konzepte zur Umsetzung von weiteren Laufgruppen für Menschen mit Depression vorgestellt.


 

Hintergrundinformation

Das Modellprojekt wird realisiert in Zusammenarbeit der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. im Rahmen der Initiative „Bündnisse gegen Depression in Rheinland-Pfalz“ mit dem Gesundheitsministerium Rheinland-Pfalz, der Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz, der Techniker Krankenkasse Landesvertretung Rheinland-Pfalz, dem Rheinhessischen Turnerbund e.V., der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe Behinderter Rheinland-Pfalz e.V. und dem Zentrum für Empirische Pädagogische Forschung der Universität Koblenz-Landau.

Seit 2009 fördert die Initiative „Bündnisse gegen Depression in Rheinland-Pfalz“ im Auftrag des Gesundheitsministeriums den Zusammenschluss von Kooperationen in verschiedenen Regionen des Landes, die sich für Menschen mit Depression und ihre Angehörige einsetzen. In Rheinland-Pfalz gibt es zwölf regionale Bündnisse gegen Depression. Sie machen die Angebote zu Beratung, Behandlung und Unterstützung von Menschen mit Depression bekannt und tragen dazu bei, dass Betroffene die Hilfsangebote vor Ort schneller erreichen und frühzeitig nutzen können. Die Bündnisse gegen Depression leisten einen wichtigen Beitrag dazu, dass sich die Situation von depressiv erkrankten Menschen und ihren Angehörigen nachhaltig verbessert.

Weitere Informationen und regionale Kontakte gibt es unter: www.rlp-gegen-depression.de


 

V.i.S.d.P. Dr. Matthias Krell, Geschäftsführer

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