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Depression bei älteren Menschen

Eine Herausforderung für Pflege, Psychotherapie und Medizin

Depressionen werden – obwohl weit verbreitet – im höheren Lebensalter oft nicht erkannt und daher auch nicht oder nur unzureichend behandelt. Um darauf aufmerksam zu machen, trafen sich heute auf einer Fachtagung in der Rheinhessen-Fachklinik in Alzey Expertinnen und Experten aus Medizin, Psychologie, Pflege und angrenzenden Bereichen. Ziel war es, konkrete Behandlungsansätze für ältere Menschen mit Depression aufzuzeigen und die multiprofessionelle Zusammenarbeit anzuregen.

„Es ist wichtig, dass Ärzte, Pflegekräfte und andere Personen, die mit älteren Menschen zu tun haben, für das Auftreten von Depressionen sensibilisiert sind und erkennen, wann ein älterer Mensch therapeutische Hilfe braucht“, sagte Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler auf der Veranstaltung, die von der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) gemeinsam mit der Rheinhessen-Fachklinik Alzey und der Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz ausgerichtet wurde. „Psychisches Wohlbefinden ist im Alter ebenso wichtig wie etwa eine gute pflegerische Versorgung und eine befriedigende Wohnsituation“, betonte die Ministerin. Sie verwies darauf, dass im Rahmen der Initiative „Bündnisse gegen Depression in Rheinland-Pfalz“, die bei der LZG angesiedelt ist, dem Thema Depression im Alter schon seit 2013 besondere Aufmerksamkeit geschenkt werde.

Häufig bleibt eine Depression im Alter hinter unspezifischen Symptomen verborgen. „Nicht reduzierte Freude und vermindertes Interesse, sondern körperliche Beschwerden und Klagen über geistige Leistungsschwäche prägen oft das klinische Bild“, sagte Prof. Andreas Fellgiebel, Chefarzt der gerontopsychiatrischen Abteilung an der Rheinhessen-Fachklinik Alzey. „Neben dem starken Leidensdruck der Betroffenen und der Suizidgefährdung ­­– vor allem bei älteren Männern mit Depression – ist die unzureichende Sensibilität für die Störung gerade deshalb kritisch zu sehen, weil es prinzipiell gute Therapiemöglichkeiten gibt“, erklärte der Experte. Auch sei es häufig schwierig, bei älteren Menschen eine Depression von einer dementiellen Entwicklung abzugrenzen. In einem Praxisforum gab Prof. Fellgiebel Hinweise, nach welchen Kriterien die Unterscheidung klinisch erfolgen kann.

Dass die psychotherapeutische Behandlung von Menschen mit Depressionen im höheren Lebensalter erfolgreich möglich und empirisch gut belegt ist, machte Prof. Martin Hautzinger, Ordinarius für Psychologie der Universität Tübingen deutlich. Vor allem verhaltenstherapeutische Ansätze, die pragmatisch und problemlösend orientiert sind, haben sich bei dieser Patientengruppe bewährt.  

Dennoch beschränkt sich die Depressionsbehandlung im Alter häufig auf das Verschreiben von Medikamenten. „Zur Verbesserung der psychotherapeutischen Versorgung älterer Menschen müssen wir an drei Punkten ansetzen“, sagte Alfred Kappauf, Präsident der LandesPsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz. „Wir müssen Unsicherheiten bei Therapeutinnen und Therapeuten abbauen, die Behandlung auf die Grundbedürfnisse und die besonderen Themen in der Lebensphase ‚Alter‘ abstimmen sowie der gerade in der älteren Generation verbreiteten Tabuisierung der Erkrankung entgegen wirken“, betonte Kappauf.

Für letzteres Ziel setze sich insbesondere die LZG ein, so deren Geschäftsführer Dr. Matthias Krell. „Wir wollen durch Aufklärung der Stigmatisierung der Depression begegnen, denn eine Depression kann jeden treffen – in jedem Lebensalter“, sagte Dr. Krell. Mit verschiedenen Projekten wolle die LZG aber auch dazu beitragen, die gesellschaftlichen Vorstellungen vom Alter so zu erneuern, dass die Kompetenzen und Fähigkeiten und nicht die Defizite älterer Menschen im Vordergrund stehen. „Das ist neben allen notwendigen medizinischen Maßnahmen ein wichtiger Schritt, der Herausforderung Altersdepression erfolgreich zu begegnen“, so Krell.

V.i.S.d.P. Dr. Matthias Krell, Geschäftsführer LZG

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