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Sucht-Info: Magersucht

Kann denn Essen Sünde sein?

Magersüchtige verweigern die Nahrungsaufnahme so gut wie total. Sie essen gerade so viel wie nötig, um am Leben zu bleiben. Allerdings: 4 bis 8 Prozent von ihnen sterben. Wo andere Lust aufs Essen bekommen und ihnen das Wasser im Mund zusammenfließt, haben Magersüchtige eine Todesangst zuzunehmen. 10 Gramm mehr am Körper kommen ihnen vor wie 10 Kilo. Während sie kurz davor stehen, sich zu Tode zu hungern, spüren sie noch immer ihr „angenommenes“ Übergewicht. Pro Tag zwei Möhren und ein Apfel reichen ihnen aus und das über einen langen Zeitraum. Sie leben immer am Rande eines lebensbedrohlichen Untergewichts.

Zahlen und Fakten

Von Magersucht betroffen sind überwiegend junge Frauen. Männer erkranken in höchstens jedem 10. Fall. Die Häufigkeit der Magersucht liegt bei jungen Frauen bei 0,39 %. 
Quelle: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V.

Hinweise auf Magersucht

Magersüchtige spüren ihren Körper nicht. Sie fühlen nicht, wann ihnen kalt oder warm ist. Magersüchtige sind äußerst leistungsorientiert, treiben Sport bis hin zum Spitzensport und sind gute Schülerinnen. Zugleich erfüllt es sie mit Stolz, besser zu sein als diejenigen, die all das ungesunde Essen in sich hineinschaufeln. In der Schule tauschen sie ihre Brote und fetthaltigen Lebensmittel gegen Obst und Gemüse. Die Magersucht ist die zerstörerischste unter den Esssüchten. Sie führt häufig zu Vereinsamung und Depression.

Ursachen und Entstehung

Magersucht entsteht häufig während der Pubertät. Der weibliche Körper wird abgelehnt. Die magersüchtigen Mädchen wehren sich gegen den körperlichen Reifungsprozess mit der Ausprägung der sekundären Geschlechtsorgane. Meist verändert sich durch das ständige Hungern der Hormonhaushalt, die Menstruation bleibt aus. Ein Teil der Magersüchtigen kommt aus sehr harmonieträchtigen Familien. Als Kinder hatten sie keine Chance, sich selbst auszuprobieren, so blieb ihnen nur der eigene Körper als Raum, über den sie bestimmen durften. Zu den Ursachen, die zur Magersucht führen, kann ein sexueller Missbrauch gehören.

Verlauf und Folgen

Zu den körperlichen Folgen der Magersucht gehört das Absinken

  • des Stoffwechsels
  • des Blutdrucks
  • des Pulses und
  • der Körpertemperatur.

Meist sind die Folgen verbunden mit

  • Müdigkeit
  • Frieren
  • Verstopfung
  • trockener Haut
  • veränderter Körperbehaarung
  • brüchigen Haaren und
  • ausbleibender Menstruation.

Das Gewicht sinkt auf 40, wenn nicht gar auf 32 Kilogramm. Die Pubertätsmagersucht kann in eine chronische Magersucht übergehen, die lebenslang bestehen bleibt. Geht die chronische Magersucht in eine akute über, bedeutet das Lebensgefahr. Manche der Ess- und Magersüchtigen pendeln zwischen den verschiedenen Essstörungen hin und her, so dass es zu einem Symptomwechsel kommt. Zur Magersucht kann eine Medikamentenabhängigkeit hinzukommen, ausgelöst durch Appetitzügler, Psychopharmaka und Abführmittel. Die Medikamentenabhängigkeit führt zu Leber-, Herz- und Kreislaufbeschwerden. Siehe auch: Medikamentenabhängigkeit.

Behandlung

Magersüchtige müssen wie alle Süchtigen erst einmal begreifen, dass sie krank sind. Sie müssen begreifen, dass sie keine Macht mehr darüber haben, ob sie essen oder nicht. Gerade die, die so gut wie gar nichts zu sich nehmen, können auch nur schwer Hilfe annehmen. Insofern ist die Kapitulation vor der Übermacht der Essstörung der erste Schritt zur Genesung.

Extremes Untergewicht sollte in der Klinik behandelt werden. Hungern ist eine Verweigerung. In der Behandlung geht es darum, herauszufinden, was eigentlich verweigert wird. Meist gibt es ein früheres Erlebnis oder Gefühl, das man nicht mehr spüren möchte. Der ständige Schmerz des Hungerns ersetzt dieses ursprüngliche Leiden. Ist dieser ursprüngliche Schmerz bekannt und hat man gelernt, ihn sich mit dem Abstand von vielen Jahren noch einmal anzugucken, kann das Leben ohne Selbstverzehrung beginnen.

Gruppen für magersüchtige Frauen gibt es heute schon in vielen Städten. Wie andere Suchtgruppen sollte man sie über einen längeren Zeitraum besuchen. Neben den therapeutischen Beratungen erkennt man in den Selbsthilfegruppen durch die Erzählungen anderer, was mit einem selbst geschehen ist. Man kann zuschauen, wie andere damit umgehen, ehe man den risikoreichen Schritt, sich selbst zu ändern, beginnt.

Sucht hat immer eine Geschichte

Sucht hat nie eine einzige Ursache: Die Persönlichkeit und die Umwelt, in der ein Mensch aufgewachsen ist oder lebt, entscheiden darüber, ob der Mensch einer Suchtgefahr standhalten kann oder nicht. Das Zusammentreffen mehrerer negativer Erlebnisse belastet jeden Menschen. Wer viele Möglichkeiten kennen gelernt hat, Probleme zu bewältigen, ist weniger gefährdet, in eine Sucht zu flüchten.

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