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Tipps für eine gesunde Blase

Samstag, 16. April 2022

Über die Harnblase erfolgt die Ausscheidung von Giftstoffen aus dem Körper sehr einfach – jedenfalls, wenn sie gesund ist. Das ballonartige Organ sammelt den Urin, der beim Stoffwechsel anfällt, und gibt ihn ab. Für die meisten Menschen ist dies der Normalzustand, aber es kann auch zu Störungen kommen. Blasenentzündungen und so genannte Blasenschwächen sind nicht selten. Grundsätzlich lohnt es sich also, auf die Gesundheit der Blase zu achten – und dafür kann man einiges tun.

Hier können Sie den Gesundheitstext anhören:


Blasenentzündung – unangenehm bis schmerzhaft

Ständiger Harndrang sowie Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen sind oftmals untrügliche Anzeichen einer Blasenentzündung, medizinisch Zystitis genannt. Sie wird in den meisten Fällen durch Bakterien – häufig Coli-Bakterien, die natürlichen Bewohner des Darms – ausgelöst. Die Keime gelangen in der Regel von außen über die Harnröhre in die Blase und führen dort zu einer Entzündung und Reizung der Blasenwand.

Männer sind eher selten von einer Blasenentzündung betroffen, wogegen schätzungsweise jede zweite Frau einmal im Leben unter der Erkrankung leidet. Grund dafür sind wohl die kurze Harnröhre der Frau sowie die Nähe des Harnröhrenausgangs zum After. Eine Blasenentzündung kann durch verschiedene Faktoren begünstigt werden: durch eine Abwehrschwäche und bestimmte Stoffwechselstörungen, z. B. Diabetes mellitus, durch Unterkühlung, Geschlechtsverkehr, Schwangerschaft, durch Harnstau oder Restharn in der Blase sowie durch einen Dauerkatheter.

Wer erste Anzeichen einer Entzündung verspürt, kann meist mit Hausmitteln gegensteuern: viel trinken, Unterleib und Füße warmhalten und sich am besten hinlegen. Um zu verhindern, dass sich die Entzündung ausweitet, etwa auf Nieren oder Nierenbecken, sollte eine hausärztliche Praxis aufgesucht werden.

Das gilt insbesondere:
• wenn Schwangere, Kinder oder Diabeteskranke betroffen sind
• wenn Männer betroffen sind, da bei ihnen die Blasenentzündung oft mit einer akuten oder chronischen Prostataentzündung einhergehen kann
• wenn die Schmerzen zunehmen oder die Krankheitszeichen nicht nach ca. drei Tagen verschwinden
• wenn der Harn weißlich trübe ist oder sogar Blut enthält
• wenn Fieber auftritt
• wenn Schmerzen in der Rückengegend auftreten

Häufig wird dann ein Antibiotikum verschrieben, das unbedingt vollständig einzunehmen ist, auch wenn die Beschwerden verschwunden sind. Wird es zu früh abgesetzt, können die nicht vollständig bekämpften Keime resistent werden.

Wer anfällig für Blasenentzündungen ist, sollte Unterleib und Füße generell warmhalten, also Wärmflasche und dicke Socken bereithalten. Frauen sollten nach dem Toilettengang von vorne nach hinten wischen, um das Eindringen von Darmbakterien in die Harnröhre zu vermeiden.

Dranginkontinenz – weit verbreitet und meist verschwiegen

Ungewollten Urinverlust erleben keineswegs nur alte Menschen. An der Dranginkontinenz, der häufigsten Form von Harninkontinenz, erkranken Männer und vor allem Frauen aller Altersgruppen. Betroffene spüren ohne Vorzeichen das starke Bedürfnis, die Toilette aufzusuchen, schaffen es aber oft nicht bis dorthin. Bei ihnen ist die Steuerung der Blasenentleerung über das zentrale Nervensystem gestört: Der Blasenmuskel zieht sich unabhängig vom Füllstand der Blase zusammen – ohne, dass dies zu beeinflussen ist. Die Blase entleert sich in den unpassendsten Situationen, was zu Scham führt und Menschen in die Isolation treiben kann.

Als Ursachen kommen Nervenerkrankungen wie Multiple Sklerose und Parkinson in Frage, Rücken- und Rückenmarksverletzungen, ein Schlaganfall, Blasensteine oder Blasenentzündungen und selten Tumore zählen ebenfalls dazu. Auch psychische Faktoren wie Stress oder Ängste können Auslöser sein. In den meisten Fällen ist jedoch keine konkrete Ursache zu erkennen.

Da es unterschiedliche Formen der Dranginkontinenz und damit auch unterschiedliche Arten der Behandlung gibt, ist es wichtig, mit einer Ärztin oder einem Arzt des Vertrauens ohne Scheu über die Erkrankung zu sprechen. Für den Alltag stehen unzählige Hilfsmittel zur Verfügung – von der anatomisch angepassten Einlage über Spezialunterwäsche bis zur Toiletten-App.

Eine gesunde Blase – wertvoll und schützenswert

Blasenentzündungen kann man vorbeugen, für die Dranginkontinenz ist dies zurzeit leider nicht bekannt. Jedoch können die Empfehlungen zur Prävention auch der erkrankten Blase helfen und den Umgang mit der Inkontinenz erleichtern.

Ausreichend und richtig trinken

Viel trinken spült die Blase und hält den gesamten Stoffwechsel in Gang. Empfohlen werden 1,5 bis zwei Liter pro Tag. Wichtig, vor allem für Menschen mit Dranginkontinenz, ist dabei die Wahl der Getränke und die gleichmäßig über den Tag verteilte Aufnahme. Stilles oder Leitungswasser und ungesüßte Tees sind am besten. Kaffee, Alkohol und kohlensäurehaltige Getränke wirken dagegen harntreibend.

Die Blase trainieren

Indem man in festgelegten Abständen – unabhängig vom Harndrang – die Toilette aufsucht, wird die Blase auf eine regelmäßige Entleerung trainiert. Für Menschen mit Dranginkontinenz können so im Idealfall die Abstände zwischen den Toilettengängen nach und nach verlängert
werden. Menschen mit einer Neigung zu Blasenentzündungen lernen, die Blase regelmäßig und vollständig zu entleeren, denn „alter“ Urin ist ebenfalls anfällig für Keime.

Den Beckenboden trainieren

Eine starke Beckenbodenmuskulatur ist wichtig, um den Urin halten zu können. Durch Geburten und Operationen sowie im Alter wird diese Muskulatur geschwächt. Spezielle Übungen, die zunächst unter Anleitung erlernt werden und später in vielen Alltagssituationen einfach anzuwenden sind, stärken sie wieder. Männer beugen mit einem Beckenbodentraining übrigens Prostatabeschwerden vor.

Das Gewicht reduzieren

Auch das Körpergewicht macht der Beckenbodenmuskulatur zu schaffen: Sie muss Kilo um Kilo tragen. Und wer mehr gesund trinkt, weniger isst und sich viel bewegt, tut letztlich dem gesamten Körper etwas Gutes.

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)
Text: Beatrice Wagner, beatrice-wagner.de / Susanne Schneider, freistil-texte.de
Redaktion: Andrea Sudiana, E-Mail asudiana@lzg-rlp.de

Weiterführende Links

Umfassende Informationen zur Dranginkontinenz von der Stiftung Gesundheitswissen

Erfahrungsberichte von Menschen mit Dranginkontinenz

Vor- und Nachteile einer Impfung gegen Blasenentzündung

Blasenentzündung ohne Antibiotika behandeln

Hier gibt es Übungen zum Training der Beckenbodenmuskulatur: Beckenbodengymnastik  und

Weitere Übungen

 


 

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