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Pfeiffersches Drüsenfieber - Vor allem Jugendliche und junge Erwachsene sind betroffen

Samstag, 16. Dezember 2017 bis Dienstag, 2. Januar 2018

Müdigkeit, wiederkehrende Fieberschübe, Halsschmerzen – das klingt wie eine harmlose Erkältung. Es könnte sich aber auch um das Pfeiffersche Drüsenfieber handeln, medizinisch als „infektiöse Mononukleose“ bezeichnet. Der Erreger ist ein Herpesvirus mit dem Namen Epstein-Barr (Abkürzung: EBV). Diese Viren werden hauptsächlich über den Speichel übertragen, wie zum Beispiel bei einem Kuss. Umgangssprachlich wird die Krankheit, die vor allem bei jüngeren Menschen auftritt, deshalb auch „Kusskrankheit“ oder „Studentenkrankheit“ genannt. Allerdings können sich die Viren wie bei einer Tröpfcheninfektion auch beim Husten und Niesen oder bei feuchter Aussprache übertragen. Auch wird vermutet, dass die Erreger sich mittels Kontakt- und Schmierinfektion übertragen. Laut Schätzungen sind in Westeuropa circa 95 Prozent der Menschen unter 30 Jahren betroffen – berichtete die Krankenkasse „Die Techniker“ (TK) im November 2017.

Symptome

Die Krankheit verläuft von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Sie beginnt oft mit Kopf-, Glieder- und Muskelschmerzen. Es setzt ein wechselhaftes hohes Fieber ein. Die Halslymphknoten schwellen schmerzhaft an und werden von außen deutlich sichtbar. Der Rachenraum ist stark gerötet und auf den Mandeln bilden sich gelbe Beläge. Es wird eine bleierne Müdigkeit empfunden, welche auch durch viel Schlaf nicht zu beheben ist. Dieser Zustand hält zwei bis drei Wochen an. Meist ist die Krankheit danach überstanden. Sie kann aber auch monatelang dauern beziehungsweise in regelmäßigen Abständen wiederkehren.
Neben diesen Hauptsymptomen kann sie auch zu weiteren Symptomen führen. Oft entwickelt sich eine Vergrößerung der Milz. Damit wird das Organ empfindlich für Druck und Stöße. Sollte die Milz reißen, kann dies zu lebensgefährlichen inneren Blutungen führen. Jede fünfte am Pfeifferschen Drüsenfieber erkrankte Person zeigt eine Lebervergrößerung, verbunden mit einem Druckschmerz im Oberbauch. Hierbei kann sich auch eine Gelbfärbung von Haut und Auge einstellen. Auch unter einem roten Hautausschlag können Betroffene leiden.

Krankheitsverlauf

Die Viren befallen zuerst die Schleimhäute in Rachen und Nase – deswegen die mögliche Verwechslung mit einer Erkältung. Danach breiten sie sich auf die B-Lymphozyten aus, das sind Untergruppen der weißen Blutkörperchen, die für die Bildung von Antikörpern, also für die Abwehr, zuständig sind. Über Lymph- und Blutbahnen tragen die B-Lymphozyten die Viren in alle Drüsen und Organe. Diese sind hauptsächlich Lymphknoten, Milz, Rachenmandeln, Leber und Herz.
Wie alle Herpesviren verbleiben auch die Epstein-Barr-Viren nach der Infektion lebenslang im Körper. Meist werden sie durch das Immunsystem gebändigt. Es kann aber auch passieren, dass der Erreger bei einem geschwächten Immunsystem im Alter, bei einer schweren Erkrankung, sowie unter Stress und Belastung wieder reaktiviert wird und die Krankheit erneut ausbricht.

Diagnose

Die Diagnose nur aufgrund der Symptome ist schwierig, weil die Krankheit oft unterschiedlich verläuft. Meist denkt die Ärztin beziehungsweise der Arzt bei den Beschwerden zuerst an einen grippalen Infekt oder an zu großen Stress.  An dieser Stelle muss darauf hingewiesen werden, dass ähnliche Symptome wie beim Pfeifferschen Drüsenfieber auch bei Blutkrebs auftreten können. Deshalb sollten Betroffene unbedingt eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen. Mit einer Blutuntersuchung kann sie oder er eine Diagnose stellen, denn das Virus bewirkt die Bildung von nachweisbaren Antikörpern und eine Vermehrung von Lymphozyten.
Eine eindeutige Diagnose ist auch wichtig, damit kein Antibiotikum verabreicht wird. Denn hier ist Vorsicht geboten: Die am Pfeifferschen Drüsenfieber Erkrankten können mit schweren Hautausschlägen reagieren, beispielsweise auf den Wirkstoff Ampicillin, der in Antibiotika oder Penicillin vorhanden ist. 

Therapie

Es ist wichtig, die Krankheit gut auszukurieren und dabei gegebenenfalls einen langen Atem zu haben. Betroffene sollten Bettruhe einhalten, bis Fieber, Halsschmerzen und Unwohlsein verschwunden sind. Um einem Milzriss vorzubeugen, sollten sie sechs bis acht Wochen nichts Schweres heben und keinen Sport treiben. Auch wenn es keine Medikamente gegen die Viren gibt, so dürfen sich Erkrankte während des Krankheitsverlaufs Linderung verschaffen, indem sie vom Arzt verordnete Schmerzmittel einnehmen.

Vorbeugen

Der Krankheit vorbeugen kann man nur, indem eine erkrankte Person nicht geküsst und Abstand eingehalten wird. Die Übertragung des Virus läuft in erster Linie über den Speichel. Der gemeinsame Gebrauch von Zahnbürste oder Trinkglas sollte daher vermieden werden. Selbst wenn die Krankheit scheinbar schon längst besiegt ist, enthält der Speichel noch Viren. Dies kann bis zu 18 Monate dauern. Es hilft also nur, das eigene Immunsystem zu stärken – zum Beispiel durch gesunde Ernährung, der Zuführung von Nährstoffen gemäß ärztlichem Rat und durch ausreichend Bewegung und frische Luft.

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)
Text: Dr. Beatrice Wagner, www.beatrice-wagner.de
Redaktion: Marielle Becker


 

Weiterführende Links

Deutscher Berufsverband der Hals-Nasen- Ohrenärzte e. V.: Ausführlicher Artikel zum Pfeifferschen Drüsenfieber. Zur Homepage

Artikel der Österreichischen Ärztezeitung (ÖAZ) von 2012 „Pfeiffersches Drüsenfieber – Infektion mit gravierenden Folgen“, auch mit Hinweisen zur sorgsamen Diagnostik. Zur Homepage

Artikel der Krankenkasse „Die Techniker“ (TK) „Was ist das Pfeiffersche Drüsenfieber?“ von November 2017. Zur Homepage

 


 

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