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Neurodermitis – Wie Veranlagung und Umwelt zusammenspielen

Mittwoch, 16. März 2022

Neurodermitis gilt längst als Zivilisationskrankheit. Sie ist bei Menschen jeden Alters und Geschlechts zu beobachten, ist in Nordeuropa weiter verbreitet als im Süden, tritt in Städten häufiger auf als in ländlichen Gegenden und Kinder mit höherem Sozialstatus scheinen öfter zu erkranken als andere. Seit Jahren steigt die Zahl der Neurodermitis-Diagnosen. Woher kommt diese chronische Hautkrankheit – und was kann man dagegen tun?


Was wir über Neurodermitis wissen

Neurodermitis ist eine nicht ansteckende, aber unangenehme Hauterkrankung. Sie verläuft schubweise und ist meist mit quälendem Juckreiz verbunden. Im Allgemeinen ist die Haut der Betroffenen sehr trocken, neigt zu vermehrter Schuppenbildung und weist entzündete Stellen auf. Dazu können nässende Pusteln oder Bläschen kommen. In der Fachsprache wird die Krankheit als „atopisches Ekzem“ oder „atopische Dermatitis“ bezeichnet.

Neurodermitis kann in jedem Lebensalter auftreten, ohne dass es zuvor Anzeichen gab. Bei Kindern ist Neurodermitis die häufigste chronische Erkrankung überhaupt. Die gute Nachricht ist: Viele Menschen, bei denen sich die Neurodermitis bereits im Kindesalter gezeigt hat, sind bis zum frühen Erwachsenenalter symptomfrei oder die Symptome haben sich zumindest erheblich gebessert.

Spuren an Körper und Seele

Die Hauterscheinungen der Neurodermitis, also Lage und Beschaffenheit der Ekzeme, sind je nach Lebensalter unterschiedlich. Bei Säuglingen treten die auffälligen Hautareale vermehrt im Bereich des Kopfes auf. Im Kleinkindalter sind häufig die Streckseiten von Armen und Beinen betroffen. Für das Kindes- und Jugendalter sind Hautveränderungen in den Gelenkbeugen, etwa in den Ellenbeugen sowie den Kniekehlen, und auch am Gesäß typisch. Bei Erwachsenen zeigt sich Neurodermitis vor allem durch flächige Entzündungsherde an den Beugeseiten von Armen und Beinen, aber auch Hände und Füße sind häufig betroffen.

Die Ekzeme sind mit einem quälenden Juckreiz verbunden, der nur schwer zu beherrschen ist. In die aufgekratzten Hautstellen können Bakterien eindringen und Infektionen auslösen, die wiederum den Juckreiz verstärken – ein unangenehmer Kreislauf, aus dem sich Betroffene nur schwer befreien können. Vor allem Kinder verstehen meist nicht, dass sie nicht kratzen sollen. Da die Haut besonders abends und nachts juckt, kommt es zu Schlafstörungen. Die Betroffenen und auch ihre Angehörigen leiden manchmal über Wochen unter Schlafmangel und Übermüdung. Gereiztheit und Scham über das Aussehen sind die Folgen und können zu großen Problemen in der Familie, der Schule oder am Arbeitsplatz führen.

Ursachen und Auslöser – so unterschiedlich wie die Menschen

Verschiedene Aspekte kommen bei der Entstehung der Neurodermitis zusammen. Zum einen sind genetische Faktoren von Bedeutung. Die erbliche Veranlagung zur Überempfindlichkeit des Immunsystems und eine gestörte Hautbarriere, also eine verminderte Schutzfunktion gegenüber Krankheitserregern und Allergenen, spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Häufig führen psychische Faktoren wie Stress, Angst und Überlastung zum Ausbruch der Erkrankung. Sowohl die Art des Auslösers als auch die Intensität der Symptome sind von Mensch zu Mensch verschieden. Zusätzlich können typische allergieauslösende Faktoren wie Nahrungsmittel, Wasch- und Pflegemittel, Tierhaare, Hausstaubmilben und Blütenpollen problematisch sein und einen Schub begünstigen.

Therapie nach Stufenplan

Die Behandlung der Neurodermitis richtet sich nach dem Schweregrad. Es werden sowohl lokale äußerliche Therapien angewandt als auch Systemtherapien, bei denen die Wirkstoffe, die z.B. als Tabletten eingenommen werden, ins Blut gelangen und im gesamten Körper zirkulieren.

Was verabreicht wird, regelt ein Stufenplan. Danach genügt es, auf Stufe eins der Erkrankung – mit stellenweise trockener Haut und allenfalls leichtem Juckreiz – die Haut mit einer pflegenden Basistherapie zu versorgen. Dazu gehören pH-hautneutrale Reinigungsmittel (Syndets), die speziell für trockene und neurodermitiskranke Haut entwickelt wurden und rückfettende Substanzen enthalten, sowie pflegende Lotionen, Cremes oder Salben, die mindestens zweimal täglich angewandt werden sollten. Soweit bekannt und möglich, sollten die Auslöser der Neurodermitis reduziert werden.

Auf den Stufen zwei und drei kommen in unterschiedlichen Dosierungen entzündungshemmende Kortisonprodukte und das Immunsystem unterdrückende Mittel dazu, die auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen werden.

Auf Stufe vier, also bei andauernden und schweren, ausgeprägten Ekzemen, werden zusätzlich Tabletten zur Regulation der Immunreaktionen eingesetzt.

Wenn irgend möglich: vorbeugen!

Vorbeugung ist dann besonders wichtig, wenn eine familiäre Veranlagung zu Hautentzündungen besteht. Bei Säuglingen hat eine Stillzeit von vier bis sechs Monaten ohne Beikost vorbeugende Wirkung. Kann nicht gestillt werden, ist hypoallergenes Milchpulver zu empfehlen. Entwickelt das Baby trotzdem trockene Haut, Juckreiz und andere Hautsymptome, sollten die trockenen Hautstellen mit einer pflegenden, unparfümierten Babycreme behandelt werden. Wenn sich die Symptome dadurch nicht bessern, sollte Sie kinderärztlichen Rat eingeholen.

Das können Sie zusätzlich tun

Es gibt einige medizinische Empfehlungen, wie man mit an Neurodermitis erkrankter Haut umgehen soll. Besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, welche der folgenden Ratschläge in Ihrem Fall sinnvoll sind.

  • Sorgen Sie für eine gute Basispflege, um die trockene Haut feucht und geschmeidig zu halten und ihre Schutzfunktion zu verbessern.
  • Wurden Allergene festgestellt, vermeiden Sie diese. Das heißt meistens: Halten Sie keine Haustiere, verwenden Sie eine Matratze mit Milbenschutzbezug, waschen Sie Kuscheltiere regelmäßig.
  • Andererseits ist es wichtig, nicht zu viel Hygiene und Desinfektion walten zu lassen. Wenn wir nicht mit Keimen in Verbindung kommen, kann unser Abwehrsystem nicht richtig trainiert werden. Die Folge ist, dass es übereifrig auch auf harmlose Erreger reagiert.
  • Vermeiden Sie, was die Haut reizen könnte, wie zum Beispiel Wolle, Synthetisches, Parfümiertes. Verwenden Sie Baumwollbekleidung und unparfümierte Körperpflegemittel.
  • Finden Sie heraus, ob bestimmte Nahrungsmittel die Symptome verstärken.
  • Ziehen Sie nachts Baumwollhandschuhe an, um das Aufkratzen der juckenden Hautareale zu vermeiden. Diese gibt es auch für Säuglinge und Kleinkinder.
  • Neurodermitis-Erkrankte und die Eltern von betroffenen Kindern können an einem standardisierten Schulungsprogramm teilnehmen. Es soll den Umgang mit der chronischen Krankheit erleichtern und sie beherrschbarer machen. Erkundigen Sie sich in Ihrer Hautarztpraxis, bei Ihrer Krankenkasse oder bei der Arbeitsgemeinschaft Neurodermitisschulung e.V. nach Angeboten in Ihrer Nähe.

Eine Psychotherapie oder zumindest das Erlernen einer Entspannungsmethode sind in jedem Fall hilfreich, um mit belastenden Situationen klarzukommen.

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)
Text: Beatrice Wagner beatrice-wagner.de, Susanne Schneider freistil-texte.de
Redaktion: Birgit Kahl-Rüther; Mail bkahl@lzg-rlp.de


 

Weiterführende Links

Infos, Tipps und Kontakte zu Selbsthilfegruppen vom Bundesverband Neurodermitis

Informationen rund um Neurodermitis und andere Allergien sind nachzulesen beim Allergieinformationsdienst des Helmholtz-Zentrums München

Bundesweite Übersicht von Zentren für Patientenschulungen

Bitte berühren – Hand in Hand gegen Neurodermitis – Infoportal für Betroffene des Berufsverband der Deutschen Dermatologen e.V. (BVDD)

Über Ernährung bei Neurodermitis

Neurodermitis? Juckt mich nicht mehr! – Website speziell für Kinder und Jugendliche (Deutscher Neurodermitis Bund e.V.)

 


 

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