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Neurodermitis – Wie Veranlagung und Umwelt zusammenspielen

Montag, 1. April 2019 bis Montag, 15. April 2019

Neurodermitis ist eine nicht ansteckende, aber unangenehme Hauterkrankung. Sie verläuft schubweise und ist meist mit quälendem Juckreiz verbunden. Im Allgemeinen ist die Haut von Neurodermitikern sehr trocken, neigt zu vermehrter Schuppenbildung und weist entzündete Stellen auf. Auch nässende Pusteln oder Bläschen können insbesondere in akuten Phasen auftreten. In der Fachsprache wird die Krankheit als „atopisches Ekzem“ oder „atopische Dermatitis“ bezeichnet.

Häufigkeit der Erkrankung

Neurodermitis kann in jedem Lebensalter auftreten, ohne dass es zuvor Anzeichen gab. Bei Kindern ist die Neurodermitis die häufigste chronische Erkrankung überhaupt. Viele Menschen, die bereits im Kindesalter an Neurodermitis erkrankt sind, sind bis zum frühen Erwachsenenalter symptomfrei oder die Symptome haben sich zumindest erheblich gebessert. Jedes siebte Kind ist von Neurodermitis betroffen, bei den Erwachsenen sind es zwei bis drei Prozent.

Symptome der Neurodermitis an Körper und Seele

Die Hauterscheinungen der Neurodermitis, also Lage und Beschaffenheit der Ekzeme, sind je nach Lebensalter unterschiedlich. Bei Säuglingen treten die auffälligen Hautareale vermehrt im Bereich des Kopfes auf. Im Kleinkindalter sind häufig die Streckseiten von Armen und Beinen betroffen. Für das Kindes- und Jugendalter sind Hautveränderungen in den Gelenkbeugen, etwa in den Ellenbeugen sowie den Kniekehlen und auch am Gesäß typisch. Bei Erwachsenen zeigt sich die Neurodermitis vor allem durch flächige Entzündungsherde an den Beugeseiten von Armen und Beinen, aber auch Hände und Füße sind häufig betroffen. Die Ekzeme sind mit einem quälenden Juckreiz verbunden, der nur schwer zu beherrschen ist. In die aufgekratzten Hautstellen können Bakterien eindringen und Infektionen auslösen, die wiederum den Juckreiz verstärken – ein unangenehmer Kreislauf, aus dem sich Betroffene nur schwer befreien können. Vor allem Kinder verstehen meist nicht, dass sie nicht kratzen sollen. Da die Haut besonders abends und nachts juckt, kommt es zu Schlafstörungen. Die Betroffenen und auch ihre Angehörigen leiden manchmal über Wochen unter Schlafmangel und Übermüdung. Gereiztheit und Scham über das Aussehen sind die Folgen und können zu großen Problemen in der Familie, der Schule oder am Arbeitsplatz führen.

Ursache und Auslöser

Verschiedene Aspekte kommen bei der Entstehung der Neurodermitis zusammen. Zum einen sind genetische Faktoren von Bedeutung. Die erbliche Veranlagung zur Überempfindlichkeit des Immunsystems und eine gestörte Hautbarriere, also eine verminderte Schutzfunktion gegenüber Krankheitserregern und Allergenen, spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Häufig führen psychische Faktoren wie Stress, Angst und Überlastung zum Ausbruch der Erkrankung. Sowohl die Art des Auslösers als auch die Intensität der Symptome sind von Mensch zu Mensch verschieden. Zusätzlich können typische allergieauslösende Faktoren wie Nahrungsmittel, Wasch- und Pflegemittel, Tierhaare, Hausstaubmilben und Blütenpollen problematisch sein und einen Schub begünstigen.

Therapie

Die Therapie der Neurodermitis richtet sich nach dem Schweregrad, wobei sowohl äußerliche Therapieverfahren als auch Systemtherapien angewandt werden. Dies regelt ein Stufenplan. Danach genügt es, auf Stufe eins mit stellenweise trockener Haut und allenfalls leichtem Juckreiz die Haut mit einer pflegenden Basistherapie zu versorgen und darauf zu achten, die Auslöser zu reduzieren. Auf den Stufen zwei und drei kommen zusätzlich in unterschiedlicher Dosierung entzündungshemmende Corticosteroide, umgangssprachlich Kortison, und Calcineuroinhibitoren zum Auftragen auf die betroffenen Hautstellen zum Einsatz. Auf Stufe vier, also bei andauernden und schweren, ausgeprägten Ekzemen werden zusätzlich auch Tabletten zur Regulation der Immunreaktionen eingesetzt.

Vorbeugende Maßnahmen

Vorbeugung ist dann besonders wichtig, wenn eine familiäre Veranlagung zu Hautentzündungen besteht. Bei Säuglingen hat eine Stillzeit von vier bis sechs Monaten ohne Beikost vorbeugende Wirkung. Kann nicht gestillt werden, ist hypoallergenes Milchpulver zu empfehlen. Entwickelt das Baby trotzdem trockene Haut, Juckreiz und andere Hautsymptome, sollten die trockenen Hautstellen mit einer pflegenden, unparfümierten Babycreme behandelt werden. Wenn sich die Symptome dadurch nicht bessern, sollte kinderärztlicher Rat eingeholt werden.

Was Sie unterstützend tun können

  • Sorgen Sie für eine gute Basispflege, um die trockene Haut feucht und geschmeidig zu halten und ihre Schutzfunktion zu verbessern.
  • Wurden Allergene festgestellt, vermeiden Sie diese. Das heißt meistens: Halten Sie keine Haustiere, verwenden Sie eine Matratze mit Milbenschutzbezug, waschen Sie Kuscheltiere regelmäßig.
  • Andererseits ist es wichtig, nicht zu viel Hygiene und Desinfektion walten zu lassen. Wenn wir nicht mit Keimen in Verbindung kommen, kann unser Abwehrsystem nicht richtig trainiert werden und reagiert übereifrig auch auf harmlose Erreger.
  • Vermeiden Sie, was die Haut reizen könnte, wie zum Beispiel Wolle, Synthetisches, Parfümiertes. Verwenden Sie Baumwollbekleidung und unparfümierte Körperpflegemittel.
  • Finden Sie heraus, ob bestimmte Nahrungsmittel die Symptome verstärken.
  • Ziehen Sie nachts Baumwollhandschuhe an, um das Aufkratzen der juckenden Hautareale zu vermeiden. Diese gibt es auch für Säuglinge und Kleinkinder.
  • Betroffene und die Eltern von betroffenen Kindern können an einem standardisierten Schulungsprogramm teilnehmen, das den Umgang mit der chronischen Krankheit erleichtern und sie beherrschbarer machen soll.
  • Eine Psychotherapie oder zumindest das Erlernen einer Entspannungsmethode sind in jedem Fall hilfreich, um mit belastenden Situationen klarzukommen.
© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)
Text: Dr. Beatrice Wagner, www.beatrice-wagner.de
Redaktion: Monika Seibel
 

 

Weiterführende Links

Infos, Tipps und Kontakte zu Selbsthilfegruppen vom Bundesverband Neurodermitis

Informationen rund um Neurodermitis und andere Allergien sind nachzulesen beim Allergieinformationsdienst des Helmholtz-Zentrums München

Bundesweite Übersicht von Zentren für Patientenschulungen


 

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