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Neue Impfung schützt Senioren vor Gürtelrose

Sonntag, 1. September 2019 bis Sonntag, 15. September 2019

Gürtelrose ist eine weitverbreitete Erkrankung, die mit schlimmen, teilweise fast unerträglichen Nervenschmerzen verbunden ist. Nach Untersuchungen des Robert Koch-Instituts (RKI) erkranken in Deutschland jährlich über 300.000 Menschen daran. Eine Impfung bietet vor Herpes Zoster, wie die Krankheit medizinisch genannt wird, einen wirksamen Schutz. Für ältere Menschen übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen neuerdings die Kosten. Wie entsteht Gürtelrose, wie wird sie behandelt und warum ist die Impfung ratsam?

Von Windpocken zur Gürtelrose

Auslöser der Krankheit ist ein Virus mit dem Namen Varizella-Zoster. Dieses Virus führt – vorwiegend im Kindesalter – zu Windpocken, und kann später, als darauffolgende Zweiterkrankung, eine Gürtelrose hervorrufen. Auch wenn die Windpocken ausgeheilt sind, bleiben nämlich die Varizella-Zoster-Viren im Körper. Sie verbergen sich in den Ganglien, den Nervenknoten entlang der Wirbelsäule. In Zeiten, in denen das Immunsystem längerfristig geschwächt ist, etwa bei Dauerstress, während einer schweren Krankheit oder im Alter, besteht die Gefahr, dass die Viren wieder aktiv werden und sich entlang der Spinalnerven ausbreiten. Weil die Spinalnerven, ausgehend von der Wirbelsäule, gürtelförmig um den Körper herumlaufen, kommt es zu dem charakteristischen Verlauf, der der Krankheit den Namen gibt: Gürtelrose. Manchmal befallen die Viren auch einen der Hirnnerven, was zu sehr schmerzhaften Symptomen im Gesicht führt. Dann spricht man von einer Gesichtsrose.

Erste Anzeichen und Symptome einer Gürtelrose

Die ersten Anzeichen einer Gürtelrose sind Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen und leichte Temperaturerhöhung. Dort, wo sich die Viren ausbreiten, kommt es zu dumpfen oder ziehenden Schmerzen. Nach drei bis fünf Tagen bildet sich entlang der Nervenbahnen ein Hautausschlag mit Rötungen und eitrigen Bläschen, verbunden mit einem brennenden Schmerz. Auch zusätzliche Missempfindungen, zum Beispiel Taubheitsgefühle, sind im angegriffenen Gebiet möglich.

Meist befallen die Viren den Rumpf. Ist das Gesicht betroffen – oft entlang des sogenannten Trigeminusnervs – kommt es vor allem im Bereich der Augen und der Stirn zu schmerzhaftem Brennen und zu Gesichtsrötungen. Im Gesicht kann auch der Nervus facialis befallen sein, ein anderer Hirnnerv. In diesem Fall schmerzen insbesondere die Ohren, teilweise auch Zunge und Gaumen.

Verlauf und Komplikationen

Eine Gürtelrose klingt meist nach zwei bis vier Wochen ab. Bei über 80-jährigen Menschen geht sie jedoch bei etwa jedem Fünften in eine chronische Schmerzerkrankung über, die sogenannte Post-Zoster-Neuralgie: Hier bleiben die Schmerzen über ein bis zwei Jahre weiter bestehen, auch wenn die Hautrötungen und -pusteln nicht mehr sichtbar sind.

Die Schmerzen, sowohl bei Gürtelrose als auch bei der Post-zoster-Neuralgie, können so unerträglich schlimm werden, dass sie mit Schmerzmitteln kaum zu bändigen sind und Menschen bereits in den Suizid getrieben haben.

Ärztliche Behandlung

Bei einer leichten Form der Gürtelrose wird die Ärztin oder der Arzt eine Zinkpaste verschreiben, welche die Pusteln austrocknet und die Entzündung abklingen lässt. Bei mittleren und schweren Formen wird ein virushemmender Wirkstoff verabreicht, entweder in Tablettenform oder als Infusion. Dies soll die Verschlimmerung der Gürtelrose verhindern und die Krankheitsdauer verkürzen. Wenn das Innenohr betroffen ist, ist zusätzlich ein Antibiotikum sinnvoll, damit sich keine bakterielle Zweitinfektion bildet.

Gegen die quälenden Schmerzen werden meist starke Schmerzmittel gegeben. Bei einer rechtzeitigen antiviralen Behandlung, kombiniert mit einer ausreichend langen Schmerztherapie, sinkt die Gefahr einer späteren Post-Zoster-Neuralgie.

Neuartige Impfung

Eine einmal überstandene Gürtelrose kann immer wieder ausbrechen. Mit zunehmendem Alter wird dies sogar wahrscheinlicher, weil die Aktivität des Immunsystems nachlässt. Seit einigen Jahren gibt es einen neuartigen Impfstoff gegen die Erreger der Gürtelrose, der speziell für alte Menschen hilfreich ist und seit März 2019 in Deutschland von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt wird.

Der neue Impfstoff „Shingrix“ enthält ein Protein, das dem krankheitsverursachenden Varizella-Zoster-Virus entnommen und mit einem medikamentösen Hilfssystem kombiniert wurde. Mit der Impfung wird eine natürliche Immunantwort auf den Erreger hervorgerufen und verstärkt. Auf diese Weise sollen speziell Seniorinnen und Senioren vor Gürtelrose und vor der Post-Zoster-Neuralgie geschützt werden. Die Wirksamkeit beträgt 90 Prozent in allen Altersgruppen.

Die Impfung besteht aus zwei Dosen, die intramuskulär im Abstand von mindestens zwei bis maximal sechs Monaten verabreicht werden. Es gibt keine Anzeichen für schwere Nebenwirkungen. Allerdings muss in den ersten beiden Tagen mit Hautrötungen und -schwellungen an der Impfstelle sowie mit Fieber, Müdigkeit, Muskelschmerzen und Kopfweh gerechnet werden.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt diese Impfung für Menschen über 60 Jahre. Da es sich um einen sogenannten Totimpfstoff handelt und  die Impfung daher besonders gut verträglich ist,  lässt sie sich auch bei geschwächtem Immunsystem, zum Beispiel infolge einer HIV-Infektion, wirksam einsetzen.

Für Menschen, bei denen das körpereigene Immunsystem aus therapeutischen Gründen unterdrückt wird (Immunsuppression), sowie bei bestimmten Grunderkrankungen wie Rheumatoide Arthritis, Diabetes oder COPD wird die Schutzimpfung schon ab 50 Jahren empfohlen. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, ob die Impfung für Sie in Frage kommt. So können Sie sich gegebenenfalls rechtzeitig vor einer schmerzhaften und kräftezehrenden Erkrankung schützen.

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)
Text: Dr. Beatrice Wagner www.beatrice-wagner.de
Redaktion: Birgit Kahl-Rüther


Weiterführende Links

Mehr zur Gürtelrose

Die Stiftung Warentest informiert, was die Impfung gegen Herpes Zoster bringt.

Informationen zur Gürtelrose-Impfung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

 


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