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Leben mit Herzrhythmusstörungen

Dienstag, 1. Oktober 2019 bis Dienstag, 15. Oktober 2019

Vom Herz ist man gewohnt, dass es unauffällig und regelmäßig seinen Dienst tut. Wenn das nicht so ist und das Herz außer Takt gerät, fühlt sich das für die Betroffenen bedrohlich an. In der Tat können Unregelmäßigkeiten des Herzschlags gefährlich sein. Jährlich werden in Deutschland 400.000 Menschen wegen Herzrhythmusstörungen in eine Klinik eingeliefert. An der häufigsten Herzrhythmusstörung, dem Vorhofflimmern, leiden 1,8 Millionen Menschen, so die Zahlen der Deutschen Herzstiftung. Die meisten Herzrhythmusstörungen sind jedoch harmlos und vorübergehend. Wie entstehen sie?

Der Herzschlag

Mit Herzschlag wird das regelmäßige Zusammenziehen und Entspannen des Herzmuskels bezeichnet. Das Herz besteht aus zwei kleinen Hohlräumen, dem linken und rechten Vorhof, und zwei größeren Hohlräumen, der linken und rechten Herzkammer. Mit dem Stethoskop sind pro Herzschlag zwei verschiedene, kurz aufeinanderfolgende Töne zu hören: Der erste Ton zeigt die Systole an, bei der sich die großen Herzkammern zusammenziehen und das Blut in den Kreislauf pumpen. Beim zweiten Ton ist die Diastole zu hören: Die großen Herzkammern entspannen sich und werden aus den Vorhöfen wieder mit einströmendem Blut gefüllt.

Die Impulse dazu erhält das Herz vom Sinusknoten, dem herzeigenen Schrittmacher. Er steuert, wie schnell oder langsam das Herz schlägt – normalerweise sind das etwa 60 bis 80 Schläge pro Minute. Dieser sogenannte Ruhepuls verändert sich zum Beispiel bei Aufregung oder körperlicher Anstrengung. Das Herz schlägt dann schneller, damit die Organe ausreichend mit Blut versorgt werden und die Leistungsfähigkeit der Situation entsprechend steigt. Über das vegetative Nervensystem bekommt der Sinusknoten den Antrieb, den Herzschlag unterschiedlichen Belastungssituationen anzupassen.

Es ist also wichtig, dass das Herz nicht im immer gleichen Takt schlägt, sondern je nach Bedarf mal schneller und mal langsamer arbeitet. Allerdings können immer wieder kleine Fehlregulationen entstehen, spontane Herzrhythmusstörungen. Sie sind meist unbedenklich, können aber auch Anzeichen einer Erkrankung sein.

Krankhafte Herzrhythmusstörungen

In manchen Fällen liegt die Ursache der unregelmäßigen Herzaktivität am herzeigenen Schrittmacher. Dies wird dann als AV-Block oder als Sinusknoten-Syndrom bezeichnet. Herzrhythmusstörungen können aber auch als Folge einer anderen Herzkrankheit auftreten: Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit, Herzklappendefekte oder Herzmuskelerkrankungen können für Herzrhythmusstörungen verantwortlich sein.

Bei 70 Prozent der Patientinnen und Patienten mit Vorhofflimmern  – eine häufige Herzrhythmusstörung, bei der sich die Vorhöfe nicht richtig entleeren – liegt ein zu hoher Blutdruck vor. Auch Erkrankungen außerhalb des Herzens, wie Schilddrüsenüberfunktion, Diabetes oder chronische Lungenerkrankungen, können Herzrhythmusstörungen nach sich ziehen. Bestimmte Medikamente, insbesondere Entwässerungsmittel (Diuretika), können eine Herzrhythmusstörung auslösen, wenn sie zu einem Magnesiummangel oder zu einem zu hohen oder zu niedrigen Kaliumspiegel führen. Alkohol, Nikotin und Koffein haben ähnliche Auswirkungen. Eine häufige Ursache ist auch psychisch bedingter Dauerstress.

Therapie von Herzrhythmusstörungen

Herzrhythmusstörungen können meist einfach behandelt werden, sobald die Ursache bekannt ist. Vorhofflimmern etwa kann in vielen Fällen allein mit dem Senken des Blutdrucks gebessert werden.

Auch die Behandlung einer erkrankten Schilddrüse, die korrekte Einstellung des Blutzuckers, eine Überprüfung von Medikamenten auf unerwünschte Nebenwirkungen oder die Umstellung der Medikation hilft gegen Herzrhythmusstörungen.

Im Falle eines Sinusknotensyndroms gibt es die Möglichkeit von rhythmusregulierenden Medikamenten. Diese werden allerdings nicht immer gut vertragen. Positiven Einfluss auf Herzrasen haben auch medikamentöse Wirkstoffe wie Digitalis, Betarezeptorenblocker und Kalziumkanalantagonisten. Wichtig sind gerinnungshemmende Medikamente, denn die größte Gefahr bei Herzrhythmusstörungen besteht in der Bildung von Blutgerinnseln und deren „Verschleppung“ in die Blutbahn. Die Folgen sind Embolien, die zu einem Schlaganfall, Gefäßverschluss oder zu Sehstörungen führen können. Manchmal ist auch eine speziellere Therapie notwendig: Mit einer Elektrokardioversion kann der Sinusrhythmus unter Umständen normalisiert werden.

Dies können Sie selbst vorbeugend tun

Neben allen ärztlichen Eingriffen und Behandlungen, sollte nicht vergessen werden, dass Sie selbst einen großen Einfluss auf die Herzgesundheit haben. Ein erster vielversprechender Ansatz besteht darin, auf den übermäßigen Genuss von Alkohol und Kaffee zu verzichten und das Rauchen einzustellen.

Weiterhin sind stressreduzierende Maßnahmen wichtig. Der Einfluss von Dauerstress auf die Herzgesundheit gerät immer mehr in den Blick der Kardiologen. Hinterfragen Sie Ihre Lebensweise, geben Sie Aufgaben ab oder suchen Sie sich gegebenenfalls psychotherapeutische Hilfe. Wenn Sie eine aktuelle Situation nicht ändern können, etwa einen Stau im Straßenverkehr, versuchen Sie, dies als Tatsache zu akzeptieren und sich nicht aufzuregen. Treiben Sie regelmäßig Sport, vor allem Ausdauersport, und lernen Sie eine Entspannungstechnik, wie etwa die progressive Muskelentspannung nach Jacobson. Wenn Sie viel arbeiten müssen, dann richten Sie sich ganz bewusst auch schöne Zeiten in Ihrem Leben ein.

Ursache abklären lassen

Wenn Sie einen unregelmäßigen Herzschlag verspüren, sollten Sie die Ursache auf jeden Fall ärztlich abklären lassen. Auch wenn häufig keine ernsthafte Erkrankung dahinter steckt, ist der Übergang von harmlosen zu gefährlichen Herzrhythmusstörungen fließend. Eine Kardiologin oder ein Kardiologe entscheidet, wie schwerwiegend die Störung ist und ob eine Therapie eingeleitet werden muss. In jedem Fall sind Herzrhythmusstörungen ein ernstzunehmendes Anzeichen dafür, dass Sie wieder mehr auf sich selbst achten sollten.

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)
Text: Dr. Beatrice Wagner, www.beatrice-wagner.de


 

Weiterführende Links

Guter Übersichtsartikel auf der Homepage der Deutschen Herzstiftung

Frei zum Download: Herzstolpern: Bei diesen Warnzeichen schnell zum Arzt

Schützen Sie Ihr Herz vor Dauerstress

Informationen der Apotheken-Umschau zu Herzrhythmusstörungen und Vorhofflimmern

Anleitung zur Progressiven Muskelentspannung nach Jacobson

 


 

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