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Haustiere – gut fürs Wohlbefinden

Donnerstag, 1. August 2019 bis Donnerstag, 15. August 2019

Es ist zum Dahinschmelzen, wenn ein Hund mit seinen treuen Augen aufschaut und sich ganz auf seinen Menschen einstellt. Oder wenn die Katze auf der Suche nach Streicheleinheiten mit wohligem Schnurren um die Beine streicht. Wer ein Haustier hat, möchte es meist nicht mehr hergeben. Haustiere sind aber mehr als nur lieb, süß und kuschelig. Wenn Mensch und Tier zusammenpassen, profitiert die Gesundheit.

Tiere tun gut

Haustiere sorgen dafür, dass es Frauchen oder Herrchen gut geht. Dies zeigte beispielsweise eine Studie aus den USA anhand von 2.500 Katzenbesitzern, die über 10 Jahre lang beobachtet und mit 2.000 tierlosen Menschen verglichen wurden: Das anhaltende Zusammenleben mit dem Stubentiger senkte das Risiko von Herzinfarkt, Schlaganfall und anderen Herzkreislauferkrankungen. Die Forscher führten dies auf die stressmindernde beruhigende Wirkung der Tiere zurück. Eine australische Studie, die 6.000 Haushalte einbezog, bestätigte: Hunde- und Katzenhalter benötigten deutlich seltener medizinische Behandlung als Menschen ohne Haustier.

Die Gegenwart von Tieren steigert auch das individuelle Wohlbefinden und die Lebensqualität. Dies zeigte eine Studie von Professor Reinhold Bergler aus Bonn. Er befragte Bewohnerinnen und Bewohner aus 37 Altenheimen: Drei Viertel von ihnen gaben an, dass sie sich einsam und fremdbestimmt fühlten, und dass sie ihr altes Umfeld vermissten. Diese Situation änderte sich völlig, als ein Wellensittich Einzug in das Leben der Seniorinnen und Senioren hielt. Der Piepmatz bekam sofort einen Namen und wurde ins Herz geschlossen. Das setzte einen emotionalen Prozess in Gang: Die alten Herrschaften fühlten sich wieder gefordert und gebraucht, und es gab plötzlich viel Gesprächsstoff untereinander. Nach nur acht Wochen Zusammenleben mit dem Wellensittich fühlten sich nur noch 5 Prozent der Befragten einsam.

Haustiere und Kinder

Studien dieser Art gibt es jede Menge, berichtet der Forschungskreis Heimtiere in der Gesellschaft. So ist ein Familienhund hilfreich bei der Entwicklung des Nachwuchses: Den Kindern geht es insgesamt besser und sie sind ausgeglichener, weil sie sich von dem Vierbeiner verstanden fühlen. Darüber hinaus steigert der Hund offenbar die Lust am Lernen und er hilft mit, Team- und Kommunikationsfähigkeit zu entwickeln. Außerdem fördert er das Verantwortungsbewusstsein, denn das Tier wird krank, wenn das Kind die Bedürfnisse des Hundes nicht erkennt und sich nicht regelmäßig kümmert.

Tiere als Co-Therapeuten

Verantwortung für Tiere zu übernehmen, kann sogar die Resozialisierung von Gefangenen unterstützen – das zeigte eine Studie aus einer Justizvollzugsanstalt im US-Bundesstaat Washington. Seit Anfang 2012 können sich dort Häftlinge darum bewerben, eine herrenlose Katze als Zellengenossin aufzunehmen. Es braucht viel Geduld und Zuneigung, damit diese Tiere Vertrauen zu Menschen fassen. Die Gefangenen dürfen die Aufgabe übernehmen, die scheuen Katzen an den Umgang mit Menschen zu gewöhnen – vorausgesetzt, sie haben sich im Gefängnis nichts weiter zu Schulden kommen lassen. Das Ergebnis: Mensch und Tier profitieren beide davon. Die Aufgabe fördert bei den Gefangenen soziale Fähigkeiten, Durchhaltevermögen und Teamgeist. Das Zusammenleben mit den Katzen hat also durchaus therapeutischen Charakter.

Tiergestützte Therapien finden auch in Freiheit statt. Therapiehunde werden beispielsweise in der Psychiatrie der Mainzer Uniklinik, in vielen Hospizen und Altenwohnheimen eingesetzt. Federvieh in einem Außenkäfig, zu besichtigen in einem Mainzer Altenheim, macht den Bewohnerinnen und Bewohnern viel Freude. Lamas, Ziegen und Kaninchen werden in einem Praxisprojekt in Bayern gegen Depressionen eingesetzt. Die gutmütigen Lamas helfen auch Menschen mit einer Schizophrenie im Rahmen einer Sport- und Bewegungstherapie.

Katzen im Wartezimmer einer Klinik, die sich auf Angststörungen spezialisiert hat, erleichtern die anschließende Therapie, weil die Tiere vertrauensbildend wirken. Pferde und Ponys werden für das therapeutische Reiten ausgebildet, was den Zugang beispielsweise zu verschlossenen Kindern ermöglicht. Ziegen, Schweine und andere in der Landwirtschaft gehaltene Tiere findet man des Öfteren in Kinder- oder Seniorenheimen, Kliniken und Streichelzoos.

Verantwortung für Tiere

Wenn Sie mit dem Gedanken spielen, sich ein Haustier zuzulegen, dann überlegen Sie genau: Nicht jede Tierart und erst recht nicht jedes Tier eignet sich. Bei Hunden zum Beispiel spielen ein freundlicher, ausgeglichener Charakter, Geduld, gute Sozialisation sowie rassetypische Veranlagungen eine Rolle. Außerdem braucht ein Hund genug Auslauf, Sie sollten also gut zu Fuß sein. Der Vorteil: Regelmäßige Spaziergänge mit dem Hund halten körperlich fit, stärken das Immunsystem, können Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen und Übergewicht entgegenwirken.

Kleinere Tiere, die in der Wohnung gehalten werden können, sind auch für körperlich eingeschränkte Menschen geeignet. Aber Achtung: Nachtaktive Nager, wie etwa Hamster, werden erst bei Dunkelheit richtig munter – sie sind also eher nichts für Menschen mit leichtem Schlaf!

Sollten Sie wegen einer Allergie oder einer Allergiegefährdung unsicher sein, ob Sie sich ein Haustier zulegen können, holen Sie zunächst fachkundigen ärztlichen Rat ein. Sich nach kurzer Zeit wieder von dem liebgewonnenen Haustier verabschieden zu müssen, kann insbesondere für Kinder eine sehr schmerzhafte Erfahrung sein. Besser ist es, sich vor dem Kauf mit einer Allergologin oder einem Allergologen zu beraten, ob ein Haustier – und wenn ja, welches – in Frage kommt.

Bedenken Sie außerdem, dass Tiere sehr alt werden können. Drum prüfe, wer sich lange bindet... Manchmal ist auch ein schon etwas älteres Tier aus dem Tierheim empfehlenswert – es ist außerdem sehr dankbar, noch einmal ein neues Zuhause gefunden zu haben.

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)
Text: Dr. Beatrice Wagner, www.beatrice-wagner.de
Redaktion: Birgit Kahl-Rüther


Weiterführende Links

Über das Zusammenleben mit Tieren

So fördern Haustiere die Gesundheit

Therapeut Haustier


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