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Frauen und Männer schlafen unterschiedlich

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Im Schlaf sind alle gleich, heißt es, aber stimmt das denn? Laut Schlafstudien jedenfalls nicht.

Daten zur Schlaflosigkeit

30,3 Prozent der Frauen und Männer leiden an klinisch relevanten Ein- oder Durchschlafstörungen. Das heißt, sie sind drei Mal pro Woche und häufiger davon betroffen – Frauen häufiger als Männer. So die Daten der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1-Studie) des Robert Koch-Instituts (RKI). Dies gilt in geringem Maße für die Einschlafstörungen und in hohem Maße für die Durchschlafstörungen. Bei Letzteren sind Frauen doppelt so oft betroffen wie Männer. Durchschlafstörungen nehmen übrigens mit steigendem Alter bei beiden Geschlechtern erheblich zu: Bei Frauen verdoppelt sie sich fast von knapp 18 Prozent in der Altersgruppe der 18 bis 39-Jährigen auf gut 34 Prozent in der Altersgruppe der 60 bis 79-Jährigen. Bei Männern verdreifacht sich die Häufigkeit sogar und zwar von gut neun Prozent auf 29 Prozent.

Folgen von Schlaflosigkeit

Ein gesunder und ausreichender Schlaf ist wichtig. Denn im Schlaf regenerieren sich die Verbindungen zwischen den Nervenzellen im Gehirn, die sogenannten Synapsen. Sie werden gebildet, sobald wir etwas Neues lernen. Bildlich gesprochen werden im Schlaf wichtige Synapsen gestärkt oder neu angelegt. Unwichtige werden geschwächt oder ganz abgebaut, wie neue Forschungen der Universitätsklinik Freiburg im Jahre 2016 zeigten. Diese Anpassungsfähigkeit des Gehirns während des Schlafs ist eine Grundlage für das Lernen und für eine dauerhafte Reizverarbeitung. Ansonsten wäre das Gehirn recht bald übersättigt und für nichts mehr aufnahmebereit.
In Folge dessen sind Schlafstörungen mit einer Vielzahl von körperlichen und psychischen Gesundheitsstörungen verbunden. Denn dauerhaft schlechter Schlaf kann der Gesundheit ernsthaft schaden. Im Laufe der Jahre steigt beispielsweise das Risiko für Depression, Stoffwechselstörungen und Herzschäden. Auch das Risiko, am metabolischen Syndrom zu erkranken ist erhöht. Hierbei handelt es sich um eine Kombination aus den Risikofaktoren Übergewicht, Bluthochdruck, erhöhte Blutfett- und Blutzuckerwerte.
Darüber hinaus ist Schlafmangel mit Tagesmüdigkeit, mangelnder Konzentrationsfähigkeit, Stress, schlechterem allgemeinen Gesundheitszustand und mangelndem psychischen Wohlbefinden verbunden. Wünschenswert ist es daher, ausreichend lange und gut zu schlafen. Doch warum gelingt das gerade den Frauen so schlecht?

Gründe für die Durchschlafstörungen der Frauen

Ein Grund dafür könnte durch die traditionelle Aufgabenverteilung für Männer und Frauen gegeben sein. Denn offenbar waren Frauen in unserer Vergangenheit immer diejenigen gewesen, die für die Herde, die Familie und deren Wohl zuständig waren. Sie konnten also womöglich nicht ungestört in den Tiefschlaf fallen, weil sie darauf gefasst sein mussten, von den ihnen anvertrauten Menschen oder Tieren gebraucht zu werden. Tatsächlich nachgewiesen werden konnte, dass Frauen in ihrer Nachtruhe dem Lärm gegenüber empfindlicher sind als Männer. Wenn geschichtlich gesehen Frauen darauf konditioniert oder trainiert wurden, bei jeder Bewegung aufzuwachen, kann der anwesende schlafende Partner sogar eine Stressbelastung darstellen. Darauf weist der Schlafmediziner Dr. Hans-Günter Weeß hin, der sich mit geschlechtsspezifischen Schlafstörungen befasst. Neben der Evolutionsbiologie könnte es weitere Gründe für die gehäuften Durchschlafstörungen bei Frauen geben. So ist etwa lautes Schnarchen unter Männern weiter verbreitet als unter Frauen. Eine Lärmbelästigung durch einen schnarchenden Partner kann Frauen den Schlaf rauben und Stress auslösen. Eine weitere Ursache für Durchschlafstörungen könnte auch das Restless Legs-Syndrom sein, bei dem die Betroffenen im Ruhezustand ein lästiges bis unerträgliches Kribbeln in den Beinen verspüren. Frauen sind hiervon doppelt so häufig betroffen wie Männer.

Was also ist zu tun?

Zunächst einmal gilt es, die Ursache der Schlafstörung abzuklären. Neben den genannten gibt es viele weitere Ursachen. So könnte beispielsweise eine Krankheit wie Schlafapnoe (das sind Atemaussetzer), Schilddrüsenüberfunktion oder Depression dahinterstehen. Wer etwa unter Herzbeklemmung oder der rheumatischen Schmerzkrankheit Fibromyalgie leidet, läuft aufgrund der Schmerzzustände Gefahr, häufiger aufzuwachen. Auch zu hoher Alkoholkonsum oder eine Stressbelastung könnten hinter der Schlafstörung stehen. Im Hinblick auf die Häufigkeit von Schlafstörungen der unterschiedlichen Geschlechter lässt sich auf jeden Fall festhalten: Sollte der Partnerin das Schnarchen des Partners den Schlaf rauben, ist es der Mann, der einen Arzt aufsuchen sollte. Denn zunächst sollte der Rat einer Ärztin oder eines Arztes eingeholt werden. Eine angenehme Abhilfe bei Stresszuständen bietet übrigens der Sex. Er verbindet, beruhigt und wirkt sich sowohl bei Frauen als auch bei Männern positiv auf den Schlaf aus.

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)
Text: Dr. Beatrice Wagner, www.beatrice-wagner.de
Redaktion: Marielle Becker


 

Weiterführende Links

Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS)
„Häufigkeit und Verteilung von Schlafproblemen und Insomnie in der deutschen Erwachsenenbevölkerung“ von 2013. Zum Download

Artikel des Universitätsklinikums Freiburg von 2016 „Gehirn räumt im Schlaf auf – und bleibt dadurch lernfähig“. Zur Homepage

Informationen des Interdisziplinären Schlafzentrums am Pfalzklinikum Klingenmünster. Zur Homepage

Informationen der Schlafambulanz der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Zur Homepage

Verschiedene Patientenratgeber der Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM)  zum Thema, z. B. „Der Schlaf von Frauen“. Zur Homepage

 


 

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