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Chronobiologie – Leben nach dem Tages- und Jahresrhythmus fördert die Gesundheit

Freitag, 16. März 2018 bis Samstag, 31. März 2018

Wenn Ende März die Uhr auf Sommerzeit gestellt wird, beginnt für viele Menschen eine lästige Umgewöhnung. Es gelingt nicht sofort, eine Stunde früher ins Bett zu gehen, um dann morgens, wenn der Wecker eine Stunde früher klingelt, frisch und munter aus den Federn zu springen. Ähnlich wie nach einer Fernreise können wir uns nur langsam an die neue Zeit anpassen. Erst nach einigen Tagen sind wir wieder im Lot.

Forscher warnen: Die Missachtung der körpereigenen Rhythmen tut auf Dauer nicht gut. Dies gilt sicher in geringerem Maße für die Zeitumstellung ­­­– umso mehr jedoch, wenn wir häufig nachts arbeiten, dauernd zu spät ins Bett gehen oder zu früh aufstehen müssen. Mit der Erforschung der biologischen Rhythmen, denen der menschliche Organismus unterliegt und mit dessen Bedeutung für die Gesundheit, beschäftigt sich die Chronobiologie.

Der Einfluss der inneren Uhr

Medizinisch gesehen, werden die Körperrhythmen durch die sogenannte innere Uhr bestimmt. Sie sorgt dafür, dass unser Körper zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich reagiert. So verändert sich zum Beispiel ab dem Zeitpunkt der Schlafmitte die Hormonproduktion: Es wird weniger Melatonin und mehr Cortisol produziert. Während Melatonin müde macht, sorgt Cortisol dafür, dass wir munter werden: Körpertemperatur, Blutdruck und Pulsfrequenz steigen an und wir gleiten vom Tiefschlaf in einen Leichtschlaf über. Mit dem Morgenlicht – das sehr klar und etwas bläulich ist – wird verstärkt Serotonin ausgeschüttet, ein stimmungsaufhellendes und motivierendes Hormon. Und das Abendlicht – das warm und etwas rötlich ist – regt wiederum die Melatonin-Produktion an.

Die innere Uhr gibt Billionen von Körperzellen den Takt vor. Anatomisch gesehen handelt es dabei sich um eine Ansammlung von Zellen am Boden des Großhirns – genau an der Stelle, wo sich die beiden Sehnerven kreuzen und Lichtsignale eintreffen. Diese Signale kommen von speziellen Sinneszellen, die in den Augen liegen, aber nicht zum Sehen da sind. Auf diese Weise wird die innere Uhr immer wieder mit dem Tageslicht synchronisiert.

Bei Menschen, die einen Schlaganfall erlitten haben, ist die innere Uhr übrigens zerstört. Sie entwickeln einen ganz eigenen Tagesrhythmus, der länger oder kürzer als 24 Stunden sein kann.

Was passiert, wenn wir gegen die inneren Rhythmen leben?

Weil die innere Uhr flexibel ist, können wir uns an unterschiedliche Tages- und Nachtlängen, an andere Zeitzonen, nächtliche Arbeitszeiten oder eine Zeitumstellung anpassen. Allerdings ist es für die Gesundheit wichtig, dass wir nicht permanent gegen unsere inneren Rhythmen arbeiten, denn damit überfordern wir die angeborene Flexibilität des Körpers.

Auch wer so gut wie jeden Tag in Innenräumen verbringt und sich wenig dem natürlichen Tageslicht aussetzt, gefährdet seine Gesundheit. Drinnen herrscht nämlich, trotz heller Lampen, nur ein Bruchteil der Helligkeit von draußen. Zudem fehlen künstlichem Licht die unterschiedlichen Lichtwellen, die das Morgenlicht blauer und das Abendlicht röter machen. Der inneren Uhr mangelt es damit an wichtigen Impulsen und sie „verflacht“ gewissermaßen. Menschen, die dauernd im Jetlag sind oder Schichtarbeit leisten müssen, strapazieren ihre innere Uhr dagegen zu stark.

In beiden Fällen sind Schlafstörungen eine häufige Folge, genauso wie Gefühlsschwankungen oder depressive Verstimmungen. Auch Herzkreislauferkrankungen, Magengeschwüre und sogar einige Krebserkrankungen werden damit in Verbindung gebracht.

Wichtig sind deshalb die folgenden Tipps:

  • Leben Sie mit Ihren tageszeitlichen Rhythmen und nicht gegen sie.
  • Wenn Sie schlecht schlafen, gehen Sie jeden Tag nach draußen, um Licht zu tanken. Wichtig ist das Morgenlicht, vor allem, wenn Sie zu Verstimmungen neigen.
  • Greifen Sie nicht zu alkoholischen Getränken, denn diese verschlechtern die Schlafqualität und Sie fühlen sich am Morgen noch zermürbter. Ähnliches gilt für Nikotin.
  • Schlafen Sie im abgedunkelten Zimmer. Nächtliches Dämmerlicht lässt nämlich den Tag- und Nachtrhythmus abflachen und beeinträchtigt die Schlafqualität.
  • Stehen Sie, wenn möglich, jeden Tag zur gleichen Zeit auf und gehen Sie zur gleichen Zeit schlafen. Auch sollten Sie feste Essenszeiten einhalten.

Auch das Jahr hat einen Rhythmus

Menschen sind nicht nur Tagesrhythmen unterworfen, sondern auch einer Jahresuhr. Hier steckt die Forschung noch ganz am Anfang. Aber man weiß bereits, dass im Winter zum Beispiel die Wahrscheinlichkeit von Krankheitsschüben bei Multipler Sklerose sinkt.

Generell sind wir im Sommer aktiver und brauchen weniger Schlaf als in den Wintermonaten. Die Traditionelle Chinesische Medizin misst dieser Tatsache große Bedeutung bei. Sie empfiehlt, die Schaffenskraft im Frühjahr und Sommer auszuleben und im Herbst und Winter alles etwas ruhiger angehen zu lassen.

Wie die Forschung zeigt, tun wir dies offenbar schon. Jedenfalls ist der März der geburtenstärkste Monat des Jahres, was auf besondere Aktivitäten im Juni schließen lässt.

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)
Text: Dr. Beatrice Wagner, www.beatrice-wagner.de


 

Weiterführende Links

Informationen über die Chronobiologie

Nobelpreis für Chronobiologie-Forscher

Hintergrundgespräch zur Chronobiologie-Forschung 

Kritisches zum Thema Sommerzeit

 


 

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