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Ab ins kühle Nass - aber sicher!

Freitag, 16. Juli 2021

Worauf man beim Baden in Flüssen und Seen achten muss

Ein Besuch im Freibad erfreut die ganze Familie und macht die schlimmste Hitze erträglich. Doch der Ausflug ins Schwimmbad ist auch in diesem Sommer nur eingeschränkt möglich – in fast allen Freibädern gelten strenge Sicherheits- und Hygieneauflagen. Deshalb weichen viele Menschen an nahegelegene Seen oder Flüsse aus. Damit der Badespaß in freier Natur nicht böse endet, müssen einige wichtige Regeln beachtet werden.

Baden Sie nur an bewachten Gewässern!

Es gibt viele ausgewiesene Badestellen an Flüssen und Seen, die von Rettungsschwimmern bewacht werden. Dort kann man, wenn die Baderegeln beachtet werden und man – gerade in Flüssen – in Ufernähe bleibt, schwimmen gehen.

Leider treibt es viele Sommerfrischler aber auch an unbewachte Orte – an kleine Strände, an Flüsse oder idyllischen Seen in der nahen Umgebung. Auf den ersten Blick wirken sie ungefährlich. Doch in jedem Sommer lösen solche Badeausflüge Großeinsätze der Rettungskräfte aus. Die Gefahr, in einem Fluss oder See zu ertrinken, ist hoch. Das gilt keineswegs nur für Menschen, die nicht schwimmen können – auch geübte Schwimmerinnen und Schwimmer müssen immer wieder von Rettungskräften aus Gewässern geborgen werden.

Überschätzen Sie sich nicht!

Ursachen für tödliche Badeunfälle sind Leichtsinn, fehlende Kenntnisse über mögliche Gefahren, aber auch Selbstüberschätzung. Wer nicht trainiert ist, warnt die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), schätzt Strecken falsch ein und bemerkt oft nicht einmal, wie die eigenen Kräfte nachlassen. Auch auf die Gefahr von Strömungen und Strudeln kann nicht häufig genug hingewiesen werden – gegen sie können selbst die Geübtesten kaum anschwimmen. Zudem sind Wirbel und Strudel an der Wasseroberfläche nicht immer gleich zu erkennen.

Wenn man in eine Strömung oder in einen Strudel gerät, ist es wichtig, möglichst Ruhe zu bewahren. Der Versuch, gegen eine starke Strömung anzuschwimmen, ist meist aussichtslos. Richtig ist, sich treiben zu lassen und seitlich heraus zu schwimmen. Vor allem im Rhein sei die Strömung gefährlich und könne bis zu 12 Stundenkilometern erreichen, erklärt die DLRG. Wer von der Strömung in die Flussmitte gezogen wird, ist zudem der Gefahr durch vorbeifahrende Schiffe ausgesetzt.

Strudel verlaufen trichterförmig und ziehen Wasser und Objekte nach unten. Auch hier hat man keine Chance, dagegenzuhalten. Am einfachsten kommt man an der dünnsten Stelle heraus, also am Ende des Strudels. Da heißt es Nerven behalten: Man muss sich nach unten ziehen lassen und an der tiefsten Stelle aus dem Strudel herausschwimmen. Diese Gefahren lauern in allen Gewässern. Auch an bewachten und als sicher vermuteten Badeseen gibt es das Risiko unerwarteter Strömungen.

Temperaturunterschiede einkalkulieren

Eine weitere Gefahr sind die unterschiedlichen Temperaturen in Fluss und See: Oben ist es meist warm, weiter unten wird es viel kälter. Ein Sprung ins vermeintlich angenehm temperierte Wasser kann daher fatale Folgen haben. Durch die plötzliche Abkühlung in den unteren Wasserschichten können Krämpfe bis hin zum Herz-Kreislauf-Kollaps entstehen.

Auch bei längerem Aufenthalt im Wasser können durch Unterkühlung und Überanstrengung Krämpfe auftreten. Die Muskeln ziehen sich dann zusammen, werden unbeweglich und schmerzen. In diesem Fall sollte man versuchen, direkt zum Ufer zurückzukehren. Zur Vorsorge sollte man nie allzu weit hinausschwimmen.

Flüsse und Seen sind kein Schwimmbad

Generell gilt: Nur wer sich wohl fühlt, sollte schwimmen gehen, und wer friert, sollte das Wasser verlassen. Nichtschwimmer sollten nur bis zum Bauch ins Wasser gehen. Doch auch dann ist Vorsicht geboten: Denn Gewässer sind kein Schwimmbad mit ebenem Boden, man muss jederzeit mit Untiefen rechnen. Gerade Baggerseen können erst sehr flach verlaufen und dann abrupt sehr tief werden. Gefährlich sind auch bewachsene und sumpfige Gewässer. An Stellen, wo Schiffe, Boote und Surfer unterwegs sind, sollte man niemals baden. Und auch in der Nähe von Brücken ist das Baden gefährlich.

Eine weitere unterschätzte Gefahr sind Unwetter: Fast jeder weiß zwar, dass man bei einem aufziehenden Gewitter das Wasser sofort verlassen muss. Wer dann allerdings mitten auf dem See ist, hat schlechte Karten. Auch deshalb sollte man niemals zu weit hinausschwimmen.

Finger weg vom Alkohol

Alkoholkonsum ist eine häufige Ursache für Badeunfälle. Wer betrunken schwimmen geht, riskiert einen Kälteschock. Weil Alkohol die Gefäße weitet, können für Betrunkene schon Wassertemperaturen von 20 bis 22 Grad fatal werden. Auch Badegäste, die sich noch nüchtern fühlen, können kaum einschätzen, welche Folgen das kalte Wasser für den Kreislauf hat. Und wer richtig betrunken ist, neigt vielleicht sogar zum Übermut und gerät dadurch in lebensgefährliche Situationen. Wer also schwimmen will, sollte besser Wasser trinken.

Kinder nicht unbeaufsichtigt ins Wasser lassen

Kleine Kinder verunglücken meistens dann, wenn die Eltern nicht hinschauen oder zu weit weg sind, um noch reagieren zu können. Riskant ist es vor allem dort, wo Kinder in Strömungen geraten können – das ist auch an seichten Stellen eines Flusses möglich. Vorbeifahrende Schiffe können einen starken Sog verursachen, der das Wasser zur Mitte des Flusses zieht. Gerade kleine Kinder laufen dem Wasser dann gerne hinterher und bringen sich in Gefahr. Wenn das Schiff vorbeigefahren ist, kommt das Wasser mit großer Kraft zurück und kann Badende in die Hauptströmung reißen.

Kinder, die nicht schwimmen können, müssen im Wasser, selbst wenn sie nur am Wasserrand spielen, grundsätzlich Schwimmflügel tragen. Auch dann gilt aber: Sie dürfen nicht aus den Augen gelassen werden. Kleinkinder im Wasser müssen immer in Griffnähe ihrer Eltern sein.

Was tun im Notfall?

Viele meinen, dass Ertrinkende laut um Hilfe rufen und wild mit den Armen um sich schlagen. Das stimmt nicht. Ertrinken ist ein leiser und schneller Tod. Meistens sind die Betroffenen so kraftlos, dass sie nur noch mühsam versuchen können, sich über Wasser zu halten. Sie können gar nicht mehr um Hilfe rufen. Manchmal verlieren sie auch das Bewusstsein. Dass jemand Hilfe braucht, erkennen Sie daran, dass der Kopf des Schwimmenden immer wieder kurz unter der Wasseroberfläche verschwindet. In diesem Fall wählen Sie bitte sofort den Notruf! Die europaweite Notrufnummer, auch bei Badeunfällen, ist die 112. Erst dann können Sie versuchen, selbst zu helfen. Bringen Sie sich dabei nicht in Gefahr, die eigene Sicherheit geht immer vor. Sprechen Sie andere an, holen Sie sich Unterstützung. Springen Sie nicht bekleidet ins Wasser, ziehen Sie alles aus, was sich mit Wasser vollsaugen könnte. Nehmen Sie, wenn das möglich ist, einen Gegenstand mit, der auf dem Wasser schwimmt, am besten einen Rettungsring, aber auch ein Surfbrett oder eine Luftmatratze können helfen.

Was sonst noch zu beachten ist: Die DLRG empfiehlt, weder mit vollem noch mit leerem Magen schwimmen zu gehen. Auch ein überhitzter Sprung ins kalte Wasser kann gefährlich werden: Hat der Körper keine Anpassungszeit, verengen sich die Adern schlagartig, der Blutdruck steigt stark an. Das kann im schlimmsten Fall zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall führen. Und: In jedem Badegewässer lauern Keime. Wer Blasenentzündungen vermeiden will, sollte die nassen Badesachen ausziehen. Wenn man all diese Regeln beachtet, steht einem Ausflug an eine – natürlich bewachte – Badestelle nichts im Weg.

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