Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V.
telephone 06131-2069-0

Suchtprävention

Drogenkonferenz 2019

 

„Die verspielte Generation? – Medienabhängigkeit in der Suchthilfe“

41. Fachtagung der Landesregierung mit den Einrichtungen der Suchthilfe in Rheinland-Pfalz

Mittwoch, 12. Juni 2019 von 9:00 bis 16:00 Uhr
Schloss Waldthausen, Budenheim

 08:30 Uhr
Eintreffen der Teilnehmenden

09:00 Uhr
Eröffnung und Begrüßung
Sabine Bätzing-Lichtenthäler, Ministerin für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie des Landes Rheinland-Pfalz, Mainz
Dr. Matthias Krell, Geschäftsführer der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V., Mainz

09:30 Uhr
Internetsucht sowie internetbezogene Störungen und deren Behandlungsmöglichkeiten
Dr. Klaus Wölfling, Ambulanz für Spielsucht, Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität, Mainz

10:40 Uhr
Pathologischer Medienkonsum und Internetsucht in Österreich und das therapeutische Angebot im Anton Proksch Institut
Dr. Andreas Schuster, Anton Proksch Institut, Wien

11:35 Uhr
Einordnung von Computerspielsucht / Gaming Disorder in den ICD 11
Dr. Kai W. Müller, Ambulanz für Spielsucht, Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität, Mainz

12:30 Uhr

Mittagspause

Ab 14:00 Uhr
Foren 1 bis 6

Forum 1:
Mikrotransaktionen in Computerspielen. Ist eine Regulation im Jugendalter notwendig?
Michael Dreier, Ambulanz für Spielsucht Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität, Mainz

Online-Gaming & Online Gambling: Wie kann digitaler Spieler- und Jugendschutz gelingen? – Perspektiven, Konzepte und Befunde
Anke Quack, Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Forum 2:
Net-Piloten Peerprojekt - Prävention der Internetsucht an Schulen
Andreas Pauly, Fachstelle Update, Bonn

Digitale Medien als Erziehungsaufgabe in der frühkindlichen Bildung
Marcus Carbon, Sozialarbeiter B.A., Fachstelle Glücksspielsucht Südwestpfalz

APPGEFAHREN - Der aktive und medienpräventive Workshop für Jugendliche
Christoph Linn, Betina Löchel, Fachstelle Die Tür, Trier

Forum 3:
Von der Kinder- zur Familienreha
Dr. Edith Waldeck, Edelsteinklinik, Fachklinik für Kinder- und Jugendrehabilitation, Bruchweiler

Forum 4:
Trainings für Angehörige von betroffenen Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Internet - und Computerspielsucht
Dr. Isabel Brandhorst, Abteilung Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter Universitätsklinikum Tübingen

Forum 5:
Motivierende Gesprächsführung bei Medienabhängigkeit
Michael Knothe, Fachstelle Glücksspielsucht der Caritas Neus

Von EX-IN und geleitetem Entdecken - Prävention der Medienabhängigkeit am Beispiel der Ausstellung Bildersucht & Cyberflucht
Stephan Pitten, Fachverband Medienabhängigkeit e.V.

Forum 6:
Vorbei an den Sirenen der virtuellen Welten – Therapeutische Interventionen bei pathologischem Medienkonsum und Internetsucht und das Orpheusprogramm im Anton Proksch Institut
Dr. Andreas Schuster, Anton Proksch Institut, Wien

16:00 Uhr
Ausklang

 Vorträge

09:30 Uhr
Internetsucht sowie internetbezogene Störungen und deren Behandlungsmöglichkeiten
Dr. Klaus Wölfling, Ambulanz für Spielsucht, Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität, Mainz

Unter internetbezogenen Störungen werden unterschiedliche Internetaktivitäten verstanden, die durch einen Kontrollverlust der Betroffenen über das Verhalten als Kernsymptom sowie vor allem Interessenverlust und der Fortführung des Konsums trotz negativer Konsequenzen gekennzeichnet sind. In besonders schweren Fällen ist es möglich, die Diagnose vor Ablauf von 12 Monaten zu vergeben. Die Diagnose der internetbezogene Störungen lehnt sich inhaltlich an die von der WHO angekündigte Aufnahme der Gaming Disorder und seiner diagnostischen Kriterien im ICD-11 an.

Metaanalysen zeigen deutlich, dass verhaltenstherapeutische Interventionen besonderes gut geeignet sind, diese Erkrankungen zu behandeln. Exemplarisch sollen für den Altersbereich von Kindern und Jugendlichen ein Medientraining und für Erwachsene eine verhaltenstherapeutisches Gruppenprogramm vorgestellt werden. Das Medientraining umfasst vier Phasen und ist aufgrund der Fokussierung auf (nur) problematisches Verhalten nicht abstinenzorientiert – sondern zielt auf eine Reduktion des Internetkonsums ab. Die verhaltenstherapeutische Kurzzeittherapie STICA (Short-term Treatment of Internet and Computer game Addiction) zur Behandlung erwachsener, internetsüchtiger Patienten  ist abstinenzorientiert – hier wird die Abstinenz vom Problemverhalten als Ziel der Therapie formuliert. Dieses viermonatige Programm ist in drei Phasen unterteilt. In Phase 1 stehen die Psychoedukation sowie die Erarbeitung von Therapiezielen im Fokus. In Phase 2 beschreibt die psychotherapeutische Intervention, welche darauf abzielt, wieder einen funktionalen Umgang mit dem Internet zu erlernen. In der Terminierungsphase (Phase 3) werden verhaltenstherapeutische Techniken vermittelt, welche zur Rückfallprävention genutzt werden können.


10:40 Uhr
Pathologischer Medienkonsum und Internetsucht in Österreich und das therapeutische Angebot im Anton Proksch Institut
Dr. Andreas Schuster, Anton Proksch Institut, Wien

Es wird ein Überblick über den aktuellen Stand der Forschung zur Prävalenz des pathologischen PC- und Internetgebrauchs in Österreich gegeben. Dabei zeigt sich eine zurzeit sehr spärliche Datenlage.  Ebenso wird über das zurzeit bestehende therapeutische Angebot in Österreich und jenes im Anton Proksch im Speziellen referiert. Insbesondere wird das theoretische Konzept der seit 2018 bestehende Gruppentherapie für Personen mit pathologischem PC- und Internetgebrauch vorgestellt, bei welcher es sich unseres Wissens nach um das erste österreichweite derartige Angebot für Erwachsene handelt. Es wird auch auf einige Charakteristika der bisher im API behandelten PatientInnen eingegangen.


11:35 Uhr
Einordnung von Computerspielsucht / Gaming Disorder in den ICD 11
Dr. Kai W. Müller, Ambulanz für Spielsucht, Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität, Mainz

Unter substanzungebundenen Suchterkrankungen werden exzessiv ausgeführte Verhaltensweisen verstanden, die hinsichtlich ihrer Symptome klassischen Abhängigkeitserkrankungen ähneln. Neben der Glücksspielsucht stellt die suchtartige Nutzung von Computerspielen eine verbreitete Variante dar. Nationale und internationale Forschungsdaten untermauern, dass die Computerspielsucht ein ernstzunehmendes Störungsbild darstellt, welches mit einer erhöhten Symptombelastung, einem verminderten psychosozialen Funktionsniveau und Einschnitten hinsichtlich der Lebensqualität einhergeht. Während Computerspielsucht lange Zeit nicht als eigenständiges Krankheitsbild galt, änderte sich dies im Jahre 2018. Die Weltgesundheitsorganisation gab bekannt, Computerspielsucht als neue Diagnose in das ICD-11 aufnehmen zu wollen. Die diagnostischen Kriterien definieren die Computerspielnutzung als lebensbestimmende Tätigkeit, den Verlust an bewusster Kontrolle über die Nutzung, sowie die Fortführung des Verhaltens trotz negativer Folgeerscheinungen für den Betroffenen. Die diskutierte, jedoch noch nicht endgültig verabschiedete Aufnahme der Diagnose Computerspielsucht (verschlüsselt als „Störung durch Computerspielen“) in das ICD-11 stellt einen wichtigen Meilenstein sowohl für Behandelnde als auch Betroffene dar, ist doch davon auszugehen, dass nach wie vor bestehende Versorgungslücken nun geschlossen werden können.

 

Wahl des Forums:
Die Einteilung in das gewünschte Forum erfolgt in der Reihenfolge des Eingangs der Anmeldungen.
Bitte geben Sie zwei unterschiedliche Foren für Ihre Teilnahme an, damit wir Sie entsprechend Ihren Interessen zuteilen können. Doppelnennungen können wir leider nicht berücksichtigen. Teilnehmerlisten zu den Foren werden am Tagungsort ausgehängt. Es besteht die Möglichkeit, an der Konferenz auch nur Vor- bzw. Nachmittags teilzunehmen.

Foren:

Forum 1:
Mikrotransaktionen in Computerspielen. Ist eine Regulation im Jugendalter notwendig?
Michael Dreier, Ambulanz für Spielsucht Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität, Mainz

Mikrotransaktionen sind nicht per se mit Glücksspielelementen in Computerspielen gleichzusetzen. Dennoch zeigen empirische Befunde, dass eine exzessive Nutzung von Mikrotransaktionen im Kindes- und Jugendalter mit psycho-sozialen Problemen in Verbindung steht. Bei pathologisch Nutzenden findet die Stressverarbeitung überzufällig häufig dysfunktional in Computerspielen statt. Gleichzeitig weisen diese pathologisch Nutzenden verstärkt emotionale Probleme, Verhaltensprobleme, Hyperaktivität, Probleme mit Gleichaltrigen und erhöhten wahrgenommenen Stress auf. Anbieter von free-to-play-Spiele profitieren von diesen dysfunktionalen Stressverarbeitungsmechanismen, denn Bezahlschranken sorgen für neues Stresserleben. So ergibt sich quasi ein doppelter Teufelskreis. Hier bedürfen Kinder und Jugendliche besonderem Schutz. In den Bereichen Alkohol, Tabak, Glücksspiel u. v.a. m. sind bereits Jugendschutzregulationen implementiert. Unter Beachtung der empirischen Befunde und der Einführung der Gaming Disorder als Krankheit durch die WHO, ergibt sich auch für Computerspiele die Notwendigkeit adäquater präventiver Maßnahmen. Daher sollen anhand der fachlichen Expertise der am Workshop Teilnehmenden u.a. folgende Handlungsempfehlungen, im Sinne des Jugendschutzes, diskutiert und ergänzt werden:

  • keine Verschleierung der tatsächlichen Geldbeträge durch In-Game-Währungen
  • In-Game-Anzeige über insgesamt investiertes Geld nach dem Login
  • retrospektive Warenkorbanzeige
  • keine 1-Klick-Käufe
  • nicht zwei, sondern drei Optionen aufzeigen (1. kostenlos spielen, 2. Geld aufwenden, 3. das Spiel beenden)
  • dichotome Ranglisteninformation über Echt-Geld-Einsatz auf Accounts
  • Rückgaberecht für ungenutzte In-Game-Käufe
  • curriculare Nutzung von Digitalen Methodenkoffern zur Prävention der Internetsucht
  • Maximum Individual Revenue Per Paying User per month [MIRPPU] von 16€ für Kinder und Jugendliche
  • fehlende Altersverifizierung führt zur genereller Anwendung des MIRPPU

Online-Gaming & Online Gambling: Wie kann digitaler Spieler- und Jugendschutz gelingen? – Perspektiven, Konzepte und Befunde
Anke Quack, Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Der Online-Spielemarkt in Deutschland verzeichnet ein anhaltendes und rasantes Wachstum. Online Computerspiele mit sog. „Pay-to-Win“ Funktionen haben dazu geführt, dass die Grenzen zwischen Gambling und Gaming zunehmend verschwimmen. Das erhöhte Suchtgefährdungspotential nicht nur von Online-Glücksspielen unterstreicht den Handlungsbedarf bezüglicher einer Regulierung und der Umsetzung  verbindlicher Standards und Kontrollen für den Spieler- und Jugendschutz. Gleichzeitig liegen in Deutschland nur wenige Befunde zur Wirksamkeit onlinebasierter Spieler- und Jugendschutzmaßnahmen vor.

Im Rahmen des Workshops sollen international etablierte Spieler- und Jugendschutzmaßnahmen vorgestellt und deren Wirksamkeit anhand vorliegender Studienbefunde mit den Teilnehmern kritisch diskutiert werden.  Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, welche Maßnahmen und suchtpräventiven Erkenntnisse Berücksichtigung finden müssen, um einen wirksamen digitalen Spieler- und Jugendschutz in Deutschland zu erreichen. Dabei stellt der fachliche Austausch zwischen Suchtkrankenhilfe, Politik und Wissenschaft einen wichtigen Erfolgsfaktor für die Entwicklung praktikabler Konzepte dar. Am Ende des Workshops sollen Handlungsempfehlungen für den digitalen Spieler- und Jugendschutz formuliert werden, die Entscheidern aus Politik und Industrie zur Verfügung gestellt werden können.


Forum 2:
Net-Piloten Peerprojekt - Prävention der Internetsucht an Schulen
Andreas Pauly, Fachstelle Update, Bonn

Computersucht vorbeugen und Betroffene beraten, die Probleme im Umgang mit den Medien Internet und Computer haben, ist ein wichtiges Thema. Jugendliche nutzen die Medien wie selbstverständlich, aber ab wann ist es zu viel mit dem exzessiv Spiele am Computer spielen, im Internet surfen, mailen, chatten oder downloaden. "Net-Piloten" ist ein Modellprojekt zur Vorbeugung von exzessiven Computerspiel- und Internetgebrauch. Das Projekt ist eine bundesweite Initiative der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Daneben stellt der Workshop verschiedene Ansätze vor, wie update die Fachstelle für Suchtprävention der Caritas/Diakonie Bonn mit den Kindern und Jugendlichen präventiv arbeitet.

Digitale Medien als Erziehungsaufgabe in der frühkindlichen Bildung
Marcus Carbon, Sozialarbeiter B.A., Fachstelle Glücksspielsucht Südwestpfalz

Digitale Medien sind Teil unseres Alltags und finden Anwendung in fast allen Bereichen des täglichen Lebens. Das bietet vielfältige Chancen, birgt aber auch Risiken für die Gesundheit der Nutzer dieser Technologie. Um die Möglichkeiten für Lern- und Arbeitsprozesse nutzbar zu machen, wird der Einsatz von Tablets, Laptops und Smartboards in Schulen und Kindertagesstätten, durch die Bildungspläne vieler Länder, weiter vorangetrieben. Für Lehrende, Erziehende und Eltern ist das eine große Herausforderung, die mit vielen Unsicherheiten verbunden ist. Wie diese Akteure bei ihren Bildungs- und Erziehungsaufgaben unterstützt werden können und wie der Aspekt des gesunden Umgangs mit digitalen Medien dabei besondere Berücksichtigung finden kann, soll in diesem Workshop beispielhaft vorgestellt werden.


APPGEFAHREN - Der aktive und medienpräventive Workshop für Jugendliche
Christoph Linn, Betina Löchel, Fachstelle Die Tür, Trier

APPGEFAHREN ist ein präventiver Workshop der Suchtberatung Trier e.V. „Die Tür“, der mit Jugendlichen im Alter von 12-21 Jahren durchgeführt werden kann. Methodisch steht hierbei die aktive Medienarbeit im Vordergrund. Mit zur Verfügung gestellten Tablets werden in einem spielerischen Setting Apps (Abkürzung für Applikationen, also Anwendungen auf Smartphone oder Tablet) getestet und vorgestellt. Ziel des Workshops ist das Kennenlernen von kreativen und nützlichen Apps, die Reflektion über das eigene Medienverhalten sowie ein Wissensgewinn über Chancen und Risiken von digitalen Medien und deren Anwendungsmöglichkeiten. APPGEFAHREN orientiert sich hierbei an den Ressourcen der Teilnehmer und Teilnehmerinnen und möchte in einem offenen Setting – ohne mahnenden Zeigefinger – zum Nachdenken anregen und die Handlungsmöglichkeiten der Jugendlichen erweitern.


Forum 3:
Von der Kinder- zur Familienreha
Dr. Edith Waldeck, Edelsteinklinik, Fachklinik für Kinder- und Jugendrehabilitation, Bruchweiler

Aus meiner langjährigen Arbeit in der Kinderreha mit den Begleitpersonen von chronisch kranken Kindern fällt mir zunehmend ein Elterntum, geprägt von Erziehungsunsicherheit, Erschöpfung und Überforderung in Folge beruflicher und privater Belastungen auf.

Durch das Inkrafttreten des neuen Flexirentengesetzes Ende 2017 wurde eine Altersbegrenzung zur Dauerbegleitung aufgehoben. Nunmehr werden auch deutlich ältere Kinder von einer Bezugsperson begleitet. Zumeist handelt es sich hierbei um unselbständige, von ihren Eltern nicht abgelöste Kinder und Jugendliche, die sich in enger symbiotischen Bindung  zueinander befinden.

Was hat sich über die Jahre an intrafamiliärer Beziehungsgestaltung verändert?
Durch die Alltagstransparenz des Settings in der Kinderreha lassen sich die veränderten Umgangsformen gut erkennen. Sie sind egalitärer und inkonsequenter geworden. Egalitärer von Seiten der Eltern bedeutet eine Zurücknahme von Strafpraktiken aber auch die Aufsicht wird großzügiger ausgelegt. Die Kinder sind selbstsicherer geworden, erkennen die natürliche Autorität der Erwachsenen nicht an. Die konventionellen Normen der Einordnung wie Disziplin und gute Umgangsformen werden nur punktuell angewandt. Erfahrene Pädagogen beklagen den Verlust von Respekt und mangelnde Unterstützung in der Umsetzung der öffentlichen Erziehung durch das Elternhaus.

Was suchen Jugendliche heute bei uns Erwachsenen?
Erwachsene und Eltern besitzen in der heutigen medialen Welt keineswegs einen Wissensvorsprung gegenüber ihrer Kinder. Im Gegenteil. Heranwachsende suchen dennoch den Erfahrungsschatz der Eltern.  Trotz aller Proteste von Seiten der Kinder bedarf es der sicherheitsgebenden Grenzen und der Auseinandersetzung der überlieferten Normen und Regeln. Das Elternhaus wird nicht ersatzlos aufgegeben sondern die Peer-Group ist eine neue Dimension der Geborgenheit.

Wovor haben Eltern Angst?
Sie fürchten Fehler zu machen und etwas in der Erziehung unwiederbringlich zu versäumen. Sie haben Angst vor Drogen und falschen Freunden. Sie fürchten die Macht der Peer-Group und die eigene Ohnmacht. Sie sorgen sich um die Zukunft ihrer Kinder, vor deren Schulversagen und Karriere - Aus.

Woran verzweifeln Kinder und Jugendliche?
Sie haben Angst verlassen zu werden, Angst den Einen oder Anderen zu verlieren, Angst vor Mobbing und Ausgrenzung. Sie haben Angst vor einer ungewissen Zukunft, fürchten Konfliktsituationen und Trennung der Eltern, Einsamkeit und Ohnmacht.

Kinderreha und ein Erziehungsförderkonzept
Nicht unerheblich ist der Anteil der Begleitpersonen in der Kinderreha, die ebenso wie ihre Kinder durch die chronische Erkrankung des Kindes mitbetroffen psychosomatische Beschwerden zeigen. Ohne die Mitbehandlung der betroffenen, zum Teil auch krankheitsunterhaltenden Begleitperson lässt sich oftmals kaum der Therapieerfolg ihrer Kinder herbeiführen. Somit erlangt die Begleitperson eine neue Qualität. Sie wird aktiv am Therapieprozess beteiligt, mit Erziehungskompetenzen ausgestattet und in Ihrer Resilienz gestärkt.


Forum 4:
Trainings für Angehörige von betroffenen Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Internet - und Computerspielsucht
Dr. Isabel Brandhorst, Abteilung Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter Universitätsklinikum Tübingen

Gerade im Jugend- und Adoleszentenalter kommt den Angehörigen von Menschen mit psychischen Erkrankungen eine zentrale Rolle für wirksame Interventionen zu und oftmals liegt bei den Angehörigen der größte Leidensdruck vor. Dies zeigt sich auch in der Arbeit mit Computerspiel- und Internetabhängigen Menschen, insbesondere auch angesichts der oft sehr geringen eigenen Änderungsmotivation der Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Deshalb hat die Beratung, Unterstützung und das Training von Angehörigen eine große Bedeutung. Ziel der Angehörigenarbeit ist es, bei den Angehörigen ein neues Verständnis für das Verhalten der Betroffenen, sowie alternative Kommunikations- und Verhaltensweisen und eine verbesserte Selbstfürsorge aufzubauen. Im Workshop werden grundlegende Themen, Schwierigkeiten und Herausforderungen im Bereich der Angehörigenarbeit bearbeitet, sowie die Inhalte und erste Ergebnisse des Tübinger Gruppentrainings für Angehörige von Betroffenen mit Internet- und Computerspielsucht dargestellt.


Forum 5:
Motivierende Gesprächsführung bei Medienabhängigkeit
Michael Knothe, Fachstelle Glücksspielsucht der Caritas Neuss

Von EX-IN und geleitetem Entdecken - Prävention der Medienabhängigkeit am Beispiel der Ausstellung Bildersucht & Cyberflucht
Stephan Pitten, Fachverband Medienabhängigkeit e.V.

Experienced Involvement (EX-IN) kann als kreative Möglichkeit zur Vertrauensbildung und Förderung von Problemeinsicht bei internetbezogenen Störungen und Medienabhängigkeit angesehen werden. Dabei werden ehemals exzessiv Mediennutzende zum einen als Begleitung auf dem Genesungsweg von Betroffenen eingebunden, zum anderen in Austausch mit Experten, Beratern und Behandlern gebracht, um Angebote und Maßnahmen für medienabhängige Menschen zu verbessern und authentisches Erfahrungswissen einzubinden. Geleitetes Entdecken (vgl. Margraf & Schneider, 2009) beschreibt die dem zugrunde liegende Haltung: Potentiell Betroffene oder de facto medienabhängige Menschen erschließen sich angeleitet von ehemals Betroffenen mit ausgebildetem Problemverständnis, was eine Medienabhängigkeit ausmacht und wie sie sich selbst innerhalb dieses Spannungsfeldes einordnen können. Die Erlebnisausstellung Bildersucht & Cyberflucht des Fachverband Medienabhängigkeit e.V. verbindet EX-IN mit geleitetem Entdecken und wird als innovatives Präventionsprojekt vorgestellt werden.


Forum 6:
Vorbei an den Sirenen der virtuellen Welten – Therapeutische Interventionen bei pathologischem Medienkonsum und Internetsucht und das Orpheusprogramm im Anton Proksch Institut
Dr. Andreas Schuster, Anton Proksch Institut, Wien

Im Rahmen des Workshops wird die Gruppentherapie für Personen mit pathologischem PC- und Internetgebrauch im Detail vorgestellt, d.h. die Inhalte der einzelnen Sitzungen. Daneben werden auch die anderen „Säulen“ der Therapie im Anton Proksch Institut vorgestellt, dabei insbesondere das sog. „Orpheusprogramm“, welches mehrere Module umfasst (Sensibilitäts- und Sensibilisierung, Aufmerksamkeit & Achtsamkeit, Naturerfahrung und –erlebnis, Körperwahrnehmung, Selbsterfahrung, Genussintensivierung). Hierbei wird sowohl theoretische Konzepte hinter dem Orpheusprogramm eingegangen, als auch auf die konkrete Durchführung der Therapien und die wissenschaftliche Begleitung des Outcomes (die zurzeit allerdings erst für Alkoholabhängige vorliegt). Je nach Zeit und Wunsch können auch praktische Übungen, wie sie in der Internetsuchtgruppe und im Rahmen der Orpheusmodule durchgeführt werden, demonstriert bzw. erlebt werden.

 

Anmeldung spätestens bis 31. Mai 2019

Zeit

Montag, 12. Juni 2019, 9:00 bis 16:00 Uhr

Ort
Sparkassenakademie Schloß Waldthausen
Im Wald 1, 55257 Budenheim,
Telefon 06131 145-99

Anreise
Mit dem PKW von der A 60 Autobahnausfahrt Heidesheim, Richtung Budenheim, dann Hinweisschildern folgen. Parkplätze stehen zur Verfügung.
Wegbeschreibung

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln
Vom Hauptbahnhof Mainz Linie 68 bis Haltestelle Budenheim, Schloß Waldthausen. Busse fahren ab 8:00 Uhr in regelmäßigen Abständen. Die Fahrtzeit beträgt ca. 20 Minuten.
Linie 68 der MVG

Wahl des Forums
Die Einteilung in das gewünschte Forum erfolgt in der Reihenfolge des Eingangs der Anmeldungen.
Bitte geben Sie eine zweite Priorität an, um bei Überbelegung eine weitere Einteilung vornehmen zu können. Listen der Teilnehmenden an den Foren werden am Tagungsort ausgehängt. Es besteht die Möglichkeit, auch nur am Vor- bzw. Nachmittag teilzunehmen.

Akkreditierung
Diese Veranstaltung ist nach den Fortbildungsrichtlinien der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz von der Akademie für Ärztliche Fortbildung in Rheinland-Pfalz und nach der Fortbildungsordnung der Landes­PsychotherapeutenKammer Rheinland-Pfalz anerkannt.
Zudem ist diese Veranstaltung als Fortbildung für die internen Suchtberaterinnen und Suchtberater der rheinland-pfälzischen Justizvollzugseinrichtungen vom Ministerium der Justiz und für Verbraucherschutz anerkannt.

Veranstalterin
Ministerium für Soziales, Arbeit,
Gesundheit und Demografie
Bauhofstr. 9, 55116 Mainz

Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V.
Referat Suchtprävention, Nina Roth
Hölderlinstraße 8, 55131 Mainz

AnsprechpartnerInnen
Christian Schaack
Telefon 06131 2069-46
E-Mail

Freya Hölz
Telefon 06131 2069-24
E-Mail

Die Onlineanmeldung ist geschlossen.