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Depression und Bewegung

 

Warum ist Bewegung bei Depression hilfreich?

Während lange Zeit eine entweder psychologische oder biologische Ursache der Depression nebeneinander existierten, hat sich inzwischen weitgehend ein biopsychosoziales Verständnis durchgesetzt. Körperliche, psychische und soziale Faktoren spielen bei Depressionen in unterschiedlicher Ausprägung eine Rolle. Bewegungsaktivitäten können diese Aspekte gezielt zusammen ansprechen.

Körperliche Effekte der Bewegung

Sich stärker als üblich zu belasten, setzt körperliche Prozesse in Gang, die der depressiven „Stoffwechsellage“ entgegenwirken. Die verstärkte Muskelaktivität setzt eine Vielzahl von Stoffen frei, die über das Blut im Körper verteilt werden. Dazu zählen „Wohlfühl“-Substanzen und köpereigene „Medikamente“ mit entzündungshemmender und antidepressiver Wirkung.
Bereits bei 15 Minuten intensiver Bewegung wie Laufen oder bei 30 Minuten schnellerem Gehen täglich zeigt sich ein deutlicher positiver Effekt auf die Stimmung.

Psychologische Effekte von Bewegung

Die körperliche Aktivität und langsame Steigerung der Belastung und Belastbarkeit fördert den Selbstwert und die Selbstwirksamkeitsüberzeugung. Anstelle einer Abwärtsspirale „eigentlich sollte ich etwas für mich tun", „das schaffe ich sowieso nicht, ich fange gar nicht erst an", „schon wieder einen Tag sinnlos verschwendet", kann durch fest vereinbarte und durchgeführte Aktivitäten eine „Aufwärtsspirale" in Gang gesetzt werden: „auch, wenn es schwer scheint, ich werde mit den anderen laufen", „es war leichter, als gedacht", „ich kann mir mehr zutrauen, als ich dachte", „es fühlt sich gut an, ich darf mir auf die Schulter klopfen". Negative Erwartungen und Selbstabwertung werden so durch wiederholte, gegenteilige Erfahrungen in Frage gestellt. Ungünstige und scheinbar „sichere" Überzeugungen werden auf diesem Weg einer Realitätsprüfung unterzogen.

Soziale Effekte von Bewegung in der Gruppe

Auf ihre Erkrankung erleben Menschen mit Depression ganz unterschiedliche Reaktionen von der Familie, am Arbeitsplatz und in der Freizeit. Diese Erfahrungen zu teilen, kann sehr entlastend wirken. Die Teilnehmenden an einem Gruppenangebot haben intensive Erfahrungen und Kenntnisse zu Depressionen und Behandlungsmöglichkeiten. Der Austausch mit anderen, die in unterschiedlichen Krankheitsphasen zur Gruppe stoßen oder bereits länger teilnehmen, ist ein Gewinn. Ein Gruppenangebot zur Bewegung wahrzunehmen, hat also einen doppelt positiven Effekt.

Erwünschte Nebenwirkungen

Als erwünschte Nebenwirkung körperlicher Anstrengung verringert sich nicht nur das Risiko, an einer Depression zu erkranken. Auch die mit Antidepressiva häufig einhergehende Gewichtszunahme ist besser beeinflussbar. Regelmäßige Anstrengungen und die Bewegung an der frischen Luft sind natürliche Feinde überschüssiger Kalorien.

Langzeitstudien über teilweise 30 Jahre zeigen zudem eindeutig, dass die Wahrscheinlichkeit von Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen um 25% verringert und die Lebenszeit damit verlängert wird. Beruhigend sind zwei weitere Ergebnisse dieser Studie: Die Wirkung setzt bereits bei einmal Joggen in der Woche ein.

Aber Vorsicht: Der Körper braucht Zeit, um sich an bisher ungewohnte Belastungen anzupassen. Wer z.B. länger Laufen zum Ziel hat, sollte seine Strecke pro Woche um maximal 10-15% steigern.