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Demenz

Archiv „Demenz und Museum“

Museen im Dienst der Gemeinschaft: Museumsangebote für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen (Kopie)

Am 15. September 2014 fand im Mainzer Landesmuseum der Museumstag Rheinland-Pfalz unter dem Motto „Museen im Dienste der Gemeinschaft – Angebote für Menschen mit Demenz und deren Angehörige“ statt. Die Veranstaltung, eine Kooperation des Museumsverbandes Rheinland-Pfalz mit der LZG, wurde von über 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus der Museumsarbeit und den Demenz-Netzwerken besucht. Sie folgten einem regen Austausch über die zentrale Frage, wie Museen zur gesellschaftlichen und kulturellen Teilhabe von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen beitragen können.

Wie alle öffentlichen Orte der Kultur sind auch Museen Räume, in denen das Recht von Menschen mit Demenz auf Teilhabe verwirklicht werden kann. „Museen eignen sich besonders dafür, als Gedächtnis- und Speicherorte der Gesellschaft Menschen mit Demenz Brücken zu ihrem Langzeitgedächtnis zu bauen“, so Bettina Scheeder, Geschäftsführerin des Museumsverbandes RLP und Organisatorin der Veranstaltung. Ständige und wechselnde Ausstellungen könnten so zum Beispiel Teil einer erfolgreichen und erfüllenden Biografiearbeit werden.

Nach einer launigen Begrüßung durch Staatssekretär Walter Schumacher (Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur) führte Dr. Ingrid Schermuly, klinische Neuropsychologin, zunächst in die medizinischen Hintergründe der Demenz ein. Kulturelle Teilhabeprogramme, betonte sie, hätten eine nachweisbar positive Auswirkung auf das Lebensgefühl von Menschen mit Demenz.

Einen ersten Einblick, wie Museen sich für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen öffnen können, bot Wendy Gallagher, Arts for Health Partnership Manager im Manchester Museum and Withworth Gallery der Universität Manchester. Frau Gallagher stellte ein Projekt ihres Hauses vor, das seit 2012 einmal monatlich eine fünfstündige Veranstaltung für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen anbietet: „Coffee, Cake & Culture: An Arts for Health programme for older adults living with dementia“ (Kaffee, Kuchen & Kultur: Ein Kunst für Gesundheit-Programm für ältere Erwachsene mit Demenz). In dem Programm folgt nach der Begrüßung der Besucher eine Führung durch die jeweilige Ausstellung und eine gemeinsame Kreativstunde, in der die Menschen mit Demenz ihre Eindrücke verarbeiten können. Bei Kaffee und Kuchen gibt es anschließend Gelegenheit sich auszutauschen. Schließlich verabschiedet das Museumspersonal die Gäste. In jeder Etappe wird Wert darauf gelegt, eine gute Atmosphäre zu schaffen und auf die Bedürfnisse der Menschen mit Demenz einzugehen.

Das Programm, so Gallagher, könne nur erfolgreich sein, wenn verschiedene Partner eng zusammen wirken. Deshalb pflegt das Museum schon seit 2008 intensive Kooperationen mit den örtlichen Krankenhäusern und Pflegeheimen. Dies alles mit dem Ziel, das Wohlbefinden und vor allem die mentale Gesundheit der Menschen mit Demenz zu fördern.

Als Vertreter des Kooperationspartners LZG präsentierte Dr. Carl-Wilhelm Reibel anschließend das Landes-Netz-Werk Demenz Rheinland-Pfalz, das entstehende Demenz-Netzwerke in der Gründungsphase berät und etablierte Netzwerke betreut. Im Laufe der Jahre haben sich mit Unterstützung der LZG in Rheinland-Pfalz 35 Demenz-Netzwerke gebildet, die neben der klassischen Netzwerk-Arbeit, Fachveranstaltungen und Demenzwegweisern auch kulturelle Angebote für Menschen mit Demenz realisieren. Eine Ausweitung der kulturellen Aktivitäten auf eine Kooperation mit Museen trifft hier auf breites Interesse.

Im letzten Beitrag des Tages „Kunst und Kultur für Menschen mit Demenz in der Bundeskunsthalle Bonn. Ein Erfahrungsbericht über vielfältige Angebote in Wechselausstellungen“ stellten Birgit Tellmann (Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH), Uschi Baetz (Kulturvermittlerin) und Peter Gauchel (Leiter des Haus Katharina in Königswinter) ihr gemeinsames Projekt vor. Dabei besuchen Menschen mit Demenz aus einem Seniorenheim zusammen mit ihren Betreuungspersonen die Bundeskunsthalle. Nach einem gemeinsamen Kaffeetrinken schließt sich eine 45 – 60minütige Führung durch die Ausstellung an, bei der wenige Werke gezielt betrachtet werden. Die Veranstaltung endet mit einer Abschlussrunde oder einem praktisch-kreativen Angebot. Im Rahmen dieses Projekts wird auch eine gemeinsame Veranstaltung für Menschen mit Demenz und Kindergartenkinder angeboten. Hier treffen maximal vier Menschen mit Demenz und acht Kinder aufeinander, erleben die Ausstellung zusammen und lassen im Anschluss daran in einem Werkraum ihrer Kreativität gemeinsam freien Lauf.

Doch nicht nur Museen in großen Städten können Angebote für ein neues Zielpublikum erarbeiten. Das Stadtmuseum in Ingelheim etwa präsentierte im Rahmenprogramm der Veranstaltung sein Inklusions-Konzept für Menschen mit Demenz. Auch hier verbringen Kinder und Menschen mit Demenz gemeinsame Nachmittage im Museum, besuchen die Ausstellung und setzen das Gesehene danach zusammen in spielerischer Kreativität im Werkraum um.

Der Museumsverband Rheinland-Pfalz und das Landes-Netz-Werk Demenz der LZG wollen sich auch nach der Veranstaltung weiter dafür einsetzen, dass in Rheinland-Pfalz neue Kooperationen zwischen Museen, Demenz-Netzwerken und sozialen Einrichtungen entstehen. Ziel ist es, dass das Teilhabe-Angebot für Menschen mit Demenz im Land verbreitert und vielfältiger wird.

PROGRAMM
 
14:00 Uhr
Begrüßung
Dr. Andrea Stockhammer, Direktorin des Landesmuseums Mainz
Dr. Elisabeth Dühr, Vorsitzende des Museumsverbands Rheinland-Pfalz e.V.
 
14:05 Uhr
Grußwort
Staatssekretär Walter Schumacher, Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz
 
14:15 Uhr
Was verbirgt sich eigentlich hinter dem Begriff Demenz?
Dr. Ingrid Schermuly, Klinische Neuropsychologin, Psychologische Psychotherapeutin
mit anschließender Diskussion
 
14:50 Uhr
„Health and Culture“ – Forschungsergebnisse und Erfahrungen eines Projekts in Großbritannien
Wendy Gallagher, Arts for Health Partnership Manager, Manchester Museum & Whitworth Art Gallery, The University of Manchester
mit anschließender Diskussion
 
15:30 Uhr
Demenznetzwerke in Rheinland-Pfalz
Dr. Carl-Wilhelm Reibel, Landes-Netz-Werk Demenz Rheinland-Pfalz in der LZG
 
16:00 Uhr
„Kunst und Kultur für Menschen mit Demenz in der Bundeskunsthalle Bonn. Ein Erfahrungsbericht über vielfältige Angebote in Wechselausstellungen“
Birgit Tellmann, Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH
Uschi Baetz, Kulturvermittlerin
Peter Gauchel, Haus Katharina, Königswinter
mit anschließender Diskussion
 
16:45 Uhr
Abschlussdiskussion