Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V.
telephone 06131-2069-0

Demenz

Archiv „10 Jahre Demenzkampagne Rheinland-Pfalz“

Eine Erfolgsgeschichte – 10 Jahre Demenzkampagne Rheinland-Pfalz

Am 8. Mai 2014 wurde im Mainzer Rathaus das 10-jährige Bestehen der Demenzkampagne Rheinland-Pfalz gefeiert. Knapp 200 Teilnehmende aus allen, sich mit dem Thema Demenz beschäftigenden Bereichen, alte Weggefährten und neue Partnerinnen und Partner, fanden sich zusammen und ließen die 2004 von Sozialministerin Dreyer initiierte Aufklärungskampagne hochleben.

Die Veranstaltung fand im Ratshaussaal statt, an dem Ort, an dem die Demenzkampagne vor zehn Jahren aus der Taufe gehoben wurde. Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Sozialminister Alexander Schweitzer eröffneten den Festakt mit Videobotschaften. Der Oberbürgermeister von Mainz, Michael Ebling, der 2004 noch als Sozialdezernent der Rheinstadt an der Gründungsfeier teilgenommen hatte, begrüßte die Gäste im Namen der Stadt; Hildegard Dressino, Stellvertretende Vorsitzende der LZG, hieß die Anwesenden ebenfalls herzlich Willkommen.

Als erster Höhepunkt sprach Helga Rohra – international tätige Demenzaktivistin und selbst demenziell erkrankt. Frau Rohra teilte ihre Erfahrungen mit, die sie im Laufe der Jahre mit Behörden, Ärztinnen und Ärzten und im Alltag gemacht hat. Mal nachdenklich, mal humorvoll, mal fordernd zeigte sie die Defizite in Gesellschaft, Medizin und Verwaltung im Umgang mit Menschen mit Demenz auf. Ihr Credo: „Ich bin dement – na und?“ stellt sie all ihren Aktivitäten voran und will damit Mut machen: „Eine Demenz ist nicht das Ende, auch mit einer Demenz können Sie ein erfülltes Leben haben.“

Der Auftritt von Frau Rohra steht stellvertretend für eine neue Ausrichtung der Beschäftigung mit dem Thema Demenz. Vor zehn Jahren wurde in der Hauptsache über die Krankheit aufgeklärt, also überMenschen mit Demenz gesprochen. Heute muss verstärkt mitMenschen mit Demenz gesprochen werden, vor allem nach der Diagnose und in einem frühen Stadium sollen sie gehört und ihre Bedürfnisse ernst genommen werden. Es sei darüber hinaus notwendig, so das Plädoyer des Sozio-Gerontologen Prof. Dr. Thomas Klie im Festvortrag des Tages, dass unsere Sprache, die den Menschen mit Demenz die Würde nimmt, menschlicher werde. Sprachungeheuer wie etwa „Pflegefall“ sollten aus der Kommunikation verschwinden, ersetzt werden durch Begriffe wie „Verletzlichkeit“. Begriffe also, die den Menschen nicht als „Fall“ sehen, sondern zum einen darauf hinweisen, dass er Sorge nötig hat, bzw. uns ansprechen, dass wir sorgend tätig werden, in eine Beziehung zu dem Menschen treten sollen.

Die Geschichte der Demenzkampagne Rheinland-Pfalz kann nicht ohne ihre Partner und vor allem die vielen Demenznetzwerke, die sich im Rahmen der Demenzkampagne gegründet haben, erzählt werden. Stellvertretend für die 36 Demenznetzwerke und die vielen Partnerinnen und Partner sprachen in einer Talkrunde Gabi Schönweitz (Demenznetzwerk Rhein-Lahn-Kreis), Bettina Koch (Demenznetzwerk Alzey-Worms) und Gudrun Anders (Alzheimer Gesellschaft RLP, ehem. Vorsitzende) über zurückliegende und anstehende Projekte im Namen der Demenz. Ingeborg Germann (Referentin Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie, MSAGD) und Jupp Arldt (LZG, Geschäftsführer) vervollständigten die Runde.

Beschlossen wurde die Veranstaltung durch Bernhard Scholten (Abteilungsleiter, MSAGD), der die Zusicherung des Ministeriums überbrachte, die Demenzkampagne Rheinland-Pfalz auch künftig zu fördern.

Zwischen den jeweiligen Programmpunkten kamen immer wieder „Menschen der ersten Stunde“ zu Wort, die von ihrer Arbeit im Rahmen der Demenzkampagne erzählten. Moni Bittmann (Fachkraft für Gerontopsychiatrie), Regina Petri (Universitätsmedizin Mainz), Friedel Durben (Ministerium des Innern, für Sport und Infrastruktur) und Prof. Dr. Hans Hermann Wickel (FH Münster) begleiteten die Demenzkampagne seit ihren Anfängen, engagierten sich in Projekten und trugen wesentlich zu ihrem Erfolg bei. Die Weggefährten erzählten humorvoll und spannend von einer Vergangenheit, in der es längst nicht selbstverständlich war, das Thema Demenz in die Öffentlichkeit und die Institutionen zu tragen und die Gesellschaft über den Umgang mit Menschen mit Demenz aufzuklären.

Das Jubiläumsfest wurde musikalisch von den rockigen Rhythmen der Band „Dead or Live“ untermalt. Im Foyer des Rathauses gab eine Plakatausstellung einen Eindruck von der Arbeit der 36 Demenznetzwerke. Und die Teilnehmenden hatten Gelegenheit, für sich und die Internet-Seiten ihrer Einrichtungen Statement- und Erinnerungsfotos in einer Fotobox zumachen.

An dieser Stelle ist es Zeit für ein großes „Dankeschön“:

Wir danken den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Ministeriums für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie (MSAGD) und unseren Partnerinnen und Partnern in den Netzwerken für 10 Jahre erfolgreiche, spannende und sympathische Zusammenarbeit!

Und wir danken  allen Teilnehmenden – die Veranstaltung gab Schwung für die nächsten zehn Jahre!

PROGRAMM
09:30 Uhr
Ankommen mit Musik: Dead or Alive, Mainz
 
10:00 Uhr
Begrüßung und Statements
Ministerpräsidentin Malu Dreyer
Sozialminister Alexander Schweitzer
Oberbürgermeister Michael Ebling
Helga Rohra (Publizistin und Aktivistin)
 
Menschen der ersten Stunde berichten
Monika Bittmann, Fachkraft für Gerontopsychiatrie
 
Auf dem Weg in eine sorgende Gesellschaft?
Zivilgesellschaft und Demenz 2014
Prof. Dr. Thomas Klie, Evangelische Hochschule Freiburg, Rechts- und Verwaltungswissenschaften, Gerontologie
 
Menschen der ersten Stunde berichten
Prof. Dr. Hans Hermann Wickel, Musik in der Sozialen Arbeit, Musikpädagogik, Musikgeragogik
 
10 Jahre Demenzkampagne Rheinland-Pfalz. Talk mit
Jupp Arldt (LZG)
Ingeborg Germann (MSAGD)
Gabi Schönweitz (regionales Demenznetzwerk Rhein-Lahn-Kreis)
Bettina Koch (regionales Demenznetzwerk Alzey-Worms)
Gudrun Andres (Alzheimer Gesellschaft Rheinland-Pfalz e.V., Vorsitzende a.D.)
 
Menschen der ersten Stunde berichten
Friedel Durben, Ministerium des Innern, für Sport und Infrastruktur des Landes Rheinland-Pfalz (ISIM)
Regina Petri, Universitätsmedizin Mainz
 
12:35 Uhr
Ausblick
Sozialminister Alexander Schweitzer
 
Begegnung mit Musik: Dead or Alive, Mainz
Moderation: Dr. Daniela Engelhardt (SWR)