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Leben und Wohnen

Wohn-Pflege-Gemeinschaften finanzieren

Für die Finanzierung von Bauen, Kaufen und Umbau empfiehlt sich ein Finanzierungsmix. Dieser kann aus dem Eigenkapital der Investoren, aus Stiftungskapital, Genossenschaftskapital, aber auch Fördermittel oder Spenden bzw. Fundraising bestehen. Dazu kommen die möglichen Individualförderleistungen der Pflegeversicherungen, Kredite von Banken, der KfW oder ISB sowie Privatdarlehen.

Um eine langfristige Nutzung durch die Bewohnerinnen und Bewohner sicherzustellen, sollte die Miete dem ortsüblichen Niveau entsprechen. Insbesondere ist darauf zu achten, dass die Wohnungsgröße und der Mietpreis mit den Wohngeld- und Sozialhilferichtlinien vereinbar sind. Andernfalls ist die Nutzung für Menschen mit geringem Einkommen deutlich erschwert und die Auslastung der WPG kann gefährdet sein.

Beispiel: Kirrweiler Landkreis Südliche Weinstraße

Bürgermeister Rolf Metzger berichtet von der Finanzierung durch eine Stiftung.

Informationen zu den Kosten und der Finanzierung in Wohn-Pflege-Gemeinschaften

Die Bewohnerinnen und Bewohner in Wohn-Pflege-Gemeinschaften schließen nicht nur eine Vielzahl von unterschiedlichen Verträgen ab (wie u. a. einen Pflege-, sowie einen Mietvertrag), auch die monatlichen Kosten setzen sich aus verschiedenen Posten zusammen und werden aus unterschiedlichen „Töpfen“ finanziert.

Folgende Übersicht soll helfen, einen Überblick zu erhalten: Hier

Weiterführende Informationen

Finanzierungsmöglichkeiten

Sofern die WPG für Pflegebedürftige und/oder Menschen mit Behinderung konzipiert ist, sollte dem Finanzierungsmix eine besondere Bedeutung zukommen. Seit einigen Jahren ist es möglich, die individuellen hauswirtschaftlichen Leistungen der Pflegeversicherung für kollektive Arbeiten in der WPG einzusetzen. Die Leistungen können gepoolt werden. In einer Wohn-Pflege-Gemeinschaft (WPG) lassen sich mit dieser Möglichkeit Synergieeffekte erreichen. Mit dem Pflegestärkungsgesetz PSG III sind weitere Möglichkeiten eröffnet worden.

Broschüre „Finanzierung – was möglich ist“ herunterladen

Betriebs- und Personalkosten im Überblick

Um ihren gesamten Hilfe- und Unterstützungsbedarf zu decken, müssen die Bewohner einer WPG Leistungen verschiedener Anbieter in Anspruch nehmen und mit diesen entsprechende Verträge schließen. Hierzu zählen insbesondere der Mietvertrag sowie ein Vertrag oder mehrere Verträge über Unterstützungsleistungen bei der Bewältigung des Alltags. Zu letzteren gehören neben hauswirtschaftlichen Leistungen wie der Unterstützung bei der Reinigung der Wohnung, dem Kochen, der Wäscheversorgung und dem Einkaufen auch verwaltende, organisatorische, betreuende und das Gemeinschaftsleben fördernde Tätigkeiten. Hinzu kommen bei entsprechendem Bedarf ein Vertrag über die individuelle pflegerische Versorgung sowie der Behandlungspflegevertrag über die Durchführung von Leistungen der häuslichen Krankenpflege wie zum Beispiel der Gabe von Medikamenten. Darüber hinaus bietet es sich an, die (Rechts-)Beziehungen der Bewohner untereinander zu regeln. Die Gestaltung der Vertragsbeziehungen zwischen den Bewohnern und dem Vermieter bzw. den Dienstleistern kann sich darauf auswirken, welche gesetzlichen Bestimmungen zum Tragen kommen. Die Broschüre der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz befasst sich neben den mit Dritten zu schließenden Verträgen auch mit dem Abschluss einer Gemeinschaftsvereinbarung durch die Bewohner.

Eine Broschüre der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz befasst sich neben den mit Dritten zu schließenden Verträgen auch mit dem Abschluss einer Gemeinschaftsvereinbarung durch die Bewohner:

Broschüre „Grundlagen der Vertragsgestaltung“ der Verbraucherzentrale herunterladen

Im Unterschied zu einer stationären Einrichtung werden in einer Wohn-Pflege-Gemeinschaft die Kosten nicht monatlich an eine Institution entrichtet, sondern jeweils gesondert an unterschiedliche Leistungserbringer bezahlt.

Das können sein:

Mietkosten: Sie gehen direkt als Einzelmiete oder indirekt als Gesamtmiete an den Vermieter des Wohnraumes. Darin enthalten sind der Mietzins und die Betriebs- und Heizkosten wie in jedem andern Mietverhältnis auch.

Kosten des Haushalts: Dies ist ein monatlicher Fixbetrag, mit dem die Wohngruppe oder ihre Beauftragten die erforderlichen Einkäufe des täglichen Bedarfs deckt. Diese Haushaltskasse wird gemeinschaftlich verwaltet.

Kosten für die Betreuung / Personalkosten: Dies sind Kosten, die für Dienstleitungen im Alltag anfallen. Sie werden von einem Dienstleister oder Angestellten (Arbeitgebermodell) erbracht.

Kosten der Pflege: In WPGs werden Pflegeleistungen in der Regel in Form von Sachleistungen erbracht und bei entsprechendem Anspruch direkt mit der Pflegekasse abgerechnet.

Kosten für Rücklagen: Die gemeinschaftliche Wohnungsausstattung unterliegt einer Abnutzung. Für Ersatzbeschaffung und Reparaturen sollte eine Rücklage gebildet werden. Dies ist für Bewohnerinnen und Bewohner mit Sozialhilfebezug mit dem örtlichen Träger der Sozialhilfe abzustimmen.

Mögliche Vertragsbeziehungen innerhalb der WPG:

Sozialrechtliche Regelungen nach dem SGB XI Pflegeversicherung

Im Sinne der Pflegeversicherung werden Wohn-Pflege-Gemeinschaften wie Privathaushalte betrachtet und Leistungen der häuslichen Pflege gewährt. Die Bewohnerinnen und Bewohner können die Leistungen der häuslichen Pflege als Pflegesachleistung (§ 36 SGB XI), Pflegegeld (§ 37 SGB XI) oder Kombinationsleistung (§ 38 SGB XI) beziehen. Auch Anspruch auf Verhinderungspflege (§ 39 SGB XI) besteht, sofern Angehörige in die Betreuung und Pflege in der WPG einbezogen sind.

Die individuell erforderlichen Pflegehilfsmittel (§ 40 SGB XI) können im Unterschied zur vollstationären Pflege von der Pflegekasse übernommen werden. Sofern Bewohnerinnen und Bewohner von einer eingeschränkten Alltagkompetenz betroffen sind, stehen auch die Leistungen nach § 45b und § 123 SGB XI für Betreuungsmaßnahmen zur Verfügung.

Sicherzustellen ist die Wahlfreiheit des einzelnen Pflegebedürftigen. Eine kollektive Verpflichtung, nur Leistungen eines bestimmten ambulanten Pflegedienstes in Anspruch zu nehmen, ist nicht möglich.

Mit den aktuellen Reformen der Pflegeversicherung (vgl. Rundschreiben des GKV-Spitzenverband) haben sich auch die Bedingungen der Pflege in WPGs verbessert. Neben den Leistungssteigerungen für den Personenkreis der Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz (§§ 45a und 123 SGB XI) haben Pflegebedürftige, die in ambulant betreuten Wohngruppen leben, einen zusätzlichen monatlichen Anspruch, sofern mindestens drei Pflegebedürftige die pflegerische Versorgung gemeinschaftlich organisieren und hierfür eine Person beschäftigen (vgl. Informationen zum sog. Wohngruppenzuschlag, § 38a SGB XI). Darüber hinaus ist (§ 45e SGB XI) eine sogenannte Anschubfinanzierung bei gemeinsamer Gründung einer WPG möglich.

Im Prinzip ist die Pflege so individuell wie in Privathaushalten zu organisieren. Durch die Reform der Pflegeversicherung hat der Gesetzgeber den ambulanten Pflegediensten auch mehr Spielraum in der Leistungserbringung eingeräumt. So sind sie z.B. nicht mehr an den Verrichtungsbezug gebunden und können auch Betreuungs- und Kommunikationsleistungen übernehmen.

Sozialrechtliche Regelungen nach dem SGB XII Sozialhilfe

Hierfür sind in Rheinland-Pfalz die kreisfreien Städte und Landkreise als örtliche Träger der Sozialhilfe zuständig. Es ist sinnvoll, bei der Planung entsprechender Angebote möglichst frühzeitig mit den entsprechenden Verwaltungen Kontakt aufzunehmen. Von dort gibt es wichtige Aussagen, vor allem zu Fragen des Bedarfs und der Finanzierung. Für die Kommunen stellen Wohn-Pflege-Gemeinschaften ein Unterstützungsangebot dar, das für die örtliche Angebotslandschaft von Bedeutung ist. Neben der Tatsache, dass die Menschen dort mit einem Höchstmaß an Selbstbestimmung leben können, zeigen Erfahrungen, dass bei kreativen Lösungen Möglichkeiten gefunden werden können, die diese Angebote auch finanziell für den Kostenträger interessant machen; dies gilt vor allem für die Nutzung von vorrangigen Ansprüchen gegenüber den Kranken- und Pflegekassen.

Sofern für Bewohnerinnen und Bewohner eine Leistungsgewährung nach dem SGB XII in Betracht kommt bzw. kommen könnte, ist auch diese Frage von den örtlichen Trägern zu beantworten. Hierzu wird für jeden Menschen der individuelle Unterstützungsbedarf mit seiner Beteiligung bzw. der Beteiligung von Angehörigen oder Betreuerinnen und Betreuer ermittelt. Bei einer Leistungsgewährung ist unter Berücksichtigung von Freibeträgen das vorhandene Einkommen und/oder Vermögen grundsätzlich einzusetzen. Daneben kommen auch je nach finanzieller Situation Leistungen zur Sicherstellung des Lebensunterhaltes in Betracht; auch hier ist das Einkommen und/oder Vermögen in gewissem Umfang zu berücksichtigen.

Bei den Kosten und der Finanzierung sind auch die Bedingungen der Sozialhilfe zu berücksichtigen, damit auch Personen mit Sozialhilfeberechtigung das Angebot wahrnehmen können. Diese gelten im Besonderen für die Höhe der Miete und die monatlichen Gesamtkosten der Betreuung.

Um eine langfristige Nutzung durch die Bewohnerinnen und Bewohner sicherzustellen, sollte die Miete dem ortsüblichen Niveau entsprechen. Insbesondere ist darauf zu achten, dass die Wohnungsgröße und der Mietpreis mit den Wohngeld- und Sozialhilferichtlinien vereinbar sind. Andernfalls ist die Nutzung für Menschen mit geringem Einkommen deutlich erschwert und die Auslastung der WPG kann gefährdet sein.

Weitere aktuelle Informationen zu Finanzierungsmöglichkeiten finden Sie auch auf der Homepage www.wohnen-wie-ich-will.rlp.de unter „Fördermöglichkeiten“.

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