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Ministerin Ahnen eröffnete ersten Knoten-Fachtag im März 2007
Die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in sozial benachteiligten Lebenslagen zu fördern, ist das Ziel des neu gegründeten rheinland-pfälzischen Netzwerks „Regionaler Knoten Rheinland-Pfalz“. Auf einem ersten Fachtag am 9. März in Mainz stellte der Kooperationsverbund, in dem sich das Gesundheitsministerium und das Jugendministerium, die Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz (LZG), gesetzliche Krankenkassen und die Unfallkasse, die Liga der Spitzenverbände der Wohlfahrtspflege, Vertreter der Wissenschaft, der Verein Armut und Gesundheit in Deutschland sowie kommunale Spitzenverbände zusammengefunden haben, als Kernstück der Kooperation die gemeinsame Arbeit im Schnittfeld Kindergesundheit und Armut vor. Unterstützend soll eine intensivere Zusammenarbeit zwischen Bundes- und Landesebene sowie ein verbesserter Informations-Transfer zwischen den gesundheitsfördernden Angeboten erreicht werden. Dazu wurde in Rheinland-Pfalz im vergangenen Jahr, wie in allen anderen Bundesländern auch, ein „Regionaler Knoten“ gegründet. Doris Ahnen, Ministerin für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, eröffnete den Fachtag im Mainzer Rathaus, der unter dem Motto „Gesundheitsförderung: Zugänge öffnen und gestalten“ stand.
Um die Zukunftschancen aller Kinder und Jugendlichen zu verbessern, sei das Engagement vieler gesellschaftlicher Akteure nötig, die politikfeldübergreifende Strategien gemeinsam entwickelten und umsetzten, hielt die Jugendministerin fest. In Rheinland-Pfalz gebe es bereits viele gute Beispiele für eine erfolgreiche Gesundheitsförderung sozial benachteiligter Kinder und Jugendlicher – sei es im Bereich der Ernährungs- oder Bewegungsförderung, in der Wohnumfeldgestaltung oder bei der Förderung von Vorsorge und Früherkennung. Der „Regionale Knoten zur Förderung von Kindergesundheit in sozial benachteiligten Lebenslagen“ solle dazu beitragen, dass diese guten Beispiele noch mehr Schule machten. Zugleich könnten so die Kriterien guter Praxis in der Gesundheitsförderung von sozial Benachteiligten für die Qualitätsentwicklung intensiver genutzt werden.
Gesundheitliche Chancengleichheit als Querschnittsaufgabe etablieren
Der „Regionale Knoten Rheinland-Pfalz“ wurde als landesweite Koordinierungs- und Vernetzungsstelle gegründet, die Akteure aus unterschiedlichen Bereichen wie Politik, Bildung, Wissenschaft, Soziale Arbeit und Gesundheitsförderung an einen Tisch bringt. „Seit Oktober 2006 ist die Landeszentrale für Gesundheitsförderung federführend mit der Koordination beauftragt“, so Sanitätsrat Dr. Günter Gerhardt, Vorsitzender der LZG. Durch vielfältige Vernetzungsarbeit leisteten die „Regionalen Knoten“ einen wichtigen Beitrag zu mehr gesundheitlicher Chancengleichheit. Die „Regionalen Knoten“ begleiten Einrichtungen bezüglich ihrer Präventionsangebote, weisen auf Beispiele guter Praxis oder auf Finanzierungsmöglichkeiten hin, bündeln Ressourcen, sichern Qualitätsstandards und regen den Austausch der Gesundheitsförderungsprojekte untereinander an. Ebenso initiieren und betreuen die „Regionalen Knoten“ Arbeitskreise, neue Projekte und führen Fachveranstaltungen durch. Dabei sollen Potenziale und Synergien aufgezeigt und genutzt sowie innovative Ansätze gefördert und entwickelt werden, so Gerhardt.
Armut als Gesundheitsrisiko
„Armut ist das größte Gesundheitsrisiko“, so die Kernaussage von Prof. Dr. Gerfried Gebert, Mainz, auf dem Fachtag. Dies belege der jüngste Kinder- und Jugendgesundheitsbericht des Robert Koch Instituts. Die Ergebnisse, die bundesweit repräsentativ seien, zeigen, dass Kinder aus sozial benachteiligten Familien häufiger von Entwicklungsverzögerungen und frühen Gesundheitsstörungen betroffen sind. Sie seien außerdem zu einem höheren Teil übergewichtig, ernähren sich ungesünder und treiben weniger Sport. „Im Jugendalter lässt sich zudem ein Zusammenhang zwischen dem sozialen Status und dem Auftreten von psychischen und Verhaltensauffälligkeiten feststellen“, so Gebert. Die Sozialstatistik zeigt: „Wer in Deutschland durch Armut oder andere Faktoren benachteiligt ist, hat ein doppelt so hohes Risiko zu erkranken und eine bis zu zehn Jahre geringere Lebenserwartung als Vergleichsgruppen aus besser gestellten Bevölkerungskreisen“, unterstrich Prof. Dr. Gerhard Trabert vom Verein Armut und Gesundheit in Deutschland in seinem Fachvortrag. Gerade für Kinder und Jugendliche treffe dies in verstärktem Maße zu.
Gesundheitliche Chancengleichheit stärken – Gute Praxis in die Fläche bringen!
Umso wichtiger sind Gesundheitsförderungsmaßnahmen, die auf eine Verbesserung der Lebensumstände bestimmter Zielgruppen wie etwa Alleinerziehende, Menschen mit Migrationshintergrund oder junge Familien in sozialen Brennpunkten abzielen. Gerade diese Menschen werden wenig von Angeboten der Gesundheitsförderung und Vorsorge erreicht, wie Krankenkassendaten belegen. Andererseits zeigte der Fachtag an zahlreichen Beispielen, dass solche Probleme kein Automatismus sein müssen: Werden gesundheitsfördernde Maßnahmen genau auf die Lage im jeweiligen Wohnquartier und auf die Bedürfnisse von benachteiligten Gruppen zugeschnitten, entsteht eine deutliche Verbesserung der Situation. „Integration und gesellschaftliche Teilhabe sind wichtige Einflussfaktoren auf Gesundheit und Wohlbefinden“, lautete das Fazit Prof. Dr. Dr. Detlef Baums von der Fachhochschule Koblenz. Dazu trügen so unterschiedliche Faktoren wie ein gutes Miteinander in der Nachbarschaft, Mitbestimmungsmöglichkeiten im Betrieb oder örtliche Bildungsangebote wesentlich mit bei.
In den Workshops des Fachtags ging es dann auch konkret um solche positiven Praxisbeispiele für mehr gesundheitliche Chancengleichheit. Unter dem Themenkomplex „Zugänge zu gesundheitsfördernden Maßnahmen eröffnen“ wurden erfolgreiche Projektbeispiele und Praxisansätze vorgestellt und diskutiert. Insbesondere beim Good-Practice-Ansatz geht es darum, bewährte und innovative Ansätze aus anderen Projekten und Handlungsfeldern in die eigene Arbeit zu übertragen. Nicht zuletzt spart das Lernen an positiven Beispielen Ressourcen, insbesondere wertvolle Arbeitszeit. Auch auf dem „Infomarkt“ des Fachtags im Foyer des Mainzer Rathauses stellten eine Vielzahl von Organisationen spezifische Projekte und Angebote in Rheinland-Pfalz vor.
Eine Dokumentation des ersten Fachtages kann hier heruntergeladen oder bestellt werden.
Ansprechpartnerin: Annika Welz, Telefon 06131 / 20 69 16
