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Aufmerksamkeitsstörungen und Verhaltensauffälligkeiten

Eltern und Experten im Gespräch

Ein Fachforum zum Thema „Aufmerksamkeitsstörungen und Verhaltensauffälligkeiten“ wurde  Eltern im Rahmen der „Elternschule Trier“ am 30. Mai 2007 angeboten. Rund 70 betroffene und interessierte Eltern sowie einige Fachkräfte waren der Einladung der LZG gefolgt. In einer Talkrunde diskutierten Experten, unter der Moderation des Chefreporters des Trierischen Volksfreundes - Bernd Wientjes,  die Frage, wann Verhaltensauffälligkeiten wie ständige Unruhe oder Konzentrationsmangel auf eine Erkrankung wie chronisches Aufmerksamkeitsdefizit (ADS) oder eine kombinierte Hyperaktivität (ADHS) hinweisen und was dann zu tun sei? In der anschließenden Gesprächsrunde mit Eltern und Experten wurden  Fragen behandeln wie: Wann ist eine genaue Diagnose von Verhaltensstörungen erforderlich und wie sieht sie aus? Welche Behandlungswege und -schritte gibt es und was sollte man als Eltern und Kinder gemeinsam mit Ärzten, Therapeuten, Heilpädagogen und ähnlichen Experten tun? Was können Eltern  vorbeugend und begleitend z.B. zu Hause, mit dem Kindergarten oder der Grundschule tun, um schwierige Kinder nicht auszugrenzen, sondern ihre Selbststeuerung zu fördern?

Dr. Alexander Marcus, Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Krankenanstalt Mutterhaus der Borromäerinnen in Trier, verwies auf die Notwendigkeit aber auch Grenzen von Erziehung, wenn wirklich ADS oder ADHS vorliegt. Angezeigt sei eine mehrmodulare Behandlung mit Trainings, Beratung des erzieherischen Umfeldes, Hilfen zur Verhaltensregulation, nötigenfalls auch mit medikamentöser Unterstützung. Vertreterinnen von Selbsthilfegruppen berichteten, dass Eltern oft sehr spät den Arzt aufsuchen, da z.B. Hyperaktivität als Makel und die Behandlung mit Skepsis angesehen werde, letztlich aber deutlich helfe. Eine genaue Diagnose vor jeder Behandlung betonte Frau Dr. Marie-Luise Ipach, ärztliche Leiterin des Sozialpädiatrischen Zentrums (SPZ) Trier. Auch sei es nicht nur bei AD(H)S, besonders aber dabei wichtig, als Eltern Grenzen und Strukturen zu setzen, gemeinsame Rituale und Zeiten zu haben und Medien- und Außenreize zu reduzieren. Die Psychologin Margit Fornefeld wies auf die vielseitige Behandlung von weiteren Begleitstörungen wie z.B. Sprach- und Rechenschwierigkeiten hin. Als weitere Mitarbeiterin des SPZ bietet die Pädagogin Edith Tusseng   Elterngruppen an. Auch zu den  Selbsthilfegruppen wurde von manchen Eltern Kontakt aufgenommen.

Der Abend wurde von Eltern als Orientierungshilfe und als Chance zur Entstigmatisierung betroffener Familien angesehen. Die Vertreterinnen von Selbsthilfegruppen sprachen von einer erfreulichen Chance, sich positiv einem schwierigen Thema zuzuwenden und fachlich differenzierte Informationen zu erhalten. Bei diesem Termin konnten die verschiedenen Behandlungsmodule und ihre wechselseitige Ergänzung als Hilfemöglichkeit deutlich gemacht werden. Die Belange der Eltern ernst zu nehmen war ein Kernanliegen der LZG-Elternschule, die an diesem Termin Eltern untereinander sowie mit Fachleuten zu Gesundheitsthemen ins Gespräch brachte.

Begleitet wurde der Fachnachmittag durch mehrere Elternabende in Kitas zum gleichen Thema mit anerkannten Fachärztinnen und -ärzten, die in einem regionalen Qualitätszirkel zu AD(H)S arbeiten und sich stetig weiterbilden. Der Hilfebedarf wird von diesen Fachleuten als hoch und derzeit nicht abdeckbar angegeben bzw. für Eltern mit teilweise sehr langen Wartezeiten verbunden. Für den Zeitraum bis zur diagnostischen Abklärung gab die „Elternschule“ vielen Eltern auch Hinweise zum ersten Umgang mit entsprechenden oder ähnlichen Auffälligkeiten im Familienalltag.

Ansprechpartner:
Helmut Hafemann, Telefon 06131 / 20 69 18, Fax 06131 / 20 69 69