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Die großen Volkskrankheiten in Mainz.

Tauchen Sie ein in das Mainz des Mittelalters.
Wie sah es in Mainz aus vor vielen hundert Jahren? Wie lebten die Menschen damals? Durch welche großen Volkskrankheiten fanden unzählige Mainzer Bürger den Tod?
Die Ursachen der großen Volkskrankheiten waren leider noch nicht bekannt.
Die Menschen waren diesen Krankheiten damals hilflos ausgeliefert – sie verstanden sie als Strafe Gottes und suchten in Ermangelung von Heilmethoden verzweifelt Hilfe in Gebeten.

Erste Berufe im Gesundheitswesen - Bader und Barbiere
Im Mittelalter wurden Kranke überwiegend zu Hause von der Familie betreut. Einzig die Baderstuben – am Rheinufer oder an kleinen Bächen in der Stadt gelegen – boten das an, was man heute als „Gesundheits- oder Wellness-Service“ bezeichnen könnte: Dort konnte man baden und speisen und sich medizinisch behandeln lassen.
Die Betreiber der Baderstuben, die Bader oder Barbiere, verwendeten schon früh Heilkräuter und versorgten Wunden. Ihr Erfahrungswissen gaben sie von Generation zu Generation weiter.
Beim Gang durch die Mainzer Innenstadt erfahren Sie, welche anderen erstaunlichen Leistungen die Bader noch anboten.

Neue Berufe im Gesundheitswesen - Apotheker und Chirurgen
Wie auch heute, erkannten die Menschen bald „Service-Lücken“, die es zu füllen galt.
So entwickelten sich aus den Badern oder Barbieren ganz neue Berufsbilder wie z.B. die Apotheker und die handwerklich ausgebildeten Chirurgen.
Warum diese noch bis zum Ende des 18. Jahrhunderts in der Behandlung von Kranken weitaus wichtiger waren als die an der Universität ausgebildeten Mediziner und warum die Chirurgen in einer gemeinsamen Zunft mit den Schreinern und Drehern zusammengeschlossen waren, erfahren Sie bei unserem Rundgang.

Die Hebammen
Ausgebildete Hebammen gab es im Mittelalter noch nicht. Wenn die Wehen einsetzten, verließen sich werdende Mütter bei der Geburt auf erfahrene, so genannte weise Frauen. Aber weise allein reichte nicht – sie mussten zudem stets verheiratet und selbst Mütter mehrerer Kinder sein.
Nach der Gründung der Mainzer Universität im Jahre 1477 änderte sich diese Form der Geburtshilfe: Von nun an nahmen Professoren Prüfungen in Anatomie und Geburtshilfe ab. Nur wer diese bestand, durfte als so genannte Hebamme arbeiten.
Warum ledige Mütter den Namen des Vaters preisgeben mussten und wie die praktische Ausbildung der Hebammen sich danach deutlich verbesserte, hören Sie bei unserer Stadtführung.

Im Krankenhaus waren Kranke die Ausnahme
Im späten Mittelalter gab es die ersten Krankenhäuser, damals Hospital oder Spital genannt. Aber nicht die medizinische oder soziale Versorgung stand im Mittelpunkt, wie es heute der Fall ist, sondern die geistliche Betreuung.
Könnten wir heutzutage einen Blick in die Spitäler des Mittelalters und der frühen Neuzeit werfen – wir wären erstaunt:
Nicht die Kranken machten das Gros der Betreuten aus, sondern hauptsächlich reisende Fremde, Alte, Arme, Behinderte und Arbeitslose. Kranke wurden zwar auch vereinzelt aufgenommen, aber nur, wenn sie keine ansteckenden Krankheiten hatten.
Beim Rundgang wird berichtet, aus welchem merkwürdigen Grund 1742 drei Spitäler geschlossen wurden…

Wenn Mediziner streiten ...
Am Ende des 18. Jahrhunderts erlebte die Alte Universität eine einschneidende Reform:
Neue Fakultäten wurden gegründet, Protestanten durften Professoren werden und die Medizinische Fakultät erlebte eine Blütezeit. Bedeutende Mediziner wie Sömmering, von Wedekind oder Weidmann erhielten einen Ruf an die Mainzer Universität.
Die Bauarbeiten an der ersten Mainzer Universitätsklinik waren schon weit fortgeschritten, als ein Expertenstreit ausbrach.
Was es mit dem großen Streit an der Mainzer Uni auf sich hatte und wie dieser entschieden wurde – darauf dürfen Sie jetzt neugierig sein.

Beginn des modernen Krankenhauswesens in Mainz
1848 wurde die große Gruppe der Alten, Armen, Gebrechlichen, Behinderten und Obdachlosen aus dem Rochusspital in das Invalidenhaus verlegt. Erstmals waren nur Kranke im Rochusspital.
Die Behandlung der Patienten verbesserte sich aber erst, nachdem ausgebildete Krankenpflegerinnen im Rochusspital beschäftigt wurden. Nun begann die Erfolgsgeschichte des modernen Krankenhauswesens.
Am Ende des 19. Jahrhunderts nahm die Bevölkerung stark zu. Neben dem Städtischen Krankenhaus im Rochusspital beteiligten sich nun auch andere Träger an der Krankenversorgung.
Beim Rundgang erfahren Sie mehr über die Krankenhäuser in Mainz, die inzwischen auf eine bedeutende Geschichte zurückblicken können.

Neubau des Städtischen Krankenhauses 1914
Das Städtische Krankenhaus im Rochusspital war um 1900 nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Daher kämpfte Chefarzt Dr. Michael Reisinger ab 1903 engagiert für einen Neubau.
Informationsreisen folgten, fachliche Konzepte wurden erarbeitet. Sein Ziel erreichte Dr. Reisinger 1911 mit der Grundsteinlegung für das Neue Städtische Krankenhaus. Die großzügig konzipierte Pavillon-Anlage des Städtischen Krankenhauses ist noch heute der sichtbare Kern der Universitätsklinik.
Mit der Neugründung der Universität im Jahre 1946 wurde – erstmals nach dem Scheitern vor 150 Jahren - im Städtischen Krankenhaus die Mainzer Universitätsklinik eröffnet. Hören Sie, wie Dr. Reisinger einen Tag vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges den Neubau für die zivile Nutzung sicherte.
Von der Baderstube zum Klinikum
Die Versorgung von Kranken in Mainz vom Mittelalter bis in die Gegenwart
Der medizinhistorische Rundgang wird von der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e. V. gemeinsam mit Geographie für
Alle e. V. durchgeführt.
Gerne bieten wir Ihnen Rundgänge für Gruppen an.
Bitte vereinbaren Sie einen Termin:
Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)
Hölderlinstraße 8
55131 Mainz,
Tel.: 06131 – 206911
E-Mail: info[at]lzg-rlp.de
