Inhalt
Esstörungen - die Rolle der Angehörigen
Workshop von LZG und Pfalzinstitut stellt Elterntraining vor
Magersucht, Bulimie und Esssucht sind schwerwiegende psychosomatische Erkrankungen, die sich in einem gestörten Verhältnis zum Essen und zum eigenen Körper äußern. Nicht nur Mädchen und Frauen leiden darunter, zunehmend sind auch junge Männer betroffen. Den verschiedenen Formen von Essstörungen ist eines gemeinsam: sie führen zu gravierenden gesundheitlichen und sozialen Folgen und belasten die Familien oft sehr. Viele Eltern sind hilflos.
Das Büro für Suchtprävention der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) griff diese Thematik auf und initiierte im Auftrag des Gesundheitsministeriums die Veranstaltung „Essstörungen – die Rolle der Angehörigen“. Fachkräfte aus unterschiedlichen Beratungsbereichen, vor allem der Sucht- und Erziehungsberatung, nahmen an der Veranstaltung im Pfalzinstitut in Klingenmünster teil und informierten sich darüber, welche Rolle Angehörige bei der Entstehung von Essstörungen spielen und wie sie die Therapie unterstützen können.
Dr. Susanne Lieb, stellvertretende Chefärztin im Pfalzinstitut, betonte, dass meist nicht nur die betroffenen Personen selbst unter der Krankheit leiden: „Essstörungen begegnen uns in vielen Gesichtern“, so Dr. Lieb. Bei Jugendlichen mit Essstörungen zeige oft ein Elternteil oder schon die Großeltern ein problematisches Essverhalten. Dies bestätigte auch Assistenzärztin Inka Aspacher, die gemeinsam mit Dr. Lieb durch die Veranstaltung führte. Beim Heilungsprozess spielen aber gerade die Familienmitglieder eine wichtige Rolle, da sie für Jugendliche ein Modell für das eigene Essverhalten darstellen.
Das Pfalzinstitut - Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie - hat daher zur Unterstützung betroffener Familien ein Elterntraining entwickelt. Es wendet sich an die Eltern von Kindern und Jugendlichen mit problematischem Essverhalten bis hin zu Essstörungen. Neben grundlegenden Informationen zu Essstörungen werden Ursachen und Folgen der Erkrankung erläutert. Außerdem befasst sich der Kurs damit, was eine therapeutische Behandlung beinhaltet und wie Eltern die Therapie unterstützen können. Ergänzend hierzu wird überlegt, wie eine geeignete Weiterbehandlung aussieht und wer unterstützend helfen kann.
In der Diskussion mit den Fachkräften wurde in der Veranstaltung deutlich, dass es für die Therapie von Essstörungen wichtig ist, wie motiviert die Angehörigen sind. Je engagierter die Familie das Problem anpackt, umso motivierter sind die betroffenen Jugendlichen, ihr gestörtes Essverhalten zu überwinden. Zudem wurde erkennbar, dass grundlegende Informationen an alle Eltern bezüglich des Essmanagements notwendig sind, weil gemeinsame familiäre Mahlzeiten mit Gesprächen immer seltener werden sowie die Kenntnis über die Vielfalt der Lebensmittel bei Jugendlichen immer mehr abnimmt. Diese Tendenz scheint die Entwicklung von Essstörungen zu begünstigen. Eltern sollten sich also bewusst sein, dass sie für das Essverhalten ihrer Kinder eine wichtige Modellfunktion haben und unter anderem eine stabile familiäre Esskultur dazu beitragen kann, Essstörungen zu vermeiden.
Weitere Informationen erhalten Interessierte auf der Homepage der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. unter www.lzg-rlp.de. Wer eine Beratungsstelle in der Nähe sucht, findet diese unter der Nummer der Sucht-Infoline 0800-5511600 (kostenfrei aus dem deutschen Festnetz).
Eine persönliche telefonische Beratung bietet die Hotline Essstörungen am Pfalzinstitut von Montag bis Donnerstag zwischen 15 und 16 Uhr unter der 06349-900-3333.
V.i.S.d.P. Jupp Arldt, Geschäftsführer LZG
