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Andere Länder? Andere Sitten? Fachtag der LZG zu Körpererfahrung und Sexualerziehung in Kitas
Mainz, 2. September 2010
In Kindertagesstätten wächst der Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund. Dies bringt neue Vielfalt und Möglichkeiten in die Kindertagesstätten, birgt aber auch Herausforderungen für die Erzieherinnen und Erzieher. Sexualität und Körperlichkeit sind Themen, die besonders im Umgang mit den verschiedenen Kulturen zu Verunsicherung führen. Fragen wie „Brauchen Mädchen und Jungen in Kindertagesstätten getrennte Umkleiden und Toiletten?“ oder „Wie kann mit der kindlichen Neugier auf den Körper umgegangen werden?“ erfordern sensible Auseinandersetzung, Hintergrundwissen und eine wertschätzende Haltung gegenüber den verschiedenen Religionen und Kulturen.
Die Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) veranstaltete hierzu am 26. August 2010 im Erbacher Hof in Mainz in Kooperation mit dem Sozialpädagogischen Fortbildungszentrum (SPFZ) den Fachtag „Andere Länder? Andere Sitten? – Körperlichkeit im Wertespiegel der Kulturen“. Der Fachtag bot Vorträge und Workshops zur interkulturellen Sexualerziehung im Kindesalter an. Über hundert Erzieherinnen und Erzieher aus ganz Rheinland-Pfalz, unter ihnen auch interkulturelle Fachkräfte sowie sexualpädagogische Beraterinnen und Berater, nahmen die Fortbildungsmöglichkeit an. Sie erfuhren, wie Sexualerziehung in der Kindertagesstätte umgesetzt werden kann, ohne dass sich die Eltern, die Kinder oder die Erzieherinnen und Erzieher selbst unwohl fühlen.
Zunächst wurde zentrales kulturelles Wissen vermittelt. Die Teilnehmenden erfuhren in einem Vortrag von der Buchautorin und Sexualpädagogin Meral Renz, die selbst in der Türkei geboren wurde, dass man nicht alle Kinder mit gleicher Religionszugehörigkeit „in einen Topf“ werfen könne, sondern den Blick auf die verschiedenen praktizierten „Familienkulturen“ richten sollte. Denn beispielsweise fastet nicht jede muslimische Familie während des Ramadans, aber für diejenigen, die fasten, ist in dieser Zeit die Sexualität ein Tabu-Thema. Ein erster Schritt müsse es folglich sein, Wertvorstellungen der Kulturen kennenzulernen und Eltern über biologische Hintergründe aufzuklären, damit ihnen unbegründete Ängste genommen werden können. Um erfolgreich zusammenzuarbeiten und Konflikten vorzubeugen, sollten die Kitas den Eltern ein Konzept vorlegen, wie sie in ihrer Einrichtung mit Körperlichkeit und Sexualerziehung umgehen.
Der Fachtag von LZG und SPFZ gab darüber hinaus Anregungen für die praktische Arbeit in der Kita. Kinderbücher, Lieder und theaterpädagogische Spiele für eine rücksichtsvolle sexualpädagogische Aufklärung der Kinder wurden ausprobiert. Vorgestellt wurde unter anderem, wie die Vorgänge im Körper, wenn „Mama schwanger wird“ in einem kindgerechten Theaterstück dargestellt werden können. Die Botschaft, dass Kinder eine gesunde Körperwahrnehmung und Begriffe für ihre Körperteile lernen sollten, war während des ganzen Tages zentral. So haben Kinder die Möglichkeit konkret zu äußern, wenn sie sich krank fühlen oder Opfer von sexuellem Missbrauch geworden sind. Denn in einem Punkt sind sich die Eltern aller Kulturen einig: Kinder sollten wissen, wann es wichtig ist „Nein“ zu sagen, wenn es um ihren Körper geht. Hier kann die interkulturelle Sexualerziehung ansetzen und Eltern von der Wichtigkeit des Themas überzeugen.
V.i.S.d.P. Jupp Arldt, Geschäftsführer LZG
